Niederdorf
Gemeindeverwalter wurde in Niederdorf auf die Strasse gestellt

Wegen der Reorganisation der Verwaltung und der prekären Gemeindefinanzen hat der Gemeinderat von Niederdorf seinem Verwalter Michael Wild gekündigt. Dieser zeigt sich überrascht und enttäuscht.

Simon Tschopp
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Dem Gemeindeverwalter von Niederdorf wurde überraschend gekündigt.

Dem Gemeindeverwalter von Niederdorf wurde überraschend gekündigt.

Kenneth Nars

Michael Wild, der Gemeindeverwalter von Niederdorf, hätte sich schönere Weihnachten und einen geruhsameren Jahreswechsel gewünscht. Am 3.Dezember letzten Jahres eröffnete der Gemeinderat dem Verwalter, dass dieser per 31.März 2013 seinen Sessel räumen muss. Wild wünschte, dass seine Kündigung auf 31.Dezember 2012 datiert wird. Am Dienstag informierte der Niederdörfer Gemeinderat über die Trennung. Als Gründe werden die Reorganisation der Gemeindeverwaltung sowie die klammen Gemeindefinanzen genannt.

«Wir haben eine neue Verwaltungssoftware eingeführt», erklärt Gemeindepräsident Andreas Buser. Und im Hinblick auf die Umsetzung des Harmonisierten Rechnungsmodells (HRM2) sei eine neue Person mit einem 100-Prozent-Pensum angestellt worden, die über ein entsprechendes Know-how in der EDV verfüge. Zudem würden die Arbeitsabläufe optimiert. «Das führt zu gravierenden Erleichterungen bei Abläufen, die zuvor kompliziert gewesen sind», sagt Buser.

«Nichts zu bemängeln»

Vor drei Jahren lagerte Niederdorf die Rechnungstellung der Steuern an den Kanton aus, der Sozialdienst wurde regionalisiert, die Vormundschaftsbehörde – neu Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde – wurde in einen noch grösseren Verwaltungskreis überführt. Dadurch verringern sich laut Andreas Buser die Administrationsarbeiten. Dies habe sich in Einzelgesprächen mit den Verwaltungsangestellten bestätigt.

«Die finanzielle Lage ist angespannt, wir können uns keine Luxusvariante leisten», führt Niederdorfs Gemeindepräsident weiter ins Feld, betont jedoch, dass «es an der Arbeit von Herrn Wild nichts zu bemängeln gibt.»

Gutes Verhältnis zum Gemeinderat

Für Buser passt Michael Wild, der seit 1.Januar 2010 Gemeindeverwalter von Niederdorf ist und mit den Finanzen nichts zu tun hat, weniger in eine solch kleine Verwaltung wie Niederdorf, sondern in eine grössere. Dies sieht der Betroffene genauso. Wild legt Wert darauf, dass sein Verhältnis zum Gemeinderat gut sei, verhehlt aber auch nicht: «Für mich kam diese Kündigung überraschend. Über die Art und Weise bin ich enttäuscht.»

Andreas Buser räumt ein, dass eine Verwaltungsanalyse vor gut drei Jahren nicht zum richtigen Schluss geführt hat. Das Stellenprofil für den künftigen Gemeindeverwalter erwies sich als ungeeignet.

Der Gemeinderat will die Stellenprozente in der Verwaltung von derzeit 320 auf 250 runterfahren. Er will den vakant werdenden Posten des Gemeindeverwalters nicht neu ausschreiben, weil die Aufgabenbereiche und Pensen intern neu definiert würden.