Beachsoccer
Ein Basler betreut tahitianische Welt-Stars an der WM

Angelo Schirinzi, Aushängeschild der Schweizer Beachsoccer-Szene, bereitet die tahitianische Nationalmannschaft auf die WM im September vor. Schirinzi spricht über die Wichtigkeit des Events für die Südsee-Insel und über seine Liebe zum Exotischen.

Janine Müller
Merken
Drucken
Teilen
Angelo Schirinzi: «Die WM ist für Tahiti ein riesiger Event. Die Spieler wurden extra für sieben Monate freigestellt.»

Angelo Schirinzi: «Die WM ist für Tahiti ein riesiger Event. Die Spieler wurden extra für sieben Monate freigestellt.»

Angelo Schirinzi, Sie sind auf dem Weg nach Frankreich. Was ist die Mission?

Angelo Schirinzi: Es steht ein Europa-League-Event mit dem Schweizer Beachsoccer-Team in Valence an. Wir wollen uns für den Superfinal im August qualifizieren. Schliesslich sind wir die Titelverteidiger in diesem grössten europäischen Beachsoccer-Event.

Sie sind nicht nur Coach der Schweizer Beachsoccer-Nati, sondern auch Technischer Direktor der tahitianischen Beachsoccer-Nationalmannschaft. Wie sind Sie zu diesem Job gekommen?

2008 wurde ich Fifa-Instruktor. Ich habe auch ein Lehrbuch über Beach-
soccer verfasst. Tahiti kam auf mich zu und fragte, ob ich dort einen Kurs durchführen könnte. Anschliessend kam der tahitianische Verband auf mich zu, ob ich nicht Betreuer dieses Teams werden möchte, wenn sich die Schweiz nicht für die WM 2013 qualifiziert. Denn die WM findet im September in Tahiti statt.

Die Schweiz hat diese Qualifikation im August 2012 tatsächlich nicht geschafft.

Genau. Kurz darauf hatte ich die Anfrage vom tahitianischen Verband, ob ich ihnen jetzt helfen könnte, das Team auf die WM vorzubereiten. Durch diese Zusammenarbeit kann man beinahe von einer Liebesbeziehung zum tahitianischen Beachsoccer sprechen.

Sie scheinen der Experte für das Exotische zu sein. Sie haben Beach-Soccer-Entwicklungshilfe bereits auf den Salomonen, Mauritius, im Oman, im Iran und an der Elfenbeinküste geleistet. Und jetzt Tahiti. Ein Traumjob?

Das fragen Sie noch (lacht)? Natürlich! Ich liebe Fussball, ich liebe Strände und ich liebe das Reisen. Mir gefällt das sehr gut. Und es macht mir extrem Freude, mein Wissen weiterzugeben und Menschen auszubilden.

Wie oft sind Sie im Rahmen Ihrer Tätigkeit überhaupt in Tahiti?

Bis anhin waren es rund drei Monate. Im November 2012 war ich erstmals da, dann im Frühling wieder. Und bevor es mit der WM losgeht, werden wir den ganzen August auf Tahiti sein und uns vorbereiten.

Wie lässt sich dieses Engagement mit Ihrem Job als Coach der Schweizer Nationalmannschaft verbinden?

Das ist momentan tatsächlich ziemlich anstrengend. Auch das Reisen, das mir sonst Spass macht. Darum trainieren die Tahitianer von Juni bis Ende Juli in der Schweiz. Sie spielen in der Suzuki Swiss Beach Soccer League (höchste Liga in der Schweiz, d. Red), um Match-Erfahrung zu sammeln. Drei sind in Liestal bei den Chargers Baselland und führen jeden Mittwochnachmittag ein Training für Kinder durch. Momentan sind allerdings nicht alle Spieler in der Schweiz. Einige bestreiten mit Tahiti noch im normalen Fussball den Confed Cup in Brasilien.

Die spielen Beachsoccer und normalen Fussball?

Ja, das gibt dann manchmal ein Chrüsimüsi. Einige Beach-Soccer-Spieler haben sich sogar gegen den Confed Cup in Brasilien und für die WM-Vorbereitung entschieden.

Was bedeutet die Beachsoccer-WM für Tahiti?

Das ist ein riesiger Event für Tahiti. Der grösste, den es je gegeben hat. Sogar die Schulferien wurden extra verschoben und die Spieler wurden für sieben Monate von ihren Jobs freigestellt, damit sie sich gut vorbereiten können. Die Euphorie ist enorm. Die Wirtschaftskrise hat auch Tahiti nicht verschont. Der Tourismus hat stark darunter gelitten. Mit dieser WM keimt wieder Hoffnung auf. Sämtliche Hotels sind bereits jetzt ausgebucht und die Fernsehbilder werden um die ganze Welt gehen und so hoffentlich die Wirtschaft wieder ankurbeln.

Welches Ziel streben Sie mit den Tahitianern an?

Wir wollen sicher nicht nur über ein Tor jubeln (lacht). Seit ich während der Spiele zusammen mit dem Coach an der Seitenlinie bin, konnten wir schon einige Erfolge verbuchen. Wir haben zum Beispiel dreimal gegen Frankreich gewonnen. Die Finalqualifikation liegt drin, das sage ich. Aber es ist klar: Wir haben sicher nicht die besten Spieler, darum will ich, dass wir wenigstens die Gruppenphase überstehen.

Tahitianer spielen sich ins Herz der Liestaler Kids

«Die Schweiz ist nach Russland und Italien die drittbeste Liga der Welt. Das zieht Weltstars von überall an» erklärt Goran Abt, Präsident des Baselbieter Beachsoccer Teams BSC Chargers Baselland. Die Stars stammen aus Brasilien, Italien und Russland - oder aus Tahiti, dem kleinen Südsee-Paradies, welches zurzeit die Herzen der Fussball-Fans um den Globus im Sturm erobert.

Die Rasen-Kicker weilen am Confed Cup an der Copacabana und spielen als Ozeanien-Meister gegen illustre Teams wie Welt- und Europameister Spanien, Südamerika-Meister Uruguay und Afrika-Meister Nigeria.

Lieber Sand als Rasen

Doch in Tahiti selbst ist die Begeisterung klein. Viel wichtiger ist dort Beachsoccer. Denn im Beachsoccer sind die Tahitianer Weltklasse. Und als Weltklasse-Spieler will man in einer adäquaten Liga mit Weltniveau seinen Beruf ausüben.

Dies tun einige der Stars der Tiki Toa in unserer heimischen Suzuki Swiss Beach Soccer League. Drei von ihnen wohnen in Hölstein. Wenn sie nicht gerade ihrem sandigen Vergnügen nachgehen und für ihren Club BSC Sable Dancers Bern auf Torjagd gehen, haben sie nicht viel zu tun.

Diese Unterbeschäftigung brachte Angelo Schirinzi, Coach der Schweizer Beachsoccer-Nati, Technischer Direktor der tahitianischen Beachsoccer-Nationalmannschaft und vor allem Teamkollege der drei Insulaner bei den Sable Dancers, auf eine Idee: Das Schweizer Aushängeschild im Beachsoccer kontaktierte Goran Abt, bot ihm an, dass seine Team-Kollegen zusammen mit den Chargers eine Kooperation zur Förderung der Jugend eingehen könnten.

Südsee-Feeling im Gitterli

Wie schon 2012 führt der Baselbieter Beachsoccer-Club auch in diesem Jahr wieder Junior Days durch, an denen der Nachwuchs gefördert werden soll. «Angelo hat uns angeboten, dass die Tahitianer zusammen mit uns den Kindern das Spiel im Sand näher bringen könnten. Da haben wir natürlich nicht Nein gesagt, denn wer vermittelt Kindern mehr Euphorie als Weltstars?» Nun stehen seit der ersten Juniwoche jeden Mittwochnachmittag von 15 bis 17 Uhr drei Insel-Stars, zusammen mit Miriam Walder, der Junioren-Verantwortlichen der Chargers, und einigen Spielern der Baselbieter zusammen in der Swiss Life Beach Soccer Arena in Liestal im Einsatz.

Die Junior-Days werden bis Ende August durchgeführt und sollen so viele Kinder wie möglich mit der Sand-Begeisterung infizieren. Mit den tahitianischen Stars haben diese Fördertage natürlich an Reiz gewonnen. Bis zu ihrer Abreise im Juli vermitteln sie die Liebe zu ihrem Sport und bringen das Südsee-Feeling ins Gitterli. Die Faszination Tahiti geht also über den Confed Cup hinaus. Die Rasen-Kicker haben sich ins Herz der Welt gespielt, ihre Sand-Pendants ins Herz der Baselbieter Kids. (cfe)