Lokalposse
Die Denner-Parkplätze stören den Dorffrieden in Röschenz

Während Der Denner-Betreiber durch den neuen Nachbarn die Benutzung seiner Parkplätze durch Nichtkunden befürchtet, ist der Gemeindepräsident überzeugt, dass die Filiale von potenziellen Neukunden profitieren wird.

Dimitri Hofer
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Wie auf diesem Foto sieht es während der Feierabendzeit vor dem Denner in Röschenz selten aus. Häufig sind dann alle vier Parkplätze belegt.

Wie auf diesem Foto sieht es während der Feierabendzeit vor dem Denner in Röschenz selten aus. Häufig sind dann alle vier Parkplätze belegt.

Kenneth Nars

Vor wenigen Jahren gab es in Röschenz eine Metzgerei, eine Bäckerei, eine Poststelle und einen Denner-Satelliten. Letzterer existiert noch heute, während die anderen drei Geschäfte den Betrieb einstellten.

Seit der Schliessung der Post ist es möglich, im Denner auch Briefe aufzugeben und Pakete abzuholen. Zusätzlich zum Sortiment bietet das Lokal frisches Brot an, für das man sonst ins Nachbardorf müsste. Sieben Personen aus Röschenz finden hier einen Arbeitsplatz. Der verbliebene Discounter im Dorfkern ist bei den Einwohnerinnen und Einwohner sehr beliebt.

Die Bedeutung des Ladens für das 1800-Seelen-Dorf im Laufental ist riesengross – dies betonen sämtliche Beteiligten: der Betreiber des Denners, der Röschenzer Gemeindepräsident und die Firma Inspiranda AG. Und dennoch ist ein heftiger Streit um die Wertschätzung für den Dorfladen entbrannt. Grund dafür sind 20 – grösstenteils altersgerechte – Wohnungen sowie ein Kulturcafé, die hinter dem Denner entstehen. Es ist geplant, dass im kommenden Januar die Bagger auffahren.

Angst vor mehr Fremdparkierern

«Die Gemeinde Röschenz hat sich völlig auf die Seite der Inspiranda AG geschlagen», ärgert sich Franz Halbeisen, der den Denner gemeinsam mit seinem Bruder seit elf Jahren als Einzelfirma betreibt. Das Unternehmen mit Sitz in Basel steht hinter dem Bauprojekt. Zweimal sei ihm von Gemeindepräsident Remo Oser nahegelegt worden, zu überlegen, ob der momentane Standort wirklich ideal für sein Lokal sei. Dabei habe er gespürt, dass Oser nichts dagegen hätte, wenn sein Laden aus dem Dorfkern verschwinden würde. Der Discounter und das Land, auf dem dieser steht, seien jedoch sein Eigentum und er lasse sich nicht vertreiben.

Für Halbeisen ist auch klar, weshalb ihm der Gemeindepräsident nicht wohl gesinnt sei: «Ich habe das Image eines Querulanten, weil ich mich für meine Parkplätze einsetze.» Seine vier Parkplätze vor dem Denner würden schon jetzt immer wieder von Nichtkunden besetzt, und er nimmt an, dass dies mit dem Bauprojekt zunehmen wird. «Die Zufahrt zu den Wohnungen ist mit 2.60 Metern äusserst eng und mir schwant, dass die Autofahrer deshalb ihren Wagen einfach auf meinen Parkflächen abstellen.» Wenn seine wenigen Parkplätze von fremden Fahrzeugen belegt seien, schade das dem Geschäft. Halbeisen erhob gegen den Quartierplan und gegen das Verkehrsgutachten Einsprache – jeweils erfolglos. «Ich habe mich nie gegen die Wohnungen ausgesprochen, sondern lediglich gegen die gewerbliche Nutzung», präzisiert er.

Die Vorwürfe des Denner-Betreibers, die Gemeinde ziehe eine finanzkräftige Investorin dem beliebten Dorfladen vor, lässt der Röschenzer Gemeindepräsident nicht auf sich sitzen. «Wir setzen uns für den Denner und für das Bauprojekt ein», stellt Remo Oser klar. Beides habe in Röschenz Platz. Es liege ihm fern, den Discounter von seinem jetzigen Standort wegzudrängen. Man schätze den Laden und unterstütze ihn, wo man nur könne.

Er habe Halbeisen lediglich angeboten, Hand zu bieten, falls er am derzeitigen Standort nicht mehr zufrieden sein sollte. «Es war nie die Rede davon, dass der Denner hier weg soll», sagt der Gemeindepräsident. Der Dorfladen könne vom Bauprojekt sogar profitieren, ist er überzeugt. Durch die Wohnungen würden zahlreiche potenzielle Kundinnen und Kunden in die Nachbarschaft des Denner-Satelliten ziehen.

Anwohner stehen hinter Projekt

Ähnlich klingt es bei Beatrice Speiser, Geschäftsführerin der Inspiranda AG. Sie habe ein Interesse daran, dass der Denner am derzeitigen Standort bleibt. «Der Dorfladen ist für uns doch ein Trumpf», sagt sie. Die grösstenteils älteren Mieterinnen und Mieter der Wohnungen bräuchten Einkaufsmöglichkeiten. Ein Geschäft wie der Denner, der gleich um die Ecke Fleischwaren, Brot und Postdienstleistungen anbiete, sei ideal.

Das Bauprojekt sehe insgesamt 58 neue Parkplätze hinter dem Denner vor – einen Teil davon in einer Tiefgarage. «Das sind mehr als genug und ich kann mir nicht vorstellen, dass Mieter die Denner-Parkplätze beanspruchen werden.» Die anderen Anwohnerinnen und Anwohner würden hinter dem Projekt stehen, versichert die Geschäftsführerin der Inspiranda AG.

Rückendeckung erhält Franz Halbeisen derweil vom ehemaligen Gemeinderat Holger Wahl. Seit seinem Ausscheiden aus der Dorfexekutive kommentiert der Deutsche auf seinem Blog «mattegumper.ch» kritisch das Geschehen in der Laufentaler Gemeinde. «Es verwundert mich, dass sich unser Gemeindepräsident und wohl auch ein Teil des Gemeinderates so vehement für ein Basler Unternehmen einsetzen, anstatt sich mindestens neutral zu verhalten», schreibt er. Vor allem, wenn der betroffene Kleinbetrieb nicht nur von einer alteingesessenen Familie betrieben werde, sondern gewachsen, tief integriert und durch die Beschäftigung weiterer Einwohner auch sozial aktiv sei.

Heu nicht auf der gleichen Bühne

Derzeit ist nicht abzuschätzen, ob das Wohnprojekt und das Kulturcafé tatsächlich zur befürchteten Zunahme von Fremdparkierern führen werden. Klar ist momentan nur, dass der DennerBetreiber und der Röschenzer Gemeindepräsident in diesem Leben keine Freunde mehr werden: Er könne noch lange betonen, wie wichtig der Laden für das Dorf sei. Das seien bloss Lippenbekenntnisse, so Halbeisen über Oser. «Ich glaube ihm kein Wort.»

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