Mordfall Metzerlen
Eklat vor Gericht: Verteidiger des Beschuldigten verlässt den Saal

Die Verhandlungen zum Mord am ehemaligen Gemeindepräsidenten von Metzerlen-Mariastein wurden auf unbestimmte Zeit verschoben. Der Anwalt des einen Angeklagten kritisierte die Haftbedingungen seines Mandanten und weigerte sich, weiter am Prozess teilzunehmen.

Dimitri Hofer
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Weiter ungewiss

Weiter ungewiss

bz

Auf einmal streift sich Thomas Fingerhuth seine Jacke über. Er sei nicht bereit, unter diesen Bedingungen weiter an der Verhandlung teilzunehmen. Der amtliche Verteidiger steht auf und geht.

Der zweite Prozesstag dauert zwar erst eine Stunde, aber Amtsgerichtspräsidentin Georgia Marcionelli Gysin hat keine andere Wahl: «Wir sind gezwungen, die Verhandlung auf unbestimmte Zeit zu verschieben.» Sie wünsche allen eine schöne Weihnachtszeit und frohe Festtage, gibt die Präsidentin des Richteramts Dorneck-Thierstein den Anwesenden mit auf den Weg. Es werde wohl Sommer, bis man sich wiedersehe.

Der Prozess gegen die Männer, denen zur Last gelegt wird, im März 2010 den Gemeindepräsidenten von Metzerlen-Mariastein getötet zu haben, ist damit vorerst beendet. Ivo Borer war in seinem Haus überfallen und zusammengeschlagen worden. Er starb im Spital an den Verletzungen. Mit der Aussicht auf eine Millionenbeute waren die Täter ins Solothurnische Leimental gefahren. Erbeutet haben sie nur einen Auto- und einen Haustürschlüssel.

Kritik an Haftbedingungen des Angeklagten

Seit Montag stehen die beiden Beschuldigten vor Gericht. Die Solothurner Staatsanwaltschaft erhebt Anklage wegen Mordes gegen einen 41-jährigen Holländer und einen 43-jährigen Serben. Der Prozess findet an einem geheimen Ort unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Medienschaffende können über Video zuschauen. Die ungewöhnliche Geheimhaltung hängt wohl mit der international tätigen Juwelendiebesbande Pink Panthers zusammen. Es wird eine Verbindung der Angeklagten zu diesem Netzwerk vermutet.

Als amtlicher Verteidiger des Holländers ist der Anwalt Thomas Fingerhuth tätig. Der Zürcher ist in der Vergangenheit immer wieder als Verteidiger von Verbrechern in Erscheinung getreten. Auf Anfrage äussert er sich nach seinem Abgang zu den Gründen: «Ich habe mich in Absprache mit meinem Klienten geweigert, weiter am Prozess teilzunehmen. Verantwortlich sei die seiner Meinung nach menschenunwürdige Behandlung des Klienten und daraus resultierend der Umstand, dass eine vernünftige Verteidigung nicht mehr möglich gewesen sei.

Unklar, wann der Prozess weitergeht

«Die Haftbedingungen, mit denen sich mein Klient konfrontiert sieht, sind degradierend, persönlichkeitsverletzend und menschenunwürdig.» Der Mandant befinde sich rund um die Uhr in einer teilverglasten Zelle ohne Privatsphäre, in der er sich unter permanenter Zurschaustellung umziehen, schlafen und seine Notdurft verrichten müsse, moniert Fingerhuth. «Für Letzteres steht ihm nichts anderes als ein Loch in der Mitte seiner Zelle zur Verfügung.» Er sei seit über 20 Jahren als Strafverteidiger tätig, aber «eine solche Gleichgültigkeit gegenüber der Gesundheit meines Klienten und dessen Verteidigungsrechten» habe er noch nie erlebt.

Die Kritik des Anwalts an den Haftumständen muss unerwidert bleiben. Eine Anfrage dieser Zeitung für eine Stellungnahme an das Solothurner Amt für Justizvollzug wurde mit dem Verweis auf das laufende Verfahren nicht beantwortet. Die Staatsanwaltschaft des Kantons Solothurn schreibt, man habe vom Abbruch der Hauptverhandlung Kenntnis genommen. «Wir warten nun den Entscheid des Gerichts über das weitere Vorgehen ab.»

In Dornach, wo sich das zuständige Richteramt Dorneck-Thierstein befindet, ist wiederum der Unmut gross. In einer Medienmitteilung von gestern Nachmittag heisst es: «Das Gericht bedauert sehr, dass der Prozess nicht wie geplant stattfinden konnte und wird zu gegebener Zeit über den neuen Verhandlungstermin informieren.» Der Verteidiger habe den Saal unerlaubterweise verlassen. Ohne ihn sei eine Weiterführung nicht möglich gewesen.

Mit dem Abbruch wurde die Hoffnung von vielen, endlich einen Schlussstrich ziehen zu können, über den Haufen geworfen. Ein Abschluss des Falls ist nach über zehn Jahren wieder in weite Ferne gerückt.