«Eidgenössisches 2022»
Das Schwingfest entzweit die SVP

Die betroffenen Bauern wollen nichts von ihm wissen, Umweltschützer auch nicht, ebenso wenig die Baselbieter Grünen und die BDP Baselland. Dass sich aber auch Vertreter der Volkspartei kategorisch gegen ein «Eidgenössisches» wenden, dürfte für die Schwingergemeinde ein Novum sein.

Benjamin Wieland
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Aesch Nord sei zu klein für das Schwingfest, findet die örtliche SVP (Bild: «Eidgenössisches» 2016 in Estavayer).

Aesch Nord sei zu klein für das Schwingfest, findet die örtliche SVP (Bild: «Eidgenössisches» 2016 in Estavayer).

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«Aesch Nord ist ein wichtiges Naherholungs- und Landwirtschaftsgebiet», sagt Peter Lehner, Präsident der SVP Aesch-Pfeffingen. «Die Gegend ist für das Schwingfest nicht geeignet.» Der Vorstand der Ortssektion sei sich einig: Das Schwing- und Älplerfest 2022 gehöre nicht nach Aesch.

Anders denkt man bei der kantonalen Mutterpartei. Oskar Kämpfer, Präsident der Baselbieter SVP, sagt, die Kantonalpartei stehe – Stand jetzt – hinter dem Fest. «Das ist eine gute Sache, eine willkommene Gelegenheit für den Kanton, sich zu präsentieren. Wir sollten sie nutzen.» Man befinde sich noch ganz am Anfang der Planungen. Dass sich bereits jetzt Gegner in Stellung bringen würden, sei normal bei Projekten dieser Dimension. «Eine Machbarkeitsstudie ist in Arbeit, sie steht kurz vor dem Abschluss. Wenn das Organisationskomitee es nun schafft, die Kritiker miteinzubeziehen, dann werden wir alle Probleme lösen können. Davon bin ich überzeugt.» Aesch Nord sei ein guter Standort. «Auch die Meinung der Aescher Sektion», sagt Kämpfer, «lässt sich sicher noch korrigieren.»

Gemeindepräsidentin ist begeistert

Hört man Peter Lehner zu, besteht bei der Aescher SVP wenig Anlass für einen Stimmungsumschwung. Nicht nur der Platz, auch der Verkehr sei eine Knacknuss, sagt er. Also die Frage, wie all die Besucher ins Birstal kommen sollen und wo sie parkieren können. «Und dann fragen wir uns auch: Was nützt uns dieses Fest? Kommt deswegen irgendjemand zu uns in die Ferien? Oder hilft es Aesch sonst?»

Sogar durch den Aescher Gemeinderat verläuft ein Graben. Gemeindepräsidentin Marianne Hollinger (FDP) hat sich stets wohlwollend zu den Plänen geäussert – anders ihr Kollege Paul Svoboda von der SP: Er kritisierte das Vorhaben harsch, etwa in Leserbriefen. «Ich habe schon früh klar gemacht», sagt Svoboda zur bz, «dass für mich das Fest an diesem Ort nicht infrage kommt.» Die Fakten würden für sich sprechen. Der Platzverbrauch betrage 100 Fussballfelder, es würden über 200 000 Zuschauer erwartet an drei Tagen. «Und dies soll nicht zu Schäden führen?»

Svoboda engagiert sich auch für die Petition gegen das Fest. Diese hatten Natur- und Vogelschützer vor drei Wochen lanciert. Im Petitionstext wird die Baselbieter Regierung aufgefordert, sich für den Erhalt des Naherholungsgebiets einzusetzen.

Die SVP ist mit Andreas Spindler in der Aescher Exekutive vertreten. Solange der Gemeinderat keinen Beschluss gefasst habe, sagt Spindler auf Anfrage, würde er ein derart heikles Thema aber nicht kommentieren, «das ist für mich klar».

Fest war nicht immer so gross

Die Aescher SVP hat ebenfalls noch keine Beschlüsse zum Schwingfest gefasst, ebenso wenig die SVP Baselland. Die Aescher Sektion wird das Vorhaben an der Parteiversammlung am 14. November behandeln. Dann dürfte sich Vorstandsmitglied Ueli Siegenthaler zu Wort melden. Er ist Sprecher der betroffenen acht Landwirte. Diese erklärten bereits Mitte Oktober, ihr Land werde für ein «Eidgenössisches» in Aesch nicht zur Verfügung stehen.

Was alle Gegner eines Schwingfests in Aesch betonen: Sie hätten nichts gegen Schwinger und würden ein Schwingfest in der Nordwestschweiz begrüssen – aber an einem anderen Ort. Peter Lehner bringt eine oft genannte Alternative ins Spiel: «Das Fest gehört ins Gebiet St. Jakob. Dort muss man das Stadion nicht erst noch aus dem Boden stampfen.»

Bei dieser Variante wurde unter anderem kritisiert, dass der St. Jakob-Park zu klein sei. Ein Blick auf die jüngsten acht Ausgaben des «Eidgenössischen» zeigt jedoch: Die Stadien waren nicht immer so riesig. So begrüsste Nyon im Jahr 2001 «nur» 25'000 Zuschauer in der Hauptarena.

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