Kirchgemeinde Rothenfluh
Die Kirche ist wieder im Dorf: Wie der Zwangsverwalter die Probleme bewältigt hat

Nach turbulenten Zeiten ist wieder Ruhe eingekehrt in der Kirchgemeinde Rothenfluh. Alt Regierungsrat Erich Straumann hat in nur fünf Monaten wieder für Ordnung gesorgt.

Simon Tschopp
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Die Kirche in Rothenfluh.

Die Kirche in Rothenfluh.

Nach turbulenten Zeiten ist wieder Ruhe eingekehrt in der Kirchgemeinde Rothenfluh. Diese wurde wegen Querelen um das Pfarrehepaar gespalten. Als Folge davon traten Mitglieder der Kirchenpflege gleich reihenweise zurück, das Gremium verlor seine Handlungsfähigkeit. Bis alt Regierungsrat Erich Straumann vom Kirchenrat als Zwangsverwalter eingesetzt wurde und – teils auch mit sanftem Druck – innert bloss fünf Monate für Ordnung sorgte.

Straumann trat sein Amt Anfang Januar an und folgte auf Rudolf Beljean, der schon in gleicher Funktion gewaltet hatte. Beljean musste nach zweieinhalb Jahren jedoch einsehen, dass er auf keinen grünen Zweig kommen würde und warf das Handtuch. Der neue Verweser stand vor dem Nichts: kein Pfarrer, eine Kirchenpflege ohne Mitglieder. Erich Straumann kniete sich in die Arbeit, studierte Dossiers seines Vorgängers und machte sich ein genaues Bild darüber, was zur Spaltung der Kirchgemeinde geführt hatte. Er wollte aber keine alten Gräben aufreissen. «Wer die Zukunft planen will, muss die Vergangenheit kennen», philosophiert der 73-Jährige. Ein Neubeginn.

Alt Regierungsrat als Krisenmanager

Der heute 73-jährige Erich Straumann aus Gelterkinden war von 1999 bis 2007 Regierungsrat und stand der Baselbieter Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion vor. Zuvor amtete der SVP-Politiker als Gemeindepräsident von Wintersingen und als Landrat, den er 1996/97 präsidierte. Straumann wurde vor zehn Jahren von der Regierung als Verweser von Hersberg eingesetzt, das sich damals in einer Krise befunden hatte. Nun übt er eine ähnliche Funktion in der Kirchgemeinde Rothenfluh aus.

Sanfte Drohung wirkte

Die grösste Herausforderung bestand darin, neue Leute für die Kirchenpflege zu gewinnen. Dies stellte sich als harte Knochenarbeit heraus. Rund 60 Personen kontaktierte Straumann; alle sagten ab. Er bat um Rat bei der Stiftung Kirchengut Baselland. In Absprache mit dieser griff er dann zur «Schocktherapie». Er drohte, jedoch behutsam: Wenn sich niemand finden lasse, müssten die Kirche versiegelt und die Glocken abgestellt werden. Das wirkte – und wie.

Erich Straumann, Interimspräsident der Kirchgemeinde Rothenfluh «Ich versuchte, wieder ein Wir-Gefühl aufzubauen.»

Erich Straumann, Interimspräsident der Kirchgemeinde Rothenfluh «Ich versuchte, wieder ein Wir-Gefühl aufzubauen.»

zvg

Schon bald traf sich der Statthalter mit sechs interessierten Frauen. Deren vier erklärten sich bereit, sich in der Kirchenpflege engagieren zu wollen. Das Quartett konnte in stiller Wahl gewählt werden. «Eine Frau hat bereits fürs Präsidium zugesagt, eine andere stellt sich als Protokollführerin zur Verfügung», freut sich Erich Straumann und ergänzt: «Dann begann es zu laufen.»

Dank Sondervollmachten, die er von der Landeskirche erhalten hatte, konnte er den Arbeitsvertrag mit der neuen Pfarrerin unterzeichnen. Birgit Schmidhalter aus Bubendorf wurde auf dem Berufungsweg von der Pfarrwahlkommission vorgeschlagen. Sie tritt ihr Amt mit einem 50-Prozent-Pensum morgen Samstag an. Tags darauf wird sie in einem Willkommensgottesdienst begrüsst, gleichzeitig findet die Amtseinsetzung der neuen Kirchenpflege statt.

Seit er seine Tätigkeit aufgenommen hatte, besuchte der Interimspräsident alle Gottesdienste in Rothenfluh. Diese wurden von verschiedenen Pfarrleuten gestaltet. Er redete viel mit den Kirchgängern und spürte schnell, dass er akzeptiert war, was seine schwierige Aufgabe erleichterte. «Ich versuchte, wieder ein Wir-Gefühl aufzubauen.»

«Neue Ideen sind gefragt»

Laut Straumann werden in drei Wochen die Ressorts verteilt, damit die Kirchenpflege wieder selbstständig agieren kann. Eine fünfte Person muss noch gefunden werden. Im Herbst steht ein Runder Tisch für die Bevölkerung an, um mit ihr ein Leitbild zu entwerfen. «Die Pfarrerin wird nicht mehr alles machen können. Neue Ideen sind gefragt», betont Erich Straumann. Tabus gebe es keine. Diskutieren müsse man auch über eine Zusammenarbeit mit anderen Kirchgemeinden. Denn Rothenfluh allein ist zu klein. Die Wohnung im neu renovierten Pfarrhaus wird durch eine Firma fremdvermietet, in den Räumlichkeiten im Untergeschoss ist die Kirchgemeinde eingemietet.

Der Anlass von übermorgen Sonntag stellt für den Zwangsverwalter ein Zwischenziel dar, «aber ein wichtiges», unterstreicht er. «Ich habe einen gewissen Stolz auf das Erreichte.» Straumann weiss aber auch, dass er all dies nicht alleine hätte vollbringen können. «Alle haben am selben Strick gezogen.» Er lobt die Landeskirche, von der er starken Sukkurs erhalten hat. Erich Straumann hat die Hauptarbeit verrichtet. Die Kirchenpflege wird er noch bis Ende Jahr begleiten.

Willkommensgottesdienst Sonntag, 2. Juni, um 17 Uhr in der Kirche in Rothenfluh

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