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Diese Studenten der Uni Basel eifern Ban Ki Moon nach

Seit drei Jahren gibt es an der Uni Basel den Verein Model United Nations (MUN). Ein Gruppe junger Baselbieter Studenten simuliert jeden Donnerstag UNO-Debatten – samt Richtlinien während der Versammlung.

Tanja Bangerter
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Engagiert: Fabian Brix, Marlen Schultze, Melanie Müller, Philine Frei, Emanuel Boscardin (v.l.).Kenneth Nars

Engagiert: Fabian Brix, Marlen Schultze, Melanie Müller, Philine Frei, Emanuel Boscardin (v.l.).Kenneth Nars

«In New York, im Saal der UNO-Generalversammlung zu stehen, am gleichen Ort, wo Entscheidungen getroffen werden, die die Welt verändern können, ist ein überwältigendes Gefühl», sagt Philine Frei. Sie ist Aktivmitglied und bereits seit der Gründung des Vereins Model United Nations MUN Basel dabei. Die 21-jährige Medizinstudentin lächelt, wenn sie sich an den Besuch im Hauptquartier der Vereinten Nationen erinnert. Verändern, etwas dazu beitragen, was in der Welt passiert, das ist auch das Ziel ihrer Kollegen.

Respekt an erster Stelle

Jeden Donnerstagabend, wenn sie die Interessen des ihnen zugeteilten Landes zu einem Thema repräsentieren, begrüssen sie sich förmlich nach UNO-Richtlinien. In den Simulationen der UNO-Generalversammlung wird erst gesprochen, wenn es der Vorsitzende erlaubt – Respekt steht an erster Stelle. Nun sitzen die fünf MUN-Mitglieder zu Semesterbeginn im lichtdurchfluteten Restaurant Hitzberger am Aeschenplatz und erzählen lebhaft von ihrer gemeinsamen Leidenschaft: Menschenrechte und andere Debatten, die die Welt bewegen. Es fasziniert sie, weltpolitische Konflikte aus neuen Blickwinkeln zu betrachten.

Schwierige Entscheidungen

Denn die Entscheidungen, die in der UNO getroffen würden, seien nicht so einfach zu kritisieren, wie das oft passiere, betont Marlen Schultze, Präsidentin der MUN Basel. Aber auch sie seien offen für Kritik an der UNO, denn gerade das Vetorecht im Sicherheitsrat würde für Entwicklungsländer viele Nachteile mit sich bringen, betont die 22-jährige Jus-Studentin. Es bedürfe auch in ihren Sitzungen einer sorgfältigen Vorbereitung, um die Interessen des jeweiligen Landes zu vertreten. «Ich habe Sierra Leone beim Thema Korruption repräsentiert und habe erst im Gespräch mit einer Mexikanerin gemerkt, wie wenig ich über das Thema wusste», sagt Schultze.

In der Schweiz haben, ausser Neuchâtel, praktisch alle Universitäten ein MUN-Team. Vor drei Jahren gründete Deborah Maravic das MUN-Team an der Uni Basel. So populär wie in den USA sei MUN jedoch leider in der Schweiz nicht, so Schultze. «Einige berühmte Diplomaten, darunter auch der amtierende UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon, unterstützen Model United Nations oder waren gar selbst im MUN Team ihrer Universität», sagt Philine Frei. Damit die Jugendlichen schon früh mit MUN in Berührung kommen, organisiert Melanie Müller, Generalsekretärin der Schülerorganisation Regio-MUN jedes Jahr im Februar eine Generalversammlung. Gymnasiasten aus der gesamten Region vertreten in Gruppen verschiedene Länder. «Die jungen Schüler lernen, Grenzen vorgefasster Meinungen zu überschreiten, sich weiterzubilden», sagt die Jus-Studentin (24).

Von der Diplomatie fasziniert

«Ein Land, eine Stimme», sagt Emmanuel Boscardin. Der Wirtschaftsstudent (23) ist fasziniert von der Atmosphäre auf internationalem Politparkett. Der Bottminger erzählt begeistert und mit ausholenden Gesten von seiner Rede an einem internationalen MUN-Treffen. «400 junge Debattierende davon zu überzeugen, dass Afrika nicht der Rohstoffe wegen ausgebeutet werden darf, ist unglaublich spannend.» Es gehe in den Simulationen darum, rhetorisch herauszustechen, zu überzeugen, sagt er. Mit Ban Ki Moon zu debattieren, wäre ein Traum für ihn. New York, Taipeh, Singapur: An internationalen Sessions treffen die jungen Delegierten auf Hunderte von Gleichgesinnten, mit denen sie spannende Debatten führen. Die Begegnungen seien ebenfalls wertvoll. Schultze erzählt von einem Morgenessen mit dem türkischen Botschafter in Helsinki. Sie wollte von ihm Informationen über die Beziehungen zu Nordkorea haben und redete stattdessen bei einer Tasse Kaffee über dessen Familie.

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