Mein Schrebergarten
Ebenso sehr Treffpunkt wie Garten – der «Schlemmergarten» der Kontaktstelle für Arbeitslose

Im «Schlemmergarten» der Kontaktstelle für Arbeitslose ist immer etwas los.

Michel Ecklin
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Mein Schrebergarten Folge 9: Im «Schlemmergarten» der Kontaktstelle für Arbeitslose
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 Im «Schlemmergarten» sind ständig Gäste. Hazima (oben), Claudia (links) und Brigitte sind selten alleine.
 Trotz Vielfalt sorgen die drei Gärtnerinnen für Ordnung in ihrem Garten.

Mein Schrebergarten Folge 9: Im «Schlemmergarten» der Kontaktstelle für Arbeitslose

Kenneth Nars

Für den Besuch der bz tischen Brigitte, Claudia und Hazima Kapuzinerblüten auf. Die drei Gärtnerinnen haben letztes Jahr einen Kurs über essbare Blumen besucht. Über ihrem Garten auf dem Birsfelder Hagnau-Areal weht der Duft des Lavendels, den sie gerade in Duftsäckchen gegen Motten abpacken. Im nächsten Winter wollen sie aus Kohl Sauerkraut herstellen. Die drei haben noch viele Ideen, überlegen sich jetzt zum Beispiel, Auberginen an der Sonne zu trocknen. Am liebsten würden sie eine Kuh halten, aber das darf man natürlich nicht.
«Es läuft immer etwas hier», sagt Hazima – und genau das ist Absicht.

Denn ihr «Plauschgarten», wie sie ihn selber nennen, ist ein Gemeinschaftsprojekt der Basler Kontaktstelle für Arbeitslose. Hier treffen sich Menschen, die keine Arbeit haben, ihren Partner verloren haben, nach einen Unfall beeinträchtigt sind oder andere Schwierigkeiten haben, Anschluss zu finden. Der Garten soll ein Treffpunkt sein, eine Art offene Wohngemeinschaft. Ständig sind Gäste hier, seien es Zivildienstleistende, wenn es schwere Arbeiten zu verrichten gibt, kräftige Männer, die mal einen Ast abschneiden, Freunde, die Rezeptideen bringen. Zu Besuch kommen auch ein Igel, die immer gleiche Taube oder Enten von der Birs. Fällt mal eine Gemüseschwemme an, radelt man damit zur Gassenküche. «Wichtig ist für uns alle, zusammen mit anderen etwas zu tun», sagt Brigitte, die seit mehreren Jahren dabei ist. «Ich habe hier viel über Menschen gelernt.»

Dabei legt man Wert darauf, das kleine Reich auch gemeinsam zu planen. Jeden Montag besprechen die drei, welche Aufgaben gerade anstehen, wo welche Pflanze hinkommt, wer wann giesst und wer die Kartoffelkäfer einsammelt. Ebenso achten sie darauf, dass es möglichst das ganze Jahr durch etwas zu ernten gibt. Um etwas Ordnung in den Wildwuchs zu bringen, haben sie beschlossen, dass jede der drei Gärtnerinnen ein eigenes Beet bekommt, für die sie alleine verantwortlich ist – «nach langen Diskussionen», betont Sarah Lötscher von der Kontaktstelle.

Den Rest bewirtschaften sie gemeinsam, die Ernte gehört selbstverständlich allen. Und natürlich bereiten sie die Ernte gemeinsam zu, dafür ist das Häuschen eingerichtet. Dieses ist so wie der ganze Garten: einfach, aber voller Ideen. «In unserem Garten ist nicht alles so perfekt», gibt Hazima zu. «Dafür wachsen bei uns viele verschiedene Pflanzen, weil so viele verschiedene Menschen hier arbeiten.»

Sie war es, die den Garten ursprünglich für sich alleine gepachtet hatte und ihn dann der Kontaktstelle übergab. Für sie ist klar: «Ich möchte nie mehr alleine einen Garten haben.»