Erschwil
Essen wie ein Altsteinzeitler – das ist auf der Wanderung in den Chesselgraben möglich

Die Essgewohnheiten in der Altsteinzeit sind Thema einer Wanderung in den Chesselgraben.

Philipp Felber
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So könnte es damals in Erschwil ausgesehen haben. Wälder waren noch nicht verbreitet in Mitteleuropa.

So könnte es damals in Erschwil ausgesehen haben. Wälder waren noch nicht verbreitet in Mitteleuropa.

Illustration: zvg/Benoît Clarys

Onava steht in einem kleinen Tälchen bei Erschwil. Er trägt einen Umhang aus Leder, in der Hand hat er Pfeile zum Jagen. Noch am Morgen hat er einen Hasen erlegt, später wird er ihn ausnehmen. Unter einem kleinen Felsvorsprung hat er bereits vor Tagen eine Gargrube ausgehoben.

Dort drin brutzeln Fische, irgendwo röhrt ein Rentier. Drei Wildpferde ziehen laut trampelnd vorbei, die Zweige der Zwergbirken biegen sich im Wind. Onava setzt sich hin und überprüft, ob die Fische schon gar sind. Bald, denkt er sich und ruft seine Familie zu sich.

Spuren der Altsteinzeit

So oder so ähnlich könnte es sich vor 16 000 Jahren im Chesselgraben abgespielt werden. Denn Onava ist ein fiktiver Vorfahr des modernen Menschen, den das Archäologische Museum des Kantons Solothurn für seine Wanderausstellung «Wer is(s)t denn da?» erfunden hat. Ein Teil der Ausstellung gastiert zurzeit im Schulhaus Brühl in Erschwil. Und das nicht zufällig. 1985 fand man im Chesselgraben Spuren von altsteinzeitlichen Menschen, die unter einem Felsvorsprung hausten.

Damals fanden die Archäologen Reste einer Feuerstelle, Geräte aus Silex (Feuerstein) und Tierknochen. Und die angesprochene Gargrube. Materialproben haben gezeigt, dass darin Fische zubereitet wurden. Onava lebte am Ende der letzten Eiszeit. Damals war es noch einiges kühler als heute, die Landschaft nicht von Wäldern geprägt.

Am Samstag findet im Rahmen der Ausstellung ein Besuch der Fundstelle im Chesselgraben statt. Jürg Sedlmeier, bereits 1985 an der Ausgrabung dabei, wird einen Einblick in das Leben der Menschen in der Altsteinzeit geben. Dabei kann man sich auch im Schiessen mit einer Speerschleuder, einer altsteinzeitlichen Waffe üben. Und weil die Ausstellung der Ernährung in den verschiedenen Epochen der Menschheitsgeschichte gewidmet ist, wird ein altsteinzeitlicher Apéro serviert.

Treffpunkt ist das Schulhaus Brühl in Erschwil. Der Besuch dauert von 14 bis 16.30 Uhr. Die Ausstellung im Schulhaus ist bereits seit Mittwoch zu besuchen. Jeweils von Montag bis Freitag, zwischen 15 bis 20 Uhr ist die Ausstellung für Besucher offen. Bis zum 29. September sind dort die Fundstücke aus der Erschwiler Ausgrabung und weitere Funde aus dem Kanton Solothurn zu sehen. Die ältesten Fundstücke sind 80000 Jahre alt und könnten von Neandertalern stammen. Ebenso bis zum 29. September ist die Ausstellung in Roderdorf offen, welche dem Essverhalten der Römerzeit gewidmet ist.

Samstag Besuch Chesselgraben, 14 bis 16.30 Uhr. Treffpunkt Schulhaus Brühl. Ausstellung Schulhaus Brühl: «Wer is(s)t denn da». Bis 29. September jeweils Montag bis Freitag 15 bis 20 Uhr.