Münchenstein
Im neuen Sportmuseum wird der Besucher zum Ausstellungsmacher

Das Sportmuseum Schweiz feiert am Mittwoch die Wiedereröffnung seines Begehlagers in Münchenstein. Das aussergewöhnliche Ausstellungshaus hat seine riesige Sammlung neu konzipiert - gerade rechtzeitig zur Museumsnacht am Freitag.

Andrea Schäfer
Drucken
Teilen
Das Sportmuseum in Münchenstein wird wiedereröffnet.
6 Bilder
Viele Führungen: Eine Schulklasse wird gerade von Mitarbeiter Simon Wahl in die Geheimnisse des Museums eingeweiht.
Kurz vor der Neueröffnung wird in der Ausstellung noch kräftig geräumt und fertiggestellt

Das Sportmuseum in Münchenstein wird wiedereröffnet.

Kenneth Nars

Morgen Mittwoch feiert das Begehlager des Sportmuseums Schweiz Wiedereröffnung. Dies mit einer Vernissage für geladene Gäste aus Sport, Kultur und Politik. Nach einer längeren Umbauphase, während der das Lager trotzdem offenblieb, hat das Begehlager ein besucherfreundliches Gesicht erhalten. Pünktlich zur Museumsnacht an diesem Freitag ist das neue Konzept realisiert worden.

Wie am Namen zu erkennen ist, handelt es sich beim Begehlager nicht um ein herkömmliches Museum. Bisher war es vielmehr ein für die Öffentlichkeit zugängliches Sammlungsdepot mit mehreren tausend Objekten. Dazu passt auch der Ort des Begehlagers. Dieses befindet sich seit drei Jahren im dritten Stock eines Industriegebäudes an der Reinacherstrasse in Münchenstein.

Viel Neues im Eingangsbereich

Neu ist ein kleiner, aber einladender Eingangsbereich mit Empfang, Café und Museumsshop. «Früher begannen gleich beim Eingang die Regale mit Objekten. Wir hatten kaum Raum, um gute Gastgeber zu sein», erklärt Thilo Mangold, Leiter des Begehlagers. Ebenfalls neu sind zwei Räume mit einer Bibliothek und Arbeitsplätzen für Gäste. Damit bietet das Begehlager bessere Bedingungen, um Bestände durch Studierende, Forscher und Medienleute zu nutzen.

Im selben Raum gibt es neu auch eine auswechselbare Sonderausstellung. Zum Auftakt feiert das Sportmuseum seinen 70. Geburtstag. Unter dem Titel «Retrospektive 45» schaut man auf die eigene Ausstellungsgeschichte zurück. Auch hier geht das Sportmuseum ungewohnt vor. Das Ausstellungsteam stellte dafür 100 Fundstücke aus der Sammlung zusammen. Die Besucher werden gebeten, daraus ihre eigene Ausstellung zu schaffen. An dafür vorbereiteten Wänden können die eingerahmten Dokumente und Bilder nach dem Geschmack des jeweiligen Besuchers aufgehängt werden. «Wir haben den Gedanken vom Begehlager für diese Ausstellung aufgegriffen», sagt Kurator Benedikt Wyss. «Wir wollen keine vorerzählte Geschichte präsentieren. Die Gäste schreiben ihre eigene Geschichte, ganz nach der Idee des demokratischen Museums.»

Die Besucher sollen ihre eigenen Miniausstellungen dokumentieren. Wer ein Foto von der eigenen Sammlung via E-Mail, SMS oder Smartphone-App ans Museum schickt, erhält 50 Prozent Rabatt im Museumsshop. Auf der Homepage des Sportmuseums veröffentlicht das Museum diese Fotos. Kurator Wyss betont: «Diese Sonderausstellung ist ein Experiment. Wir sind gespannt, wie es bei den Besuchern ankommt.» Eine erste Belastungsprobe kommt bereits mit der Museumsnacht am Freitag. Dabei bietet das Museum Führungen durch das Schaulager und einen Workshop im Fotoarchiv.

Neues Sammlungskonzept

Das Sportmuseum befindet sich im Umbruch. Das 15-köpfige Team des Begehlagers hat ein neues Sammlungskonzept entworfen und die Sammlung dementsprechend überarbeitet. Es laufen einige Projekte für das Begehlager, aber auch für externe Ausstellungen. Dies ist die Hauptaktivität des Sportmuseums. Unter dem Aufhänger «Mobiles Museum» werden regelmässig Ausstellungen, Events und Publikationen ausser Haus organisiert. «Das Begehlager ist unsere Basis, aber viel Vermittlung findet ausserhalb statt», erklärt Thilo Mangold. Die meisten Leute erreicht das Sportmuseum mit diesen Angeboten. Mit den Umbauten im Begehlager will das Sportmuseum aber auch die Besucherzahlen im eigenen Haus steigern. Diese lagen bisher bei tiefen 3000 bis 3500 Besuchern pro Jahr.

Geöffnet hat das Begehlager am Mittwoch- und Freitagnachmittag. Am letzten Sonntag im Monat veranstaltet das Museumsteam zudem eine öffentliche Führung. Auf Anfrage finden auch Führungen zu andern Zeiten statt. Laut Mangold ist die grosse Mehrheit aller Besucher Teil von vorangemeldeten Führungen. Oft seien dies Vereine oder Schulen. Die Führungen durch das Lager können je nach Wunsch auf ein bestimmtes Thema ausgerichtet werden. Thilo Mangold erzählt, dass es immer wieder Gäste gebe, die mehr wüssten als die Guides. Ein anlaufendes Pilotprojekt soll ermöglichen, dass Besucher via Smartphone-App Kommentare zu einem Objekt hinterlegen können. Nach Überprüfung können die Sammlungsbetreuer so das Wissen zu Objekten ausbauen.

Gemäss Mangold arbeitet das Sportmuseum, in Zusammenarbeit mit Swiss Olympic, auch darauf hin, im Archivbereich das Sportgedächtnis der Schweiz zu werden. Dazu nimmt das Museum Archive von Schweizer Sportverbänden bei sich auf. Teils werden diese Akten vor Ort gelagert. Andere Archive werden vom Sportmuseum nur in ein zentrales Verzeichnis aufgenommen. Dies gibt es sonst nirgends. «Letztes Jahr nahmen wir beispielsweise das Archiv des Schweizerischen Turnverbands auf», sagt Mangold mit sichtlichem Stolz. «Auch der Tennisverband und der Fussballverband haben Interesse angemeldet.»

Anbindung an öV folgt

Zukunftspläne sind also viele vorhanden. Der einzige Schwachpunkt dieses vielversprechenden Neuanfangs ist die Lage des Begehlagers. Es liegt beim Dreispitz und besitzt keine unmittelbare Anbindung an den öffentlichen Verkehr. Laut Mangold könnte die Erreichbarkeit besser sein. Er fügt aber gleich an, dass dies mittelfristig nicht mehr ein Problem sein wird. Im Rahmen der Erweiterung des öV-Netzes erhält das Museum eine Tramhaltestelle praktisch vor der Tür.

Aktuelle Nachrichten