Heimatkalender
«Dr Schwarzbueb» feiert Jubiläum: Um weitere 100 Jahre zu überleben, braucht es grosse Anstrengungen

Seit einem Jahrhundert erscheint das Jahr- und Heimatbuch. Die Herausforderungen sind trotz der Jubiläumsfreude riesig.

Dimitri Hofer Jetzt kommentieren
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Auf dem aktuellen Cover: Schwarzbueb-Gründer Albin Fringeli im Pop-Art-Stil von Illustratorin Patrizia Stalder.

Auf dem aktuellen Cover: Schwarzbueb-Gründer Albin Fringeli im Pop-Art-Stil von Illustratorin Patrizia Stalder.

Zvg

Dass Menschen noch in 100 Jahren auf die neueste Ausgabe warten werden, hat Albin Fringeli wohl kaum zu glauben gewagt. Im Jahr 1923 veröffentlichte der Dichter aus dem Schwarzbubenland zum ersten Mal ein Heft mit regionalem Inhalt. Das damals gegründete Jahr- und Heimatbuch «Dr Schwarzbueb» existiert noch immer und feiert ein rundes Jubiläum.

Auf dem Cover der 100. Ausgabe des Kalenders, die diese Woche erscheint, ist Fringeli in einem an die Werke von Andy Warhol erinnernden Artwork zu sehen. Wenige Jahre vor seinem Tod hatte der Heimatdichter die Verantwortung für das Heft seiner Schwiegertochter Ulla Fringeli übergeben. Seit fünf Jahren betreuen Autor Thomas Brunnschweiler und der ehemalige Solothurner Regierungsrat Klaus Fischer das Jahrbuch.

Nahe bei den Menschen, aber sich nicht anbiedern

«In der Jubiläumsausgabe wollten wir einen Blick auf die Anfänge werfen», erzählt Thomas Brunnschweiler. Hans Vögtli, Stiftungsratspräsident des Museums für das Schwarzbubenland in Dornach, widmet sich in seinem Beitrag den Geleitworten, die Albin Fringeli jeweils verfasste. In der allerersten Ausgabe schrieb er einen Satz, der noch immer gilt:

«Ich bin ein Jahrbuch für das Volk, ganz besonders möchte ich zu den Schwarzbuben sprechen und zu ihren Nachbarn in der Umgebung.»

Auch noch heute wird der Heimatkalender in vielen Gemeinden im Schwarzbubenland und im Laufental durch Hausverkauf an die Leserinnen und Leser gebracht.

Seit das Jahr- und Heimatbuch «Dr Schwarzbueb» zum ersten Mal erschienen ist, sind 100 Jahre ins Land gezogen. Die Welt ist eine andere, was auch den Herausgebern bewusst ist. Mit einer Chronik soll der Aktualität mehr Gewicht gegeben werden. «Damit möchten wir näher bei den Menschen sein», sagt Brunnschweiler. Schaut man sich die Auflagenzahlen an, scheint dies auch nötig zu sein. Von 6000 Exemplaren im Jahr 2000 schrumpfte die Auflage auf 3400 Stück im Jahr 2020. Damit sie nicht noch weiter sinkt, wollen die beiden Verantwortlichen am Puls der Zeit bleiben. In der neuen Ausgabe werfen Artikel einen Blick auf die regionalen Auswirkungen der Klimakrise und der Coronapandemie.

Geben das Jahrbuch seit 2017 heraus: der ehemalige Solothurner Regierungsrat Klaus Fischer und der Autor Thomas Brunnschweiler.

Geben das Jahrbuch seit 2017 heraus: der ehemalige Solothurner Regierungsrat Klaus Fischer und der Autor Thomas Brunnschweiler.

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Einem jüngeren Publikum anbiedern möchten sich die Herausgeber nicht. Thomas Brunnschweiler betont:

«Das käme schlecht an. Unsere Leser sind grösstenteils Personen ab 60 Jahren.»

Bis Ende 2022 sollen alle Ausgaben digitalisiert sein

Auch in früheren Jahren oder zur Gründungszeit hätte sich die Jugend kaum für das Jahrbuch interessiert. Käme hinzu, dass durch Zersiedelung und den Zuzug die Heimatverbundenheit vielerorts abgenommen habe. Das spüre nicht nur das Jahrbuch, sondern auch Vereine und die lokale Politik.

Um vielleicht andere Personen anzusprechen, werden die 100 Ausgaben digitalisiert. Das Projekt, das von Studierenden der ETH Zürich realisiert wird, soll Ende 2022 abgeschlossen sein. «Wir möchten allen Interessierten die Möglichkeit geben, zu stöbern oder zu recherchieren», sagt Brunnschweiler. Und was würde Albin Fringeli wohl zur Jubiläumsausgabe sagen?

«Er wäre überrascht. Aber ich denke, sie würde ihm gefallen.»

Die Vernissage der 100. Ausgabe findet am 4. November um 18 Uhr im Restaurant s’Zäni in Breitenbach statt. «Dr Schwarzbueb» wird von der CH Regionalmedien AG herausgegeben. Diese gehört wie diese Zeitung zum Unternehmen CH Media.

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