Baselbiet
Energiewende: Windräder kommen fast überall gut an

Die Naturschützer unterstützen die Pläne rund um die Energiewende im Baselbiet mehrheitlich. Widerstand regt sich nur gegen einen Standort: Naturschutzgebiete sind für Pro Natura tabu. Doch grundsätzlich setzt sich der Verband für Windenergie ein.

Hans-Martin Jermann
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Windenergie kontra Naturschutz: Dieser Konflikt soll im Baselbiet mit einem Kompromiss gelöst werden. Key

Windenergie kontra Naturschutz: Dieser Konflikt soll im Baselbiet mit einem Kompromiss gelöst werden. Key

Im Baselbiet wird derzeit darüber gestritten, ob und in welcher Grössenordnung in den nächsten Jahren Windkraftanlagen gebaut werden sollen. Die Regierung sieht gemäss Entwurf zum kantonalen Richtplan dafür sechs Standorte vor. Demnach könnten im Baselbiet rund 30 Grossanlagen mit einer Nabenhöhe von bis zu 150 Metern aufgestellt werden. Das Produktionspotenzial wird auf knapp 140 Gigawattstunden geschätzt – sieben Prozent des jährlichen Bedarfs des Kantons Baselland.

Einen Monat vor Vernehmlassungsende zeigt sich: Die Pläne stossen bei den Naturschutzverbänden zumindest nicht auf Fundamentalopposition. Der Kanton lege eine klare Planungsgrundlage vor. Und er schliesse Naturschutzgebiete als Standorte aus, kommentiert Michael Casanova, Projektleiter Energiepolitik bei Pro Natura. «Nun können wir uns auf Details konzentrieren.»

Pro Natura stehe der Windenergie grundsätzlich positiv gegenüber, stellt Casanova klar. Der Verband mache sich aber dafür stark, dass der Bau von Anlagen möglichst im Einklang mit dem Naturschutz erfolge. Für Projekte im Baselbiet könnte dies heissen, dass sich die Organisation für die Verlegung eines Windrades um einige Hundert Meter einsetzt, sollte der vorgesehene Standort eine Bedrohung für Vögel darstellen.

Keine Räder auf Jurahauptkamm

Ähnlich äussert sich Jost Müller, Geschäftsführer des WWF Region Basel. Er begrüsst, dass die Regierung eine «massvolle» Nutzung der Windkraft im Baselbiet vorsehe. Die Planung lasse geschützte Landschaften im BLN-Inventar wie das Gempenplateau oder den Jurahauptkamm aussen vor. «Das Baselbiet gehört vom Windpotenzial her nicht zu den Schweizer Top-Standorten», gibt Müller zu bedenken.

Das sind die Standorte der sechs Baselbieter Windparks.

Das sind die Standorte der sechs Baselbieter Windparks.

Barbara Adank

Auf Kritik stösst sowohl bei Müller und Casanova, dass die Planung des Baselbiets nicht mit jener des Kantons Solothurn abgestimmt sei. Müller schüttelt den Kopf: Dabei könnte mit einem koordinierten Vorgehen den Anliegen der Energieversorger und jenen des Naturschutzes besser Rechnung getragen werden. Drei der sechs vorgesehenen Baselbieter Standorte befinden sich an der Grenze zu Solothurn; im Richtplan des Nachbarkantons sind dort allerdings keine Windräder vorgesehen.

Eine Anpassung sei nicht vorgesehen, sagt Markus Schmid, Projektleiter Windenergie im Solothurner Amt für Raumplanung. Die Planung der beiden Kantone ist inhaltlich nicht kohärent: So sind im Kanton Solothurn keine Standorte im Wald vorgesehen – ganz im Gegensatz zum Baselbiet.

Kommt hinzu, dass ausgerechnet gegenüber den Standorten an der Kantonsgrenze die Vorbehalte am grössten sind: WWF-Vertreter Müller verweist auf bedeutende Trockenweiden in den Gebieten Chall (Blauen-Burg) und Liesberg. Die Erschliessung der Windanlagen sowie allfällige Zusatzbauten hätten negative Auswirkungen auf die Biodiversität. Der WWF Hand biete aber Hand für sinnvolle Windkraftprojekte, stellt Müller klar.

Widerstand beim Chall am grössten

Dezidiert äussert sich Susanne Brêchet, Geschäftsführerin des Basellandschaftlichen Natur- und Vogelschutzverbandes: «Der Chall kommt für uns als Standort für Windräder nicht infrage.» Das Gebiet sei ein Hotspot seltener Arten; so gebe es Horste von Wanderfalken. Für diese gelten in Deutschland klare Regeln, wie gross der Abstand zu einer Windanlage sein müsse: «Würden diese auf den Chall übertragen, dürfte hier kein einziges Windrad aufgestellt werden», betont Brêchet.

Ausgerechnet dem Projekt mit dem grössten Potenzial im Baselbiet droht also der grösste Widerstand. Und jenem, dessen Planung am weitesten fortgeschritten ist. Bittere Ironie: Während die Energieversorger EBM und EBL ihre Windkraftpläne fürs Baselbiet erst kürzlich publik gemacht haben, traten die Industriellen Werke Basel (IWB) damit bereits im Herbst 2010 an die Öffentlichkeit.

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