Familienunternehmen
Generationenwechsel bei Endress+Hauser: Jetzt steigt die Enkelin des Gründers ein

Die Familienvertreter Klaus und Hans-Peter Endress müssen altershalber den Verwaltungsrat bald verlassen. Allerdings ist nur die Nachfolge für Hans-Peter Endress bereits geklärt.

Andreas Möckli
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Sandra Genge, Enkelin des Firmengründers Georg H. Endress, tritt nächstes Jahr in den Verwaltungsrat von Endress + Hauser ein.

Sandra Genge, Enkelin des Firmengründers Georg H. Endress, tritt nächstes Jahr in den Verwaltungsrat von Endress + Hauser ein.

zvg

Die Uhr tickt. Spätestens in drei Jahren muss Patron Klaus Endress abtreten. So sehen es die Statuten der in der Mess- und Automatisierungstechnik tätigen Endress+Hauser vor. Das Reinacher Unternehmen ist im Familienbesitz.

Doch bevor Klaus Endress geht, ist nun sein älterer Bruder Hans-Peter an der Reihe. Der 74-Jährige wird an der Generalversammlung im nächsten Jahr zurücktreten. Seine Nachfolgerin wird Sandra Genge, Enkelin des Firmengründers Georg H. Endress. Damit hält die dritte Generation Einzug in den Verwaltungsrat.

Die 43-Jährige ist geschäftsführende Mitinhaberin einer Zürcher Werbeagentur, die sie vor 13 Jahren mitbegründet hat. «Wir haben eine junge Dame ausgesucht, die älteste Tochter meiner verstorbenen Schwester Yvonne», sagte Klaus Endress an der virtuellen Bilanzmedienkonferenz nicht ohne Stolz. Sie bereite sich bereits jetzt auf das Amt vor, indem sie etwa Kurse oder andere Firmen besuche und sich über gewisse Technologien informiere. Sandra Genge nimmt auch bereits an Verwaltungsratssitzungen teil. Sie wohnt im Kanton Zürich, ist verheiratet und hat drei Kinder.

Was seine eigene Nachfolge anbelangt, gibt sich Klaus Endress zugeknöpft. «Selbstverständlich gibt es dazu Vorstellungen, die wir in einem kleinen Kreis artikuliert haben», sagte der 72-Jährige. Er wisse zwar, wer sein Nachfolger bzw. seine Nachfolgerin werde. «Doch das müssen wir noch etwas zurückstellen.» Kommuniziert werde wohl frühstens in zwei Jahren.

Patron Klaus Endress wird das Zepter spätestens in drei Jahren abgeben.

Patron Klaus Endress wird das Zepter spätestens in drei Jahren abgeben.

Nicole Nars-Zimmer

Neben Sandra Genge könnten sich «weitere Menschen von der Familie» vorstellen, im Verwaltungsrat Einsitz zu nehmen, wie Endress sagte. «Das ist jedoch ein heikles Thema.» Dies werde derzeit intensiv im erweiterten Familienrat besprochen. Derzeit stellt die Familie zwei Verwaltungsräte des siebenköpfigen Gremiums.

Laut dem Geschäftsbericht entscheidet der Familienrat über wichtige Fragen im Verhältnis zwischen Familie und Unternehmen. Seit 2018 stellt die jüngere Generation fünf der acht Vertreter. Daneben gebe es weitere Institutionen, die den Bezug zum Unternehmen fördern, die vor allem die junge Generation an die Firma heranführen.

Auch wenn nun der erste Schritt des Generationenwechsels gelungen ist, steht die Familie vor einer Herausforderung. Es muss gelingen, die Interessen der rund 50-köpfigen Familie zusammenzuhalten. Mit jeder dazukommenden Generation wird dies schwieriger, wie sich auch an anderen familiengeführten Unternehmen zeigte.

Die über 50-köpfige Familie Endress besitzt die Reinacher Firma Endress+Hauser.

Die über 50-köpfige Familie Endress besitzt die Reinacher Firma Endress+Hauser.

zvg

Derzeit halten die acht Kinder des Gründerehepaars mit ihren Familien je zwölf Prozent am Unternehmen. Weitere vier Prozent sind im Besitz der Georg H. Endress Stiftung. Die Familie konnte sich so im vergangenen Jahr über eine Dividende von insgesamt über 52 Millionen Franken freuen. Das Wirtschaftsmagazin «Bilanz» schätzt das Vermögen der Familie auf 2 bis 2,5 Milliarden Franken.

Coronakrise hinterlässt nur geringfügige Kratzer

Wer auch immer künftig das Zepter von Klaus Endress übernimmt, sie oder er kann eine sehr solide Firma übernehmen. Dies zeigen die publizierten Zahlen zum Geschäftsjahr 2020. Die Coronakrise hinterliess nur geringfügige Kratzer. So sank der Umsatz um 2,8 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro. Der Rückgang ist vor allem bedingt durch Wechselkurseffekte. In lokalen Währungen gerechnet hätte Endress+Hauser fast den Umsatz aus dem Vorjahr erreicht, sagte Finanzchef Luc Schultheiss.

Da der Betriebsgewinn weniger stark als der Umsatz sank, erhöhte sich die Marge leicht auf 13,1 Prozent. Der Gewinn sank vor allem wegen des tieferen Finanzergebnisses um 4 Prozent auf 338 Millionen Euro. Kundenseitig seien die einzelnen Branchen, Regionen und Segmente sehr unterschiedlich von der Coronakrise betroffen gewesen, sagte Firmenchef Matthias Altendorf. Die zyklischen Industrien seien ins Minus gerutscht, die nichtzyklischen hätten für Stabilität gesorgt. In Europa und Asien sei das Geschäft nur leicht zurückgegangen, in Amerika, Afrika und Nahost etwas deutlicher. Anders als die Prozessautomatisierung habe die Laborinstrumentierung kräftig zugelegt.

Endress + Hauser in Zahlen

in Millionen Euro
2020 Veränderung in Prozent
Nettoumsatz 2576.8 –2,8
Betriebsergebnis (Ebit) 337.1 –1,9
– Marge in % 13.1 13
Reingewinn 254.9 –4,1
Eigenkapital 2425.1 6,1
Eigenkapitalquote 77.0 75,6
Investitionen 206.0 –10,9
Mitarbeiterzahl 14'454 0,9
– Reinach 1896 1

Einen Beitrag hat Endress+Hauser in der Herstellung von Coronaimpfstoffen geleistet. So lieferte die Firma in kurzer Zeit Tausende Messgeräte aus. «Wer heute gegen Covid-19 geimpft wird, erhält mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Wirkstoff, dessen Produktion mit Geräten von Endress+Hauser gemessen und geregelt wird», sagte Altendorf weiter.

Hohe Investitionen in der Region Basel

Trotz der Krise hat das Unternehmen seine Investitionen weitergeführt. Der Grossteil der 200 Millionen Euro ist erneut in den Ausbau der Produktion geflossen. Die Hälfte davon wurde in Reinach und Maulburg in der Nähe von Lörrach investiert.

Stolz sind die Verantwortlichen von Endress+Hauser drauf, niemanden wegen der Folgen der Pandemie entlassen zu haben. Wie bereits vor einem Jahr angekündigt, hat das Unternehmen auf den breiten Einsatz von Kurzarbeit verzichtet. Insgesamt wuchs die Zahl der Mitarbeiter leicht auf 14'454. In der Region Basel arbeiten knapp 5100 Angestellte für das Unternehmen, davon knapp 1900 in Reinach.

In der Frauenförderung will die Firma noch zulegen. Derzeit machen Frauen knapp 30 Prozent der Beschäftigten aus. Bis 2030 sollen Frauen 30 Prozent der Führungskräfte ausmachen – doppelt so viele wie heute.