Dittingen
Gibt es im Laufentaler Dorf mehr Kritiker der eigenen Flugtage als bisher angenommen?

Nach dem tödlich verlaufenen Absturz an den Dittinger Flugtagen von 2015 setzte im Laufentaler Dorf ein Prozess der Aufarbeitung ein.

Bojan Stula
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An den Flugtagen 2015 in Dittingen stürzten zwei Flugzeuge ab. Eines der abgestürzten Flugzeuge nahe eines Wohnhauses.
14 Bilder
Unzählige Bruchstücke liegen neben der verbrannten Scheune.
Bruchstücke der Maschine liegen auf der Strasse.
Die Grasshoppers in der Luft – Sekunden vor dem Unfall
Das Team Grasshoppers: Einer der Piloten kam beim Absturz ums Leben, ein zweiter konnte sich mit dem Fallschirm in Sicherheit bringen. Der dritte Pilot war an der Kollision nicht beteiligt.
Die Behörden informieren über den Flugzeugabsturz in Dittingen
Stücke des grünen Flugzeuges neben einem Personenwagen.
Die Scheune ist stark beschädigt.
Sicherheitsbeamte sind vor Ort.
Das Flugzeug kam im Garten eines Einfamilienhauses mit zerstörten Fahrwerk und abgeknicktem Flügel runter, aber mit relativ intakter Führerkabine
Kopie von Flugtage Dittingen 2015: Zwei Flugzeuge abgestürzt
Zwei Flugzeuge des Grashoppers Formationsteams sind in der Luft kollidiert.
Das Grashoppers Formationsteam.
Das Team Grasshoppers in der Luft.

An den Flugtagen 2015 in Dittingen stürzten zwei Flugzeuge ab. Eines der abgestürzten Flugzeuge nahe eines Wohnhauses.

Leserfoto

Eigentlich schien alles geregelt. Nach dem tödlich verlaufenen Absturz an den Dittinger Flugtagen von 2015 setzte im Laufentaler Dorf ein Prozess der Aufarbeitung ein. Mit der im vergangenen Jahr getroffenen Kompromisslösung der eigens eingesetzten Begleitgruppe wurde der Weg für eine Neuauflage frei gemacht. Die beschlossene Verschiebung der sogenannten Vorführachse wird dafür sorgen, dass über dem Dorf keine Flug-Akrobatik mehr stattfinden darf. Im März stimmte die Generalversammlung der organisierenden Segelfluggruppe der nächsten Durchführung am 25./26. August 2018 zu. Laut Flugplatzleiter Urs Winkelmann nehmen die Vorbereitungen für den Grossanlass langsam Fahrt auf. Winkelmann zeigt sich überzeugt davon, dass die Anpassung beim Flugregime dazu führt, dass die Flugshow jetzt erst recht vom Grossteil von Dittingens Bevölkerung mitgetragen wird. «Einzelne kritische Stimmen hat es schon immer gegeben, und die wird es auch weiterhin immer geben, aber die grosse Mehrheit steht hinter uns», sagt der Sprecher der Segelfluggruppe.

Jetzt treten die beiden Einwohnerinnen Margrit Jermann und Charlotte Bickel an, das Gegenteil zu beweisen. Soeben haben die beiden Frauen eine Unterschriftensammlung begonnen, um neben der Flugakrobatik auch die Direktstarts und -landungen über dem Dorf zu verhindern. Im Begleittext der Petition wird der Gemeinderat aufgefordert, für die Flugtage keine entsprechende Ausnahmebewilligung mehr zu erteilen. Stattdessen soll die im Normalbetrieb geltende Flugsportzone auch an den Flugtagen gelten. Laut Winkelmann hätte dies zur Folge, dass die grossen, schwer motorisierten Flugshow-Apparate in einem zu engen Winkel die Graspiste ob Dittingen anfliegen müssten, was ihre Teilnahme letztlich verunmöglichen würde. Genau das wollen Margrit Jermann und Charlotte Bickel erreichen.

Bereits über 130 Unterschriften

Stolz weist Jermann, eine bekannte, im Baselbieter Naturschutz engagierte Vogelkennerin, auf die über 130 Unterschriften hin, die sie und Bickel bereits gesammelt haben. Noch bis übermorgen Mittwoch wollen die Frauen von Haustüre zu Haustüre gehen, um ihr Anliegen vorzutragen. Anschliessend werden sie die Petition dem Gemeinderat des 770-Seelen-Dorfs übergeben. «Wir wollen beweisen, dass viel mehr Einwohnerinnen und Einwohner den Flugtagen kritisch gegenüberstehen, als von den Organisatoren stets behauptet wird.» Denn alle Unterzeichnenden, und das ist für Jermann entscheidend, stammen aus Dittingen: «Das kann der Gemeinderat nicht ignorieren.»

Rein persönlich würde sie die Flugtage am liebsten ganz verbieten lassen. Seit 30 Jahren hat die gebürtige Dittingerin das alle zwei Jahre stattfindende Flugshow-Wochenende im Spätsommer stets gemieden. Mit ihrer Petition will Jermann wenigstens den Anstoss dazu geben, den Anlass zu redimensionieren. «Selbst Flugbegeisterte sagen mir, dass es keinen Überflug der Patrouille Suisse braucht, um ein tolles Flugfest zu feiern.» Den Beteuerungen der Organisatoren, dass eine Änderung der An- und Abflugroute weg vom Dorf unmöglich sei, schenkt sie keinen Glauben. «Wenn sie sagen ‹Es geht nicht›, meinen sie ‹Wir wollen nicht›.»

Nicht beunruhigt

Für Flugplatzleiter Urs Winkelmann ist die Unterschriftensammlung bloss «eine neue Idee, die Flugtage in Dittingen zu verhindern»; dies von einem Personenkreis initiiert, der in der Begleitgruppe am Kompromiss mitarbeiten konnte. Der ausschliesslich einheimischen Fliegern vorbehaltene reguläre Segelflugbetrieb mit der engen Anflugkurve lasse sich eben nicht auf auswärtige Piloten und ihre schweren Maschinen übertragen. Gegen aussen hin zeigen sich die Veranstalter von der Kunde der Unterschriftensammlung nicht allzu sehr beunruhigt. «Wir tun nichts Unrechtmässiges», betont Winkelmann und verweist auf die enge Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl), welches die definitive Durchführungsbewilligung erteilt.

Gerade das könnte sich aber als Stolperstein für die Zukunft der Flugtage erweisen. Im vergangenen Februar sagte Bazl-Vertreter Jörg Turnheer zur bz, dass das Bazl die Bewilligung verweigern würde, sollte sich «innerhalb von Dittingen eine grosse Bürgerbewegung gegen die Flugtage» formieren. Margrit Jermann und Charlotte Bickel geben alles, um diesen Beweis anzutreten.

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