Öffentlicher Verkehr
Durch diesen engen Kreisel muss es kommen: Route für Bachgraben-Tram festgelegt

Beide Basel wollen das boomende Bachgraben-Areal mit einem Tram erschliessen. Bislang stand die Frage im Raum: Wo soll es durch? Jetzt hat sich eine Variante als Favorit durchgesetzt. Sie hat es in sich.

Benjamin Wieland
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Hier, beim «Suppenschüssel»-Kreisel, würde das Bachgraben-Tram abbiegen: In Richtung Stadt von der Hegenheimerstrasse (links) herkommend in Fahrtrichtung links in den Luzernerring, und dann hinunter bis zum Bahnhof St. Johann.

Hier, beim «Suppenschüssel»-Kreisel, würde das Bachgraben-Tram abbiegen: In Richtung Stadt von der Hegenheimerstrasse (links) herkommend in Fahrtrichtung links in den Luzernerring, und dann hinunter bis zum Bahnhof St. Johann.

Nicole Nars-Zimmer

Darüber werden sich die Ingenieure noch den Kopf zerbrechen. Baselland wie Basel-Stadt wollen das Bachgraben-Areal in Allschwil mit seinen künftig 6000 Arbeitsplätzen mit einem Tram erschliessen. Bislang war jedoch nicht klar, wo genau dieses Tram durchfahren soll. Jetzt haben sich die Planer auf eine Route einigen können – doch die hat es in sich.

Vorgesehen ist, das Bachgraben-Areal mit dem Bahnhof St. Johann zu verknüpfen. Das ist einem Bericht zur Tramverbindung zu entnehmen, den die Bau- und Planungskommission (BPK) des Baselbieter Landrats verabschiedet hat. Die Route gestaltet sich wie folgt: Bach­graben/Hegenheimermattweg–Belforterstrasse–Hegenheimerstrasse–Luzernerring–Bahnhof St. Johann. Die Wendeschlaufe käme auf dem Hegenheimermattweg zu stehen, vor dem Hauptsitz von Actelion.

Gerade der Kreisel Luzernerring-Hegenheimerstrasse dürfte eine Knacknuss darstellen. Und ob die Brücke über die Gleise beim Bahnhof St. Johann überhaupt ein Tram tragen kann, geht aus dem BPK-Bericht nicht hervor.

Baustart nicht vor 2030: Zuerst braucht es Platz

Trotzdem werde diese Route favorisiert, hält die BPK fest, «nicht nur wegen des grössten Nachfragepotenzials», sondern auch, weil sie machbar sei. Eine Bedingung gebe es jedoch: Zuerst müsse der Autobahn-Zubringer Bachgraben fertig gestellt sein, der Zuba. Erst nachdem sich der Verkehr in den Tunnel verlagert habe, gebe es auf dem Luzernerring, aber auch auf dem Hegenheimermattweg, genügend Platz, um Schienen verlegen zu können.

Da Baselland erst im September angekündigt hat, den Strassentunnel zwischen dem Bachgraben und der A 3 in Basel frühestens 2027 statt 2024 in Angriff zu nehmen, verschiebt sich auch der Baubeginn fürs Tram: auf frühestens 2030. Hinzu kommt, dass aus Basel Widerstand droht. Im Grossen Rat ist eine Motion hängig, die verlangt, dass das Tram vor dem Zuba realisiert wird.

Der Terminplan ist eng

Die BPK will Fakten schaffen. Sie beantragt dem Landrat mit einer Gegenstimme, das Trassee für das Bachgrabentram in der nächsten Richtplan-Überarbeitung zu sichern. Grünen-Landrat Klaus Kirchmayr empfindet die Planung jedoch «alles andere als überzeugend», wie er gestern auf Twitter monierte. Das Tram komme zu spät, die Anbindung an die Bahn via Tram 6 oder 8 fehle.

Auch die BPK stiess laut Bericht bei der Verwaltung nach, ob der Zuba nicht doch früher realisierbar sei. Das scheint aussichtslos. Die Verwaltung klagt, für die binationale Strasse brauche es Bewilligungsverfahren in zwei Kantonen und zwei Ländern. Schon mit Baubeginn 2027 sei «der Terminplan sehr eng».

Auf die Anschlüsse an das 6er- und an das 8er-Tram geht der Bericht ebenfalls ein. Die Verlängerung des Bachgrabentrams bis Allschwil Dorf zur Linie 6 sei verworfen worden.

Lückenschluss in Allschwil bleibt eine Option

Möglich, aber vorerst nicht vorgesehen ist der Lückenschluss zum Tram 8. Der 8er soll ab 2028 bis zur Schule Gartenhof in Allschwil verkehren, rund 500 Meter vom Bachgraben entfernt. Fallen gelassen wurde die Idee Tram Morgartenring, Linienführung: Bahnhof SBB–Laupenring–Morgartenring–Luzernerring–Bahnhof St. Johann.

Die Kosten für das Bachgrabentram werden im Bericht mit 120 Millionen Franken angegeben. Zur Zeit läuft eine Korridorstudie. Definitiv eingegeben ins Agglo-Programm Basel, 4. Generation, wird es im Juni 2021.