Wildtiere
Hochansteckendes Staupevirus: Reigoldswil scheint ein Hotspot zu sein.

Fünf tote Füchse und einen toten Dachs hat der Reigoldswiler Wildhüter Yannick Steffen in den letzten zwei Wochen gefunden. Dazu hat er zwei verhaltensauffällige Füchse und einen Dachs geschossen, alle in einem Umkreis von rund einem Kilometer.

Andreas Hirsbrunner
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Das Virus ist auch auf Hunde übertragbar. Deshalb sollte man sie impfen.

Das Virus ist auch auf Hunde übertragbar. Deshalb sollte man sie impfen.

Kapo SO

Zu den erlegten Tieren sagt Steffen: «Rein äusserlich sahen sie gesund aus. Aber sie waren apathisch, drehten sich im Kreis und hatten teils Speichelausfluss.» Laut Auskunft der Jagdverwaltung seien das typische Staupe-Anzeichen.

Staupe ist eine hochansteckende Infektionskrankheit, die bei hunde- und marderartigen Tieren vorkommt. Sie wird vor allem durch Tröpfcheninfektion übertragen und kann Fieber, Appetitlosigkeit, starkes Erbrechen und Durchfall, Augen- und Nasenausfluss, Niesen, Husten sowie Atemnot verursachen.

Schlechte Übersicht über die Verbreitung von Staupe

Das Staupevirus sei seit 2009 vom Osten her in der Schweiz im Vormarsch. Mittlerweile sei es auch im Jura angekommen, sagt Marie-Pierre Ryser vom Zentrum für Fisch- und Wildtiermedizin der Universität Bern. An diesem Zentrum landen die von den Kantonen zur Untersuchung eingeschickten Tierkadaver. Im letzten Herbst wurde dort auch bei einem toten Fuchs aus dem Laufental das Staupevirus gefunden.

Ein vollständiges, schweizweites Bild der Situation gebe es aber nicht, da die Kantone in der Regel nur Verdachtsfälle einschickten, bis klar sei, dass die Staupe in ihrem Gebiet vorkomme. Doch das ergebe ein verzehrtes Bild über die tatsächliche Verbreitung, sagt Ryser. Um die Überwachung der Wildtiergesundheit zu verbessern, starte man in den nächsten Wochen eine Umfrage bei den Kantonen, nach welchen Kriterien sie tote Tiere einschickten. Auch sei man am Evaluieren eines Online-Meldesystems, bei dem sämtliche Krankheitsfälle bei Wildtieren mitgeteilt werden könnten.

Beim Kanton weiss man um die Häufung von möglichen Staupefällen in Reigoldswil. Jagdverwalter Holger Stockhaus sagt: «Wir gehen davon aus, dass das ein einzelner Hotspot im Kanton ist. Sonst sind nur ein paar wenige Staupefälle gemeldet worden.» Die Jäger seien angehalten, solche mitzuteilen. Und Kantonstierarzt Thomas Bürge ergänzt, dass es sich bei der Staupe um keine Seuche gemäss Tierseuchengesetz handle, weshalb keine Meldepflicht bestehe.

Weil die Krankheit aber auf Hunde übergehen könne, empfehle es sich unbedingt, alle Hunde durchzuimpfen. Offenbar werde das gut befolgt, denn bis jetzt sei kein Fall von einem an Staupe erkrankten Hund gemeldet worden, so Bürge.