Bubendorf
Der politischste Stall im Baselbiet öffnet seine Türen

Kommenden Sonntag ist der «Tag der offenen Stalltüren». Als einziger im Baselbiet steht der Laufstall auf Wildenstein zur Besichtigung. Der politischste aller Baselbieter Ställer war eine Zangengeburt.

Andreas Hirsbrunner
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Bauer Dominic Sprunger hat den neuen Laufstall genutzt, um seinen Betrieb von Milchwirtschaft auf Mutterkuhhaltung umzustellen. Sollte Sohn Elias dereinst in die Fussstapfen seines Vaters treten, wäre er schon die fünfte Sprunger-Generation auf dem Gutshof Wildenstein.

Bauer Dominic Sprunger hat den neuen Laufstall genutzt, um seinen Betrieb von Milchwirtschaft auf Mutterkuhhaltung umzustellen. Sollte Sohn Elias dereinst in die Fussstapfen seines Vaters treten, wäre er schon die fünfte Sprunger-Generation auf dem Gutshof Wildenstein.

Kenneth Nars

Er ist zweifellos der politischste Stall im Baselbiet – der neue Laufstall auf Wildenstein ob Bubendorf. Denn jahrelang drückte sich der Kanton auf dem ihm gehörenden Gutshof neben Schloss Wildenstein um die Pflicht, den alten, dunklen Anbindestall durch einen tierschutzgerechten Unterstand zu ersetzen. Sozusagen in der Verlängerung – die neuen Tierschutzvorschriften waren bereits in Kraft getreten – schaffte der Kanton die Kurve nach etlichen parlamentarischen Vorstössen dann doch noch und der Hofpächter Dominic Sprunger konnte im letzten Oktober den neuen Stall in Betrieb nehmen.

Und dieser Stall steht nun an dem vom Bauernverband propagierten, nationalen «Tag der offenen Stalltüren» von kommendem Sonntag im regionalen Fokus: Sprunger lädt als Einziger im Baselbiet an diesem Tag zur Besichtigung.

Spagat in sensibler Region

Dabei kann das Publikum vor Ort beurteilen, ob die Basler Architekten Kury Stähelin, die den damaligen Architektur-Wettbewerb gewannen, mit ihrem nicht ganz alltäglichen Projekt aus Fichtenholz den Spagat zwischen Tierwohl, Denkmal- und Landschaftsschutz in dieser sensiblen Region geschafft haben. Sprunger, der am Sonntag zusammen mit Vertretern des Landwirtschaftlichen Zentrums Ebenrain für Auskünfte und Führungen zur Verfügung steht, nutzt den Anlass zu einem eigentlichen Hoffest inklusive Verpflegungsmöglichkeiten (10 bis 17 Uhr). Er rechnet je nach Wetter mit bis zu 600 Besuchern. Ein Shuttle-Bus bringt jene, die den Weg nicht zu Fuss bewältigen wollen, vom Tiba-Parkplatz in Bubendorf zum Fest und zurück.

Mit dem neuen Stall hat Sprunger auch seine Viehwirtschaft geändert: Er hat von der Milchwirtschaft auf die naturschonendere Mutterkuhhaltung umgestellt. Heute hält er knapp 100 Tiere der Rassen Angus und Schottisches Hochlandrind und verkauft das Fleisch unter dem Label Natura Beef – Wildenstein ist ein Bio-Betrieb – grossmehrheitlich an Coop. Sprunger sagt zur heutigen Situation auf dem Hof: «Ich bin froh über den neuen Stall. Er macht Freude, und die Arbeit ist einfacher geworden. Und dass ich nicht mehr melken muss, macht mich flexibler.» Die neuen Freiheiten will er nutzen: Soeben hat Sprunger mit seiner Frau einen Beerenkurs besucht und erwägt, Heidelbeer-Kulturen anzulegen.

Entspannt haben sich auf Wildenstein nach geschlagener Abstimmungsschlacht vor etwas mehr als einem Jahr auch die politischen Fronten. Bekanntlich wollten die schliesslich siegreichen «Freunde von Schloss Wildenstein» auf keinen Fall, dass der Kanton Schloss und Hofgut aufsplittet und verkauft. Bauer Sprunger dagegen machte sich stark dafür, dass die CMS das Hofgut Wildenstein vom Kanton übernimmt. Mittlerweile sagt Sprunger: «Das hat schon Spannungen gegeben. Jetzt kutschieren wir aber wieder gut miteinander.» Das zeigt sich übrigens auch am Sonntag: Parallel zum Hoffest ist für Besucher auch das Schloss Wildenstein geöffnet.

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