Ruine Pfeffingen
Fünf Jahre hats gedauert, nun ist ein Teil des alten Glanzes zurück

Es ist soweit: Die «neue» Ruine Pfeffingen ist nicht mehr wiederzuerkennen. Wir waren bei der Vorbesichtigung dabei.

Bojan Stula
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Burgsanierung Pfeffingen
12 Bilder
Kantonsarchäologe Reto Marti, Regierungsrätin Monica Gschwind und Projektleiter Michael Schmaedecke (v. l.) trotzen bei der Vorbesichtigung dem Regen.
Blick ins Innere der mächtigen Wohnturm-Ruine.
Die neue Aussichtsplattform.
Die Sicht auf den Haupteingang mit Hexenturm. GANZE SEITE: Vorbesichtigung der frisch sanierten Ruine Pfeffingen mit Moni Gschwind : Haupteingang mit Hexenturm
Der älteste Teil der Burg.
Bei der Vorbesichtigung der frisch sanierten Ruine Pfeffingen
Sicht von der neuen Plattform
Diese Rekonstruktion zeigt den Zustand in der Mitte des 18. Jahrhunderts.

Burgsanierung Pfeffingen

Nicole Nars-Zimmer niz

Würde man dem Leiter der Römerstadt vorschlagen, den Schönbühltempel auf dem in Augusta Raurica erhaltenen historischen Fundament wiederaufzubauen, würde er einen umgehend den Löwen zum Frass vorwerfen. Was anderswo ein archäologisches Sakrileg wäre, hat sich aber im Fall der Ruine Pfeffingen als Erfolgsmodell erwiesen.

Rund 750 Tonnen Kalkstein haben die Maurer des lokal ansässigen Baugeschäfts Rofra während der vergangenen fünf Jahre verbaut, um markante Teile des Wohnturms, weiterer Bauten und der Mauerabschnitte zu rekonstruieren. Rund 300 Tonnen davon waren wiederverwertete Steine aus dem Ruinenumfeld. «Rekonstruktionen sind immer eine gefährliche Gratwanderung», sagt der Baselbieter Kantonsarchäologe Reto Marti, «aber hier hat es sich, bei aller angewendeten Vorsicht und Reflexion, gelohnt.»

Durch die Erhöhung und Komplettierung markanter Ruinenpartien hat die ganze Anlage heute klare Konturen erhalten. Die funktionale Bedeutung der einzelnen Burgenelemente erschliesst sich jetzt viel deutlicher als zu jener Zeit, als die Anlage noch grossflächig überwachsen war. Die einstigen Trampelpfade sind neu gestalteten, breiten Wegen gewichen, die zusammen mit den neuen Treppenzugängen und übersichtlichen Info-Tafeln die Erkundung der gesamten Ruine wesentlich einladender gestalten. Zwei Grillplätze und Sitzbänke dürften von künftigen Ausflüglergenerationen rege benützt werden.

Geschichte: Von der Adelsburg zur Landvogtei

Die markantesten Überreste der Ruine Pfeffingen, die heute noch sichtbar sind, gehen auf Neubauten nach dem grossen Basler Erdbeben von 1356 zurück. In den 1380er- und 1390er-Jahren wurden der zentrale Wohnturm, der Zwinger im Südwesten sowie die massiven Mauerabschnitte im Westen und Norden errichtet. Die auf der Analyse von Jahresringen an Überresten alter Holzbaugerüste beruhende Erkenntnis, dass die spätmittelalterlichen Bauleute bloss fünf Jahre benötigten, um diese mächtigen Burgbauten zu errichten, nennt der Baselbieter Kantonsarchäologe Reto Marti die bedeutendste wissenschaftliche Entdeckung in Zuge der Sanierung.

Die Gründung um das Jahr 1000 als Grafenburg, der Wiederaufbau nach dem Basler Erdbeben sowie die Umnutzung im frühen 16. Jahrhundert als Landvogteisitz des neuen Besitzers, des Bischofs von Basel, stellen drei gut merkbare Eckpunkte in der langen und wechselvollen Geschichte der Anlage dar, die von vielen Gefechten begleitet war.

Um 1750 wurde die Burg aufgegeben und teilweise abgebrochen. Die jetzt erfolgte Sanierung ist die erste umfassende Instandstellung seit 1934. «Die Ruine Pfeffingen ist eine der grössten Burgruinen der Nordwestschweiz, eine wichtige Landmarke des Birsecks und mit ihrer spektakulären Lage und der reichen Vergangenheit ein viel besuchtes kulturgeschichtliches Denkmal von nationaler Bedeutung», fasst die Archäologie Baselland den kulturhistorischen Wert der Ruine zusammen.

Neue Aussichtsplattform

Die Aussage der Baselbieter Kulturministerin Monica Gschwind ist bezeichnend und wird vermutlich noch manchem Besucher in den Sinn kommen, der die Ruine Pfeffingen von früheren Exkursionen her in Erinnerung hat: «Vor zwei Jahren war ich das erste Mal hier oben, aber jetzt ist die Anlage nicht wiederzuerkennen.»

Ein besonderes, neu gestaltetes Glanzlicht ist die Aussichtsplattform aus Leichtmetall an der Südmauer, die bei schönem Wetter die bisher jahrhundertelang versperrte Sicht auf die Rückseite des Wohnturms und in Richtung Laufental erlaubt. «Da konnten wir einfach nicht widerstehen, diese hinzuzufügen», sagt der archäologische Projektleiter Michael Schmaedecke.

Aber selbstverständlich waren es nicht touristische Aspekte, welche die vor gut 10 Jahren aufgegleiste Totalsanierung notwendig machten. 2007 musste der Wohnturm für das Publikum aus Sicherheitsgründen gesperrt werden, da die Bausubstanz derart angegriffen war, dass «gewisse Mauersteine nur noch aus purer Gewohnheit nicht herabfielen», wie der Baselbieter Kantonsarchäologe Reto Marti im Rückblick sagt. Ab 2011 begannen die Baumfällungen und die Rodung des Geländes, ab 2013 folgten die einzelnen Sanierungsetappen, die diesen Juli, ein Jahr früher als geplant, zur allgemeinen Zufriedenheit abgeschlossen wurden.

Willkommene Subvention

Für Regierungsrätin Gschwind ist jeder Rappen der 7,16 Millionen Franken Sanierungskosten, knapp 260 000 Franken mehr als budgetiert, gut investiertes Geld «für den Erhalt eines bedeutenden Kulturguts». Doppelt erfreulich, wenn die Schlussabrechnung durch die ursprünglich nicht eingeplanten 1,76 Millionen Bundessubventionen wesentlich entlastet werden wird.

Dass es an der gestrigen Medien-Vorbesichtigung wie aus Kübeln regnete, und von der viel gelobten Aussicht vor lauter Nebelschwaden nicht viel zu erkennen war, darf getrost unter dem Stichwort «Künstlerpech» abgebucht werden. Bereits für das offizielle Einweihungsfest an diesem Sonntag (siehe Box) versprechen die Vorhersagen ein Wetter, dass den wiederhergestellten Glanz ob Pfeffingen viel besser zur Geltung bringen wird.

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Zur Einweihung ein Volksfest am Sonntag

Ein Volksfest übermorgen Sonntag (ab 10.30 Uhr) bildet den Höhepunkt der offiziellen Wiedereröffnung der Ruine Pfeffingen. Ab 12 Uhr werden im Beisein von Regierungsrätin Monica Gschwind Musikeinlagen verschiedener Formationen, eine Vorführung der Schwertkampftruppe Claidheam Mor (14 Uhr) sowie ab 15 Uhr stündlich geführte Rundgänge angeboten; selbstverständlich begleitet von einem reichhaltigen Verpflegungsangebot. Die Organisatoren weisen darauf hin, dass die Ruine nur zu Fuss erreichbar ist. Alternativ wird ab dem Parkplatz gegenüber der Pfeffinger Fahrkirche von 10 bis 16.30 Uhr zu jeder halben Stunde eine Bus-Shuttle-Verbindung zur Burg hinauf eingerichtet.

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