Gemeindeversammlung
Kilchbergs Kirchengeläut löst Unruhe aus

Sollen die Glocken nachts künftig schweigen? Mit dieser Frage beschäftigt sich Kilchberg schon länger. Am kommenden Donnerstag soll die Gemeindeversammlung über die Frage entscheiden. Die Diskussionen werden aber wohl auch nach dem Entscheid noch nicht verstummen.

Simon Tschopp
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Der nächtliche Glockenschlag vom Kirchturm gefällt nicht allen Kilchbergern.

Der nächtliche Glockenschlag vom Kirchturm gefällt nicht allen Kilchbergern.

Nicole Nars-Zimmer

Am Anfang war der Defekt. Ein gebrochenes Zahnrad liess im Mai 2019 das Geläut der neugotischen Kirche St. Martin zu Kilchberg verstummen. Anwohner fanden Gefallen daran, dass sie der Glockenschlag nachts nicht mehr aus dem Schlaf riss. Sie gelangten an den Gemeinderat, um darauf hinzuwirken, dass dies so bleibt. Seit diesem Monat erfolgt der Zeitschlag wieder wie früher – jede Viertelstunde, tagsüber und in der Nacht.

Nun beantragt die Exekutive der Gemeindeversammlung vom kommenden Donnerstag, das Geläut zwischen 22 und 7 Uhr ganz abzuschalten. Dies wollte sie schon von der September-Versammlung absegnen lassen, das Geschäft wurde jedoch zurückgewiesen. Stimmbürger warfen damals ein, dazu müssten ebenfalls die Nachbargemeinden Rünenberg und Zeglingen sowie die Kirchengemeinde, welcher die drei Dörfer angehören, befragt werden.

Zeitschlag sei Sache der Standortgemeinde

Laut dem Kilchberger Gemeindepräsidenten Marcel Aeschbacher bestätigten die Gemeinderäte der beiden Nachbarorte mit einer Gegenstimme, dass das Festlegen des Zeitschlags Sache der Standortgemeinde sei. «Auch unsere Kirchenpflege ist der Ansicht, dass die Uhr weltlich ist und die Einwohnergemeinde darüber bestimmt», erklärt Aeschbacher – ausser das Morgengeläut und kirchliche Anlässe, die in den Zuständigkeitsbereich der Kirchgemeinde gehören. Über die Dauer des Morgengeläuts jeweils um 7 Uhr – momentan vier Minuten – entscheidet die Kirchgemeindeversammlung am 6. Dezember.

Frage wird erneut für Diskussionen sorgen

Derzeit höre er nichts von Einwohnern, sagt der Gemeindepräsident von Kilchberg. Aber es werde an der Gemeindeversammlung bestimmt Leute geben, die gegen den Antrag stimmten und möchten, dass der Glockenschlag auch nachts ertönt. Für Aeschbacher ist klar: «Die Distanz macht es aus. In der Weite klingt es schön – aber je näher, je lauter.»

An der Versammlung vor knapp zwei Monaten wurde zudem gefordert, rechtlich abzuklären, ob die Kirchenuhr wirklich weltlich sei und die Kirchgemeinde nichts zu sagen habe. Darauf hat Kilchbergs Gemeinderat jedoch verzichtet, aus finanziellen Gründen.

Marcel Aeschbacher rechnet damit, dass diese Frage erneut für Diskussionen sorgen wird. Er vertritt den Standpunkt: «Wenn eine Einzelperson aus einer Nachbargemeinde das Gefühl hat, wir hätten etwas falsch gemacht, soll sie einen Anwalt beiziehen und diesen auch selber bezahlen.»