Gemeindepräsidentin im Interview
Eveline Sprecher verteidigt 19,5-Millionen-Projekt: «Wir können uns den Dom leisten»

Aesch will eine neue Kultur- und Sporthalle bauen, den Holz-Dom. Es sei die richtige Zeit zum Investieren, findet Gemeindepräsidentin Eveline Sprecher. Und die Vergabe unter der Hand ist aus ihrer Sicht ebenfalls opportun.

Benjamin Wieland
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«Wir verhalten uns antizyklisch: Jetzt sollte man investieren»: Eveline Sprecher (SP).

«Wir verhalten uns antizyklisch: Jetzt sollte man investieren»: Eveline Sprecher (SP).

Roland Schmid

Eveline Sprecher, warum braucht Aesch den Dom?

Eveline Sprecher: Unsere Vereine brauchen den Dom. Egal, ob im Kultur- oder im Sportbereich: Es herrscht Mangel an Räumlichkeiten, der FC Aesch benötigt zudem mehr Garderoben. Alle diese Bedürfnisse deckt der Dom ab. Wir haben zwar unsere Mehrzweckhalle, die Löhren ackerhalle. Doch sie stösst an ihre Kapazitätsgrenzen, gerade abends und an den Wochen enden.

Es gibt Stimmen, die sagen, es sei nicht der richtige Moment, um über ein 19,5-Millionen-Projekt zu entscheiden. Was sagen Sie?

Wenn mir jemand sagen kann, wann denn der richtige Zeitpunkt sein sollte, so lasse ich mich gerne belehren.

Sollte man nicht besser warten, bis die Coronakrise vorbei ist?

Wir tun genau das, was Bund und Kanton empfehlen: sich antizyklisch verhalten. Jetzt sollte man investieren. Wir schaffen damit Arbeit und bieten eine Perspektive. Das Projekt ist fertig – es wird nicht fertiger, wenn wir warten.

Wir haben mehrfach durchgerechnet, ob wir uns den Dom leisten können.

Es werden auch die Kosten kritisiert. Kann sich Aesch den Dom leisten?

Wir haben mehrfach durchgerechnet, ob wir uns den Dom leisten können. Wir haben auch einen Ausblick der Gemeindefinanzen über die kommenden 25 Jahre erstellt. Da flossen alle entscheidenden Faktoren mit ein, die Schulraumplanung, die Gartenbad-Sanierung, die üblichen jährlichen Investitionen, die Reserven, das Eigenkapital – und auch die Auswirkungen der Coronakrise haben wir beachtet inklusive der Entwicklung des kantonalen Finanzausgleichs. Die Berechnungen stammen von BAK Basel, also von Experten, und aufgrund dieser Prognosen durften wir feststellen: Wir können das stemmen. Es werden keine Steuererhöhungen notwendig sein.

Können die Stimmbürgerinnen, die Stimmbürger Sie beim Wort nehmen: Keine Steuererhöhungen?

Ja. Wir haben alle Szenarien, auch pessimistische, durchgespielt. Steuererhöhungen sind nicht notwendig.

Für den Kuppelbau, wie wir ihn brauchen, kommt gemäss unseren Abklärungen nur die Firma Häring in Frage.

Sie werden das Projekt, falls es der Souverän genehmigt, nicht ausschreiben, sondern freihändig vergeben, an das Holzbauunternehmen Häring aus Eiken. Warum verzichten Sie auf eine offene Ausschreibung?

Nach den geltenden Vorgaben des Beschaffungsgesetzes ist eine freihändige Vergabe wegen technischer Besonderheiten im Ausnahmefall möglich. Für den Kuppelbau, wie wir ihn brauchen, kommt gemäss unseren Abklärungen nur die Firma Häring in Frage. Der Auftrag ist auch nicht schon vergeben, wie das der Titel des Beitrags der bz vom vergangenen Mittwoch suggeriert hat. Dazu braucht es zuerst das Okay des Souveräns. Was aber klar ist: Wenn das Geschäft genehmigt ist, steht der Fahrplan fest.

«Das Projekt ist fertig – es wird nicht fertiger, wenn wir warten.»

«Das Projekt ist fertig – es wird nicht fertiger, wenn wir warten.»

Roland Schmid

Die Kugelkalotte, so der Fachbegriff der Kuppelkonstruktion, könnte laut unseren Angaben von fast einem halben Dutzend Zimmereien in der Schweiz geliefert werden. Warum schreiben Sie keinen Wettbewerb aus?

Häring ist der Spezialist in diesem Gebiet, weltweit. Unseren Kuppelbau kann nur Häring herstellen, und das zu einem äusserst attraktiven Preis. Man darf auch nicht vergessen: Wir haben fixe Zusagen für Beiträge dritter, etwa von der Bürgergemeinde Aesch, der Basellandschaftlichen Kantonalbank und des Kantonalen Sportanlagenkonzepts, des Kasak. So reduziert sich der Preis des Doms auf netto 14,5 Millionen Franken. Nun kann jemand sagen: «Ich will den Vereinen den Dom nicht finanzieren.» Diese Haltung ist legitim. Was aber nicht geht, ist, zu behaupten, der Bau sei überteuert.

Es wäre möglich, dass ein nicht berücksichtigter Konkurrent gegen die Vergabe klagt. Wie hoch schätzen Sie diese Möglichkeit ein?

Damit muss man immer rechnen, wenn man bauen will. Die Vergabe wird auf dem Portal Simap publiziert, danach kann es Einsprachen geben – ebenso, wenn dann die Baubewilligung vorliegt.

Es kann aber sein, dass Marianne Hollingers Engagement so ausgelegt wurde, dass der Dom ihr «Kind» sei. Wenn sie sich für etwas einsetzt, dann immer mit ganzer Kraft.

Es gibt Stimmen, die sagen, Ihre Vorgängerin, Marianne Hollinger,habe sich mit dem Dom ein Denkmal setzen wollen. Was sagen Sie dazu?

Das stimmt nicht. Das war nicht ihre Idee, die sie durchboxen wollte. Die Vereine kamen schon vor Jahren auf uns zu und klagten, es gebe zu wenig Räume. Es kann aber sein, dass Marianne Hollingers Engagement so ausgelegt wurde, dass der Dom ihr «Kind» sei. Wenn sie sich für etwas einsetzt, dann immer mit ganzer Kraft. Aber eben: Der Gemeinderat stand stets geschlossen hinter dem Vorhaben – in der früheren, aber auch in der aktuellen Zusammensetzung.

Nochmals in drei Sätzen: Wieso ist der Dom das richtige Projekt für Aesch?

Wir schaffen mit dem multifunktionalen Dom mit idealer Raumaufteilung den dringend benötigten Raum für unsere Vereine. Gerade weil der Dom ein besonderer Bau mit Leuchtkraft über die Gemeindegrenze hinaus sein wird, werden wir die Möglichkeit haben, die Räumlichkeiten extern zu vermieten, und können so unsere Betriebskosten senken. Der Hauptbaustoff ist Holz aus der Region, der Dom wird mit einer Holzschnitzelheizung beheizt und auf der Kuppel wird eine Fotovoltaikanlage montiert, und wir sind sehr stolz auf unseren Dom, der durch seine einmalige Architektur und Nachhaltigkeit besticht.