Breitenbach
Der Mittelspecht fühlt sich im Schwarzbubenland immer wohler

Die Naturschutzvereine der Region machen sich für Fördermassnahmen des Mittelspechts stark. Vorgängig hatten sie die Verbreitung in der Nordwestschweiz kartiert und erfreulich hohe Bestände festgestellt.

Jürg Jeanloz
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Auf Nahrungssuche: Mittelspecht in Erschwil.

Auf Nahrungssuche: Mittelspecht in Erschwil.

zvg/Josef Borer

Kommt er? Oder kommt er nicht? Das fragten sich 16 Forstmitarbeiter und Naturfreunde kürzlich eines schönen Nachmittags beim Schützenhaus in Breitenbach. Alle warteten gespannt darauf, dass der Mittelspecht seine Aufwartung macht.

Der Trick mit dem Handy

Revierförster Josef Borer vom Forstrevier Thierstein Mitte hatte zuvor im Wald den farbigen Gesellen gesichtet und die Herrschaften zu einem Kartierungstreffen eingeladen. «Der Mittelspecht braucht ein grosses Revier, ist ein heimlicher Vogel und singt nicht», begann Biologe Nicolas Martinez seine Ausführungen. Viel mehr mache er Lärm und quäke in den Kronen der hohen Eichen herum. Mit dem Handy und einem kleinen Lautsprecher versuchte Martinez, den Mittelspecht anzulocken. 30 Sekunden lang quäkte es fürchterlich aus dem Mikrofon, das der Biologe im Kreis herum drehte.

Dann wieder Totenstille, alle schauten gespannt im Wald herum. «Er macht gerade seinen Mittagsschlaf», frotzelte ein Förster. Martinez berichtete, dass der Mittelspecht dieses Quäken auf eine Distanz von 500 Meter hören könne. Der Biologe wiederholte das Spiel, aber der Geselle liess sich einfach nicht blicken. Normalerweise bringe ihn das Quäken in Rage und er fürchte, dass ein anderer Mittelspecht ihm das Revier streitig mache. «Vielleicht hat er einfach unser Spiel durchschaut, weil ihn Josef zu viel geneckt hat», meinte ein Beobachter abschliessend.

Josef Borer hat auf seiner Karte 59 Lockpunkte ausgeschieden und zwölf Mal mit diesem Vorgehen einen Mittelspecht anlocken können. «Ihr könnt den wunderschönen Vogel nicht übersehen», beschreibt er den Mittelspecht. Er hat ein blutrotes Köpfchen, schwarz-weisse Federn, und seine Brust hat weiss-rote Töne. Auffallend ist sein spitzer Schnabel, mit dem er in grobborkigen Bäumen Insekten hervorklauben kann.

1992 erste Erhebungen

Ist der Mittelspecht potenziell gefährdet? Darüber gehen die Meinungen auseinander. Das Baselbiet und das Schwarzbubenland sind ideale Standorte, die dem bunten Vogel behagen. Dieser bevorzugt lichte Wälder, Eichen oder andere grobborkigen Bäume. Seinen Nachwuchs zieht er in Baumhöhlen auf, auch in Totholz. 1992 waren in den Kantonen Baselland und Solothurn die ersten Erhebungen gemacht worden, letztes Jahr wurden sie mit der oben beschriebenen Methode wiederholt.

Die Revierförster hatten den Naturschutzvereinen ideale Standorte angegeben und insgesamt 415 Mittelspechtreviere ausgezählt. «Wir dürfen davon ausgehen, dass die Bestände zugenommen haben», zieht Biologe Nicolas Martinez sein Fazit. Nur sehen konnte man das an diesem Nachmittag in Breitenbach nicht.

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