Musik
In diesem Liestaler Tagesheim stehen Töne und Klänge im Mittelpunkt

Im Tagesheim «Sunnewirbel» nimmt Musik eine besondere Stellung ein: Es ist die erste Kita in der Schweiz, die mit dem Konzept «Bamukki – Bildungsakzent Musik für kleine Kinder» arbeitet.

Rebekka Balzarini
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Im «Sunnewirbel» wird jeden Tag musiziert. Hier mit einer grossen Trommel.

Im «Sunnewirbel» wird jeden Tag musiziert. Hier mit einer grossen Trommel.

Nicole Nars-Zimmer niz

An der Wand hängen bunte Eulen und Schneemänner aus Papier, kleine Holzstühle und Tische stehen im Gruppenraum. Es ist Zeit fürs Zvieri im Tagesheim «Sunnewirbel» in Liestal, die Kinder sitzen am Tisch und essen gemeinsam mit den Betreuerinnen.

Heimleiter Michael Krisztmann führt durch das dreistöckige Haus. Das Tagesheim sieht aus wie viele andere Kitas. Fast. Denn im obersten Stockwerk wartet ein besonderes Zimmer auf die Kinder: Dort steht ein Klavier an der Wand, auf dem Boden liegen Rasseln, Klangstäbe, ein Xylofon.

Schweizweit einzigartig

«Eigentlich höre ich ständig irgendwo ein Trommeln, Singen oder Summen», erklärt Heimleiter Krisztmann bei einem Gespräch in seinem Büro. In seinem Tagesheim nimmt Musik eine besondere Stellung ein: Es ist die erste Kita in der Schweiz, die mit dem Konzept «Bamukki – Bildungsakzent Musik für kleine Kinder» arbeitet.

Das Modell beschreibt allgemeine Bedingungen und Strategien, wie Musik in der frühen Bildung eingesetzt werden kann. Bei dem Konzept, welches die pädagogische Hochschule Schwyz entwickelt hat, sollen die Betreuungspersonen in den Kitas die Kinder früh musikalisch fördern. Es geht davon aus, dass auch kleine Kinder sich für Musik und Klänge interessieren. Schon die Kleinsten nehmen Schallwellen wahr, spielen mit der Stimme und bewegen sich zu Klängen und Lauten. Durch frühe musikalische Förderung sollen verschiedene Entwicklungsschritte erleichtert werden, etwa der Spracherwerb, die Koordination und die Orientierung in Raum und Zeit.

Der Fokus des Konzeptes liegt auf den Mitarbeitenden. Sie werden individuell gefördert und entwickeln ihre musikpädagogischen Ressourcen gezielt weiter, damit sie mit den Kindern arbeiten können. Sie sollen ausserdem beobachten und dokumentieren, wie die Kinder durch gemeinsame musikalische Aktivitäten lernen. Das Ganze wird von der Stiftung Mercator Schweiz unterstützt.

Krisztmann arbeitet seit August 2016 mit dem Konzept. «Wir sind sehr zufrieden damit», betont er. Jeden Tag wird im «Sunnewirbel» musiziert. Am Morgen und am Mittag kommen die Kinder und die Betreuungspersonen in einem Singkreis zusammen. Am Nachmittag dürfen die Kinder dann selber entscheiden, ob sie sich mit Musik beschäftigen wollen. Dafür stehen ihnen verschiedene Instrumente zur Verfügung.

Herausforderung für Personal

Für das regelmässige Singen im Kreis bereiten die Betreuungspersonen ein konkretes Muster vor, nach welchem sie mit den Kindern üben. Sie teilen ein Lied zum Beispiel in einzelne Verse auf und vereinfachen es so. Die Kinder nehmen die einfachen Laute dann auf, summen oder singen sie nach. Beim «Bamukki-Konzept» lernen die Kinder in einigen Fällen zu singen, bevor sie sprechen können.

Es geht aber nicht nur darum, möglichst viel zu lernen. Auch auf den sozialen Zusammenhalt wirke sich das gemeinsame Musizieren positiv aus. Krisztmann: «Jeder kann mitmachen, keiner wird ausgeschlossen.» Und die Kinder lernen, mit Musik unverkrampft umzugehen. «Sie sind unbelastet und machen sich keine Gedanken darüber, ob sie einen Ton treffen oder nicht.» Auch Eltern spüren teilweise positive Auswirkungen: «Einige erzählen mir, dass ihre Kinder daheim viel singen und ausgeglichener sind.»

Auch wenn «Bamukki» dem Alltag in der Kita guttut: Für die Betreuungspersonen ist es eine stetige Herausforderung. Seit der Einführung im Sommer 2016 gab es immer wieder Veränderungen. «Es war eine rollende Planung, wir mussten alle sehr flexibel sein», erinnert sich Krisztmann.

Könnte es sein, dass der Kanton in Zukunft auch andere Kitas dabei unterstützt, die Musik gezielt in den Alltag zu integrieren? SP-Landrat Jan Kirchmayr, der sich regelmässig für die Förderung von Musikpädagogik einsetzt, kann sich das durchaus vorstellen. «Die Idee klingt interessant. Es ist allgemein bekannt, dass Musik gut ist für die Entwicklung.» Er will aber erst abwarten, bis das Konzept evaluiert ist. «Sollten sich wirklich konkrete positive Auswirkungen zeigen, dann könnte es Sinn machen, die Musikpädagogik auch in Kitas zu fördern». Wie genau, das wäre aber noch zu überprüfen, denn der Kanton unterstützt Kitas bereits finanziell.

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