Einkaufs-Tourismus
Geimpfte Schweizerinnen und Schweizer dürfen wieder ennet der Grenze einkaufen

Bisher durften Baslerinnen und Basler in Weil und Lörrach nicht einkaufen. Wegen Corona war der sogenannte Einkaufs-Tourismus verboten. Nun hat Baden-Württemberg allerdings seine Corona-Regeln angepasst.

Peter Schenk
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Auch das Rhein Center in Weil ist auf Schweizer Kundschaft angewiesen.

Auch das Rhein Center in Weil ist auf Schweizer Kundschaft angewiesen.

Kenneth Nars

Der Lörracher und der Weiler Detailhandel leiden stark darunter, dass die Schweizer Kunden seit 22. Dezember nicht mehr im deutschen Grenzgebiet einkaufen durften. «Damit sind die Hauptkunden für uns weg», sagt Alev Kahraman, Managerin des Rhein Centers im Weiler Quartier Friedlingen. Im dortigen grossen Supermarkt Marktkauf liegt der Anteil der Schweizer Kunden normalerweise bei 65 Prozent.

Ähnlich tönt es bei Bernd Hörenz, Vorsitzender ad interim beim Detailhandelsverband «Weil aktiv».

«Es ist überall zu spüren. Die Schweizer Kunden fehlen uns.»

Hörenz plädierte für Gleichbehandlung im Dreiland, wenn es rechts und links der Grenze gleiche Inzidenzwerte gebe. Trotzdem durfte der Basler Kunde bisher in Weil nicht einkaufen. «Jemand aus Hamburg darf kommen, selbst wenn es dort eine Inzidenz von 300 gäbe.»

Der Tele M1-«Aktuell»-Beitrag zum Thema.

Tele M1

Keine Quarantänepflicht mehr für Geimpfte

Das ändert sich jetzt aber. Das Bundesland Baden-Württemberg hat seit dieser Woche die Corona-Regeln geändert. Neu besteht für symptomfreie Geimpfte bei der Einreise aus einem Risikogebiet keine Quarantänepflicht mehr. Also auch für Einreisende aus der Schweiz. Dafür muss lediglich der Nachweis erbracht werden, dass vor mindestens zwei Wochen die zweite Impfdosis erhalten wurde. Wer eine Infektion mit dem Coronavirus bereits überstanden hat, muss gar nur eine Dose verimpft bekommen haben. Einkaufen in Weil und Lörrach ist also zumindest für bereits Geimpfte wieder möglich.

Hans-Werner Breuer, Vorsitzender des Detailhandelsverbands Pro Lörrach, hofft auf eine Normalisierung ab Ende Mai und setzt auf die Impfungen.

«Wenn Personen durchgeimpft sind, werden sie sich freier bewegen und entspannter sein. Das hat Signalwirkung.»

Sorgen macht ihm, dass die Schweizer Kunden des Einrichtungshauses Becker, wo er tätig ist, nach der Corona-Krise wegbleiben könnten, weil sie sich anderweitig orientiert haben.

Jeder Fünfte reist ohne legitimen Grund ein

Dass in den meisten Fällen das Einkaufen in Südbaden für alle Schweizer bislang nicht erlaubt war, scheint sich noch immer nicht überall herumgesprochen zu haben. Mitte März konnte bei einer gemeinsamen Kontrolle von Polizei und Weiler Gemeindevollzugsdienst von rund 500 kontrollierten Personen jeder Fünfte keinen legitimen Grund für seinen Aufenthalt in Weil angeben.

Bussen wurden damals noch nicht verhängt. Kontrolliert wird weiter regelmässig. Laut der Weiler Mediensprecherin Junia Folk wurden seit Mitte März weitere 70 Verstösse festgestellt und angezeigt. Jetzt heisst es auch zahlen. Bei einem ersten Verstoss liegen die Bussgelder zwischen 130 und 200 Euro. Bei Wiederholung können sie bis auf 3'000 Euro steigen.

«Dreiländergalerie»: Eröffnung verzögert sich

Corona hat auch Auswirkungen auf das neue Einkaufszentrum Dreiländergalerie, das an der Endhaltestelle des 8er-Trams in Weil entsteht. So hat sich deshalb die Fertigstellung des Rohbaus auf Ende Mai/Anfang Juni verzögert. Laut Andreas Thielemeier, Geschäftsführer des Investors Cemagg, dürfte auch die ursprünglich für den Herbst geplante Eröffnung auf Frühjahr 2022 verschoben werden, damit sie «Corona-frei» sei.

Im neuen Lörracher Wohn- und Geschäftshaus Lö, das sich auf dem Gelände der ehemaligen Post befindet, ist man schon weiter. Hier hat der erste Laden bereits eröffnet, die 71 Mietwohnungen werden im Sommer bezogen. Unter den lediglich acht Geschäften, Banken und Restaurants – es handelt sich also nicht um ein weiteres Einkaufszentrum – befindet sich auch ein neuer Hieber-Markt.

Durch die gute S-Bahnanbindung könnte dieser auch für Basler Kunden interessant sein. Ob dies tatsächlich mit ein Grund für den neuen Standort ist und wie Hieber mit Corona klar kommt, dazu wollte sich die Supermarkt-Kette nicht äussern. Norbert Schoeffel, Geschäftsführender Gesellschafter, teilte lediglich mit:

«Wir stehen aktuell für Interviews nicht zur Verfügung.»