Konflikt im Wald
Wo sich Biker und Wanderer im Baselbiet zu nahe kommen

Erstmals in der Region ist ein Waldentwicklungsplan vollständig überarbeitet worden – das Gebiet Ergolzquelle im östlichsten Kantonsteil. Er trägt auch Konfliktherden Rechnung.

Simon Tschopp
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Führt hin und wieder zu Schwierigkeiten: Biker und Wanderer kreuzen sich.

Führt hin und wieder zu Schwierigkeiten: Biker und Wanderer kreuzen sich.

Bild: Dominique Meienberg

Der Waldentwicklungsplan (WEP) Ergolzquelle ist der erste in beiden Basel, der überarbeitet worden ist. Er stammt aus dem Jahr 2000 und umfasst die öffentlichen und privaten Wälder der Gemeinden Anwil, Hemmiken, Oltingen, Ormalingen, Rothenfluh und Wenslingen mit einer Fläche von rund 1500 Hektaren.

Drei neuralgische Punkte

Nach etwa jeweils 20 Jahren analysiert das Amt für Wald beider Basel jeden der 15 bestehenden WEP, die dann je nach Verhältnissen überarbeitet werden oder nicht.

«Der Klimawandel und die veränderten Ansprüche im Bereich Erholung und Sport im Wald sind die Hauptgründe für eine Überarbeitung»

erklärt Ernst Spahr vom Amt für Wald beider Basel. Es seien immer mehr Leute unterwegs, wenn auch nicht flächendeckend. Im Gebiet des WEP Ergolzquelle sind die neuralgischen Punkte das Wenslingerfeld, die Roti Flue ob Rothenfluh und die Schafmatt bei Oltingen. Das sind Ausflugsgebiete, die gut erreichbar sind, Parkplätze bieten und deshalb viele Menschen anziehen.

Der überarbeitete Waldentwicklungsplan trägt auch Konfliktpotenzialen Rechnung: Wo Wanderer und Biker zu wenig Rücksicht aufeinander nehmen, wo nicht angeleinte Hunde Fussgängern Angst einjagen oder wo Wildtiere und Naturwerte gestört werden. Bei Wanderern und Bikern gebe es in beiden Lagern «Extremisten», was zu Schwierigkeiten führe. «95 Prozent der Waldbenutzerinnen und -benutzer verhalten sich aber problemlos», relativiert Ernst Spahr. Es sei nie der Einzelne, sondern die Massierung, die Problemen bereite. Aber viele Einzelne gäben eben auch eine Masse.

Infotafeln und Signalisierungen

Die Waldgängerinnen und -gänger sollen künftig von mehr Informationen profitieren können durch Infotafeln und Signalisierungen – ein Schwerpunkt des überarbeiteten Waldentwicklungsplans. Im Gebiet Ergolzquelle wurden wegen Zielkonflikten ein paar Reit- und Bikewege aufgehoben, im Gegenzug andere freigegeben. Damit versucht man laut Spahr, zu kanalisieren und Lenkungsmassnahmen zu treffen.

«Das Wichtigste ist die Rücksichtnahme untereinander. Signalisation und Repression kommt erst an zweiter Stelle. Wir wollen keinen Schilderwald.»

Der WEP koordiniert auch die anderen Waldleistungen. So weisen die Wälder im Planungsgebiet nach wie vor einen hohen Wert für den Naturschutz auf und sind wichtig für die Holzproduktion, insbesondere auch für die Versorgung der verschiedenen lokalen Schnitzelfeuerungen. Der hohe Standard in diesen Bereichen soll gehalten und weiter ausgebaut werden.

Der Prozess einer WEP-Überarbeitung dauert rund zwei Jahre. Er beginnt mit Stichprobenaufnahmen, Inventar und Bestandeskarten aktualisieren. Die eigentliche Planung beansprucht etwa eineinhalb Jahre. Danach folgt ein erster Entwurf des «neuen» WEP samt Mitwirkungsverfahren, bei dem alle Eingaben machen können. Diese lässt das Amt für Wald beider Basel einfliessen und muss Verbänden sowie Waldeigentümern das rechtliche Gehör gewähren. In dieser Phase sind Einsprachen möglich. Sind sie alle erledigt, setzt die Regierung den WEP in Kraft.