Gemeindeversammlung
Sissach hat ein Herz für Sport – Ja zu zweiter Dreifachsporthalle

Die Souverän entscheidet sich deutlich für die Dreifachsporthalle Dorf, die 15,4 Millionen Franken kostet. Die Gegner sind chancenlos.

Simon Tschopp
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Die Gemeindeversammlung findet in der Dreifachsporthalle Tannenbrunn statt.

Die Gemeindeversammlung findet in der Dreifachsporthalle Tannenbrunn statt.

Simon Tschopp

Wie sich Gemeindeversammlungen in der Dreifachsporthalle Tannenbrunn anfühlen, haben Sissachs Stimmberechtigte schon zweimal erlebt. In drei Jahren wird dem Bezirkshauptort auf dem Schulareal Dorf eine zweite Sporthalle in ähnlicher Dimension zur Verfügung stehen. Dazu hat der Souverän am Donnerstagabend mit 105 gegen 45 Stimmen bei 8 Enthaltungen deutlich Ja gesagt. Die Dreifachsporthalle Dorf verschlingt 15,4 Millionen Franken.

Vorbildliche Gesprächskultur

Die Liste der Rednerinnen und Redner ist lang. Die Diskussion verläuft nüchtern und sachlich; fundierte Voten dominieren, von Emotionen und persönlichen Angriffen keine Spur. Die Gesprächskultur ist vorbildlich. Den notwendigen zusätzlichen Raumbedarf stellt niemand in Frage, auch eine Sanierung der 1938 eingeweihten Turnhalle ist kein Thema.

Diejenigen, die das Wort ergreifen, sind mehrheitlich gegen das Vorhaben. Primär aus finanziellen Gründen. Sissach könne sich dieses «Prestigeprojekt» nicht leisten. Es sei zu teuer, eine solche Halle sei billiger zu haben. Eine «normale» Halle reiche, es brauche keine mit «Sahnehäubchen».

«Wir investieren hier in Beton, nicht in Bildung»,

kritisiert ein Versammlungsteilnehmer. Zudem schrecken eine höhere Verschuldung und die gemäss Finanzplan vorgesehene Steuererhöhung ab dem Jahr 2023 ab. Finanzchef Lars Mazzucchelli entgegnet, Sissach stehe finanziell «äusserst solide» da, es habe mehr liquide Mittel als Schulden.

«Wir haben viele Sportanlagen, aber es besteht Nachholbedarf»,

meint ein Befürworter. Ein anderer wirft ein, Kosten spare man am Anfang eines Bauvorhabens. Wenn man A sage, müsse man auch B sagen. Der Prozess dürfe jetzt nicht abgebrochen werden. Gemeindepräsident Peter Buser betont:

«Dieses Projekt ist für die Entwicklung von Sissach wichtig und zukunftsweisend.»

Nach dem realisierten Doppelkindergarten ist es die zweite Etappe des dreiteiligen Masterplans. Dessen Abschluss soll die Erweiterung des Schulhauses Dorf bilden.

Bürgerliche wehren sich – vergeblich

«Wiesengrund» ist das teuerste der vier eingereichten Sporthallenprojekte. Architektin Ursula Hürzeler, Mitglied des Juryteams, spricht von einem «kompakten Gebäude». Dieses tritt sanft in Erscheinung, weil es grösstenteils im Boden ist. Mit dem Sportplatz auf dem Dach beansprucht es weniger Platz.

So wird sich die Dreifachsporthalle Dorf einst präsentieren.

So wird sich die Dreifachsporthalle Dorf einst präsentieren.

Visualisierung: zvg/Nicole Haefeli

Die bürgerlichen Parteien, FDP, Pro-Sissach und SVP, haben schon im Vorfeld der Versammlung Opposition angekündigt und nun ihre ablehnende Haltung bekräftigt. Suzanne Imholz, Vizepräsidentin der FDP Sissach und Sprecherin der Bürgerlichen, sagt gegenüber diesem Medium:

«Wir akzeptieren diesen demokratisch gefällten Entscheid. Für uns ist es ein Achtungserfolg.»

Gemeinderäte widersprechen sich

Danach muss der Gemeinderat eine Abfuhr hinnehmen. Der Kredit von 485'000 Franken für den Wettbewerb zur Erweiterung des Schulhauses Dorf, die mit zwölf Millionen Franken veranschlagt wird, geht bachab. An dieser Pleite ist die Exekutive selbst nicht ganz unschuldig.

Bei der Beratung über die Sporthalle sagt Gemeinderat Stephan Marti, die Parkplätze gehörten zur Verkehrsinfrastruktur, diese Kosten flössen in die nächste Phase, die Schulhauserweiterung, ein. Dem widerspricht Gemeindepräsident Peter Buser später. Diese Kosten seien in den zwölf Millionen nicht enthalten. Darüber ärgert sich ein Bürger, welcher der Behörde Intransparenz vorwirft. Daraufhin entschuldigt sich Buser: «Das war ein Schnellschuss.»