Kein Multiplex-Erlebnis
Kitag springt ab: Doch kein Kino im neuen Quartier in Muttenz

In der Muttenzer Hagnau wird es keine Kinosäle geben. Denn der vorgesehene Betreiber ist abgesprungen.

Michel Ecklin
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Die Kinosäle waren im Ostteil des zukünftigen Muttern Quartiers Hagnau unter den beiden Hochhäusern geplant gewesen.

Die Kinosäle waren im Ostteil des zukünftigen Muttern Quartiers Hagnau unter den beiden Hochhäusern geplant gewesen.

Zur Verfügung gestellt

Es wurde als Zentrum eines neuen Quartiers angekündet: Das Multiplexkino, das unter den geplanten zwei Hochhäusern im Osten des Areals Hagnau in Muttenz vorgesehen war. Betrieben worden wäre es von der Kitag AG. Das Unternehmen kündigte an, die Kinosäle, die es derzeit in der Basler Innenstadt betreibt, an den Stadtrand in die Hagnau zu verlegen.

Die Muttenzer Gemeindeversammlung hatte den Quartierplan für den neuen Stadtteil genehmigt in der Annahme, dass ein Kino für Publikumsverkehr sorgen werde. Damit sei sichergestellt, dass das neue Quartier und der urbane Platz auch wirklich wie gewünscht belebt sein würden.

Kitag hat sich zurückgezogen

Entsprechend sind zusätzliche Gewerbenutzungen wie ein Café geplant. Und die Kitag ist in den vergangenen Jahren bereits mit einigen Sälen an die Peripherien einiger Schweizer Städte gezogen, deshalb hätte ein Kinostandort Hagnau durchaus Sinn ergeben.

Doch dazu wird es jetzt nicht kommen. Das Internetportal Onlinereports weiss, dass die Kitag beschlossen hat, auf das Multiplexkino in der Hagnau ganz zu verzichten. Eine Anfrage der bz an das Kinounternehmen blieb gestern unbeantwortet. Eine sichere, anonyme Quelle sagt aber, dass die Kitag AG einen bereits unterschriebenen Vertrag gekündet habe.

Ein lebendiges Quartier braucht Anteil Gewerbe

Der Muttenzer Gemeinderat Thomi Jourdan (EVP) weiss, es sei zumindest darüber diskutiert worden, dass die Kitag abspringen könnte. «Ein Kino wäre für die Belebung des Platzes sicher positiv», sagt er. «Für das ganze Quartier wäre das eine gute Sache.» Falls das Kino tatsächlich nicht zu Stande kommt, dann hofft er, dass ein Mieter gefunden wird, «der den Standort stärkt».

Der Quartierplan lässt jedenfalls eine andere Nutzung als ein Multiplexkino zu. Dort ist nur festgehalten, dass ein Kino zulässig ist – aber nicht, dass es zwingend eines geben müsste. «Die Investoren haben das Anliegen, eine optimale Nutzung zu finden», sagt Jourdan. «Was dort genau stattfinden wird, können sie innerhalb der Quartierplanvorschriften frei entscheiden.»

Mix der Nutzungen sei entscheidend

Investorin ist auf dem Ostteil der Hagnau die Anlagestiftung der Kantonalbanken Swisscanto. Diese verweist für Auskünfte auf die Immobiliendienstleisterin HRS, welche die Aufgabe hat, für das Areal Mieter zu finden. Ariel Dunkel, der bei HRS für das Projekt zuständig ist, will sich nicht konkret über die Verhandlungen mit der Kitag äussern. Er sagt aber, ähnlich wie Jourdan: «Im Quartierplan sind 30 Prozent Gewerbenutzung vorgeschrieben, und die brauchen wir, um das Quartier richtig zu entwickeln.»

Ein Kino wäre für die Belebung des Platzes sicher positiv.

(Quelle: Thomi Jourdan, Muttenzer Gemeinderat)

Nur mit den geplanten Wohnungen sei das nicht möglich. «Deshalb haben wir bisher mit dem Kino geplant.» Entscheidend sei aber letztlich der Mix der Nutzungen. Und man müsse flexibel bleiben, bis sich das Zusammenspiel aller Akteure abzeichne.

Maximalfläche für Läden verhindert grosse Verkaufsflächen

Was bereits jetzt feststeht: Falls auf der Hagnau tatsächlich kein Multiplexkino gebaut wird, gibt es an dessen Stelle keine grossen Verkaufsflächen wie im Basler Dreispitz oder dem Prattler Grüssen-Areal – zumindest nicht, solange der derzeitige Quartierplan aktuell bleibt. Denn dieser definiert eine maximale Fläche für Läden. «So etwas wie die bereits im Dorf bestehenden Verkaufsflächen wäre möglich, mehr nicht», sagt Jourdan.

Vorerst ist aber nicht sicher, ob der Quartierplan überhaupt umgesetzt werden kann. Gegen die Genehmigung durch die Regierung ist nämlich noch eine Beschwerde eingereicht worden, die noch nicht von den Richtern beurteilt worden ist. Darin geht es allerdings nicht ums Multiplexkino.