Historische Aufnahmen
Die Hassliebe der Baselbieter zu ihren Gewässern

Der Rothenfluher Biologe und Wissenschaftsjournalist Gregor Klaus blickt in einem neuen Buch auf den problematischen Umgang des Landkantons mit seinen Gewässern zurück. Ab 1800 wurde im Baselbiet ein gnadenloser Kampf gegen das Wasser geführt.

Bojan Stula
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Die Baselbieter Gewässer können aber auch Freizeitspass bringen: Hier vergüngen sich Laufnerinnen und Laufner beim Eislaufen auf der zugefrorenen Birs. die undatierte Aufnahme stammt vermutlich aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Quelle: Sammlung Schaltenbrand, Museum Laufental
Viele Baselbieter Gewässer wurden vor 100 Jahren im Boden versenkt: Hier dolen Bauarbeiter 1908 einen Bach in Therwil mit Zementröhren ein. Quelle: Tiefbauamt Baselland
Aber noch 1972 galt es als vorbildlich, Flüsse in korrigierte und begradigte Läufe zu zwängen. Die Einleitung der Birs ins neue Flussbett wurde von zahlreichen Zuschauern verfolgt. Quelle: Tiefbauamt Baselland
Und doch nutzte der Mensch die Gewässer vielfältig und vergass nie, dass sie überlebenswichtig sind. Pferdewaschtag in Laufen, vermutlich erste Hälfte des 20. Jahrhunderts. Quelle: Tiefbauamt Baselland

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Zur Verfügung gestellt

Ein Spaziergang von Rothenfluh nach Anwil hat dem einheimischen Biologen Gregor Klaus die Augen geöffnet: Obschon weit und breit kein Gewässer zu sehen war, rauschte und blubberte es auf Schritt und Tritt. Die Geräusche kamen aus Dolen am Wegesrand. Erst da wurde dem gebürtigen Deutschen bewusst, dass in den vergangenen Jahrhunderten der Mensch im Oberbaselbiet durch Eindolungen ganze Lebensräume im Boden versenkt hat.

Diese «Offenbarung» hat Klaus dazu bewogen, in der Reihe «bild.geschichten.bl» des Kantonsverlags das Buch «Gewässer im Baselbiet» zu verfassen. Das soeben veröffentlichte 118 Seiten starke Werk lebt zunächst einmal von den über 150 Bildern und Illustrationen – viele davon in Schwarz-Weiss aus den Anfangsjahren des vergangenen Jahrhunderts, die den Umgang der Baselbieter mit ihren Gewässern dokumentieren. Im Bild manifestiert sich deutlich die Hassliebe, die den Landkanton in den letzten 200 Jahren mit seinen Bächen, Flüssen, Teichen und Weihern verband. Natürlich war das Wasser damals wie heute überlebenswichtig und vielfältig genutzt. Ab 1800 wurde aber der Kampf gegen das Wasser zunehmend «gnadenlos geführt»; einerseits wegen des Hochwasserschutzes, anderseits wegen der Entwässerung von Feuchtgebieten zur landwirtschaftlichen Nutzung. Noch in den 1970er-Jahren gehörte es zum landschaftsplanerischen Ideal, Fliessgewässer in möglichst lineare und viel zu enge Läufe zu zwängen.

Die Bilder auf dieser Seite stehen stellvertretend für die im Buch beschriebene, problembehaftete Wechselbeziehung. Immerhin kommt Klaus zum hoffnungsvollen Schluss, dass seit den 1980er-Jahren ein Umdenken stattgefunden hat und immer mehr Gewässer durch Renaturierung und Ausdolung wieder in ursprüngliche Formen zurückverwandelt werden. Hochwasserschutz und Ökologie müssen kein Widerspruch sein, bilanziert der Autor. «Gewässer im Baselbiet» ist deshalb nicht nur eine wichtige historische Bestandesaufnahme, sondern ebenso sehr ein politisches Buch geworden – und aus beiden Gründen absolut lesenswert.

Gewässer im Baselbiet bild.geschichten.bl, Band 4. Von Gregor Klaus. Verlag des Kantons BL. 118 Seiten. 23 Franken.