Aqua Solar
Im Schwarzbubenland steht ein Prestige-Objekt vor dem Baubeginn

Die Grosshandelsfirma Aqua Solar hat an ihrem Hauptsitz in Büsserach Grosses vor. Geplant ist eine Produktionsstätte, die in der Umwelttechnologie internationale Ausstrahlung haben wird.

Bea Asper
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Strom vom Dach: Das neue Produktionsgebäude soll Regenwasser und Sonnenenergie nutzen und so eine ökologische Produktion ermöglichen.

Strom vom Dach: Das neue Produktionsgebäude soll Regenwasser und Sonnenenergie nutzen und so eine ökologische Produktion ermöglichen.

Visualisierung/ZVG

Um solche Unternehmen buhlen die Wirtschaftsförderer. Die Büsseracher Grosshandelsfirma Aqua Solar plant an ihrem Hauptsitz im Thierstein den Bau einer neuen Produktionsanlage mit einem Investitionsvolumen von rund 15 Millionen Franken. Dabei dreht sich alles um eine neuartige, höchst umweltfreundliche Technik.

Zusammen mit der schottischen Partnerfirma Dryden Aqua geht es um die Herstellung eines Filtermaterials aus Altglas, welches doppelt so gut wie Sand filtriert und zudem bioresistent ist. Es heisst AFM (Aktiviertes Filtermaterial) und wird sowohl zur Aufbereitung von Trinkwasser als auch in der Abwasseraufbereitung eingesetzt. Dank AFM könne der Einsatz von Chlor um bis zu 50 Prozent reduziert werden. Das Filtermaterial ist selbstdesinfizierend und sorgt für kristallklares Wasser. In der Schwimmbadtechnologie bewährt es sich laut Herstellerangaben weltweit bereits in über 200 000 Anlagen.

Dryden Aqua hat AFM bisher in Schottland produziert und über den Sitz in Root LU vertrieben. Jetzt plant das Unternehmen den Bau eines zweiten Produktionswerks im Industrieareal von Büsserach. Es soll die modernste Glas-Recycling-Produktion der Welt werden, vorangetrieben durch die Vision ihres Mitinhabers Dominik Graf, der als Verwaltungsratspräsident des Büsseracher Unternehmens Aqua Solar die Synergien der beiden Unternehmen zu nutzen wusste und hier über die notwendigen Landreserven verfügt.

Technologien von Tesla

Graf schwebt aber mehr vor als der blosse Aufbau einer modernen Produktionsanlage. Das Gebäude soll ein Vorzeigeobjekt werden für nachhaltige Technologien, Wasseraufbereitung und Recycling. Auf dem gesamten Gelände wird das Regenwasser aufgefangen, gereinigt und in den Produktionsablauf integriert. Und der Strom, den die Maschinen benötigen, bezieht das Unternehmen aus ihrer Photovoltaikanlage auf dem Dach des Neubaus und der bestehenden Gebäude der Aqua Solar AG sowie von den Fassaden des neuen Produktions- und Lagergebäudes.

Möglich wird dies durch den Einsatz von neusten Speichertechnologien von Tesla. Mit welcher Dynamik Dryden Aqua und ihr Geschäftsführer Dominik Graf unterwegs sind, kommt auch darin zum Ausdruck, dass das Büro des Büsseracher Architekten Heinz Jeker in einer Frist von wenigen Monaten die Baupläne erstellt und den Vorgaben der Behörden angepasst hat. Da die Vorschriften der Industriezone eingehalten sind, hoffen die Projektverantwortlichen auf ein zügiges Baubewilligungsverfahren, einen planmässigen Bau und den Start der Produktion im Jahr 2020.

Im ersten Jahr ist die Produktion von 6000 Tonnen AFM geplant, wofür 10 000 Tonnen Altglas benötigt würden, erklärt Dominik Graf den zahlreich zu einer Orientierungsveranstaltung erschienenen Interessenten. Die Maximalkapazität ist auf 25 000 Tonnen AFM ausgelegt, wofür bis zu 40 000 Tonnen Altglas benötigt werden. «Das wären 10 Prozent des in der Schweiz anfallenden Altglases, welches somit ökologisch wertvoll in der Wertschöpfungskette zurückgeführt wird.»

Graf zeigt Beispiele aus der ganzen Welt, wo das Filtermaterial als wichtiger Teil der Trinkwasseraufbereitung eingesetzt wird, sowie Beispiele von riesigen Abwasseraufbereitungsanlagen, welche dafür sorgen, dass sauberes Wasser in die Flüsse abgelassen wird. 2013 hat sich Aqua Solar mit 50 Prozent an der schottischen Dryden Aqua beteiligt. Seither hat sich der Umsatz von Dryden Aqua verzehnfacht.

Die Produktionskapazitäten in Schottland werden Ende 2019 ihre Grenzen erreichen. «Deshalb braucht es ein zweites Werk. Für die Produktion in der Schweiz und speziell Büsserach sprechen die gute Verfügbarkeit des Rohmaterial Altglas, die zentrale Lage in Europa, die hohe Qualität der Mitarbeiter und die Verbundenheit mit der Region», sagt Dominik Graf.