Gemeindeversammlung
Wird Thürnen vom Steuerparadies zur Steuerhölle?

Der Gemeinderat beantragt, den Steuerfuss von 51 auf 66 Prozent zu erhöhen. An der Gemeindeversammlung vom 9. Dezember sind ein grosser Aufmarsch und Opposition gewiss.

Simon Tschopp
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Thürnens Idylle trügt: Steuerzahlende werden künftig tiefer ins Portemonnaie greifen müssen.

Thürnens Idylle trügt: Steuerzahlende werden künftig tiefer ins Portemonnaie greifen müssen.

Archiv: Nicole Nars-Zimmer

Mit 51 Prozent hat Thürnen momentan den mit Abstand tiefsten Steuersatz im Bezirk Sissach. Geht es nach dem Gemeinderat, wird das 1400-Seelen-Dorf ab kommendem Jahr zur Steuerhölle. Er legt der Gemeindeversammlung vom 9. Dezember das Budget 2022 zwar mit bloss einem Verlust von gut 20’000 Franken, aber mit einem Steuerfuss von 66 Prozent vor. In einem Schritt um 15 Prozentpunkte nach oben – so was hat das Baselbiet vermutlich noch nie gesehen und wird mit grösster Wahrscheinlichkeit auch in Thürnen nicht eintreffen.

Deutlich unter dem Kantons- und Bezirksdurchschnitt

Dieser Antrag der Exekutive, den die Rechnungs- und Geschäftsprüfungskommission unterstützt, dürfte die Stimmberechtigten in Scharen an die Versammlung locken. Opposition ist gewiss. Es ist davon auszugehen, dass eine Steuererhöhung beschlossen wird, aber nicht im Ausmass, wie es der Gemeinderat vorschlägt. Mit derzeit 51 Prozent liegt Thürnen deutlich unter dem kantonalen Durchschnitt (58.9 Prozent) und jenem des Bezirks Sissach (60.7 Prozent). Das Defizit von einer Million Franken in der Rechnung 2020 und der prognostizierte Verlust von 650’000 Franken im Budget 2021 schenken nun gewaltig ein.

«Sollte die Steuererhöhung nicht angenommen werden, ist das Eigenkapital der Gemeinde Thürnen innert der nächsten fünf Jahre aufgebraucht», schreibt der Gemeinderat in den Unterlagen zur Versammlung. Dem Gemeinderat sei bewusst, dass dies eine massive Erhöhung sei, die jeden einzelnen Steuerzahler belaste. «Jedoch konnte jede und jeder Einzelne seit Jahren von den tiefen Steuern profitieren», heisst es weiter. Ob dies die Stimmberechtigten milde stimmt?

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