Münchenstein
Das Gymnasium Münchenstein, das nie richtig erwachsen werden wollte

Das Gymnasium Münchenstein wird 50. Der kämpferische Geist der Gründerjahre sei noch immer zu spüren, sagt der Konrektor Reinhard Straumann. Heute um 16.30 Uhr beginnt die Feier des Jubiläumsjahres.

Benjamin Wieland
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Konrektor einer initiativen Schule: Reinhard Straumann posiert im Aufenthaltsraum.Nicole Nars-Zimmer

Konrektor einer initiativen Schule: Reinhard Straumann posiert im Aufenthaltsraum.Nicole Nars-Zimmer

Das Gymnasium Münchenstein könnte man als den Alt-68er unter den fünf Baselbieter Gymnasien bezeichnen. Es ist rebellisch, libertär und vor allem: links.

In diesem Jahr feiert das Gymnasium seinen 50. Geburtstag. Bei vielen Alt-68ern war spätestens mit dem Erreichen dieses Alters eine Zäsur fällig: Die langen Haare fielen, der Anzug verdrängte das Batik-Shirt, das Reihen-Einfamilienhaus die Kommune. Oder anders gesagt: Die Rebellen wurden normal. Und etwas langweilig.

Beim 1964 gegründeten Gymnasium Münchenstein sei das anders. Das behauptet Konrektor Reinhard Straumann. Beim zweitältesten Gymnasium im Kanton Baselland sei immer noch etwas vom rebellischen, libertären Geist aus den Anfangsjahren zu spüren, sagt er. «Oder zumindest hoffe ich das.» Ob die Schule je besonders links gewesen ist, daran zweifelt Straumann. Das spiele aber keine grosse Rolle. «Ist ein Klischee erst einmal in den Köpfen, wirkt es von alleine weiter.» Das sei ihm zuletzt bei den Vorbereitungen für die Festschrift klar geworden.

Bo Katzman und Anita Fetz

Für die Festschrift interviewte eine Klasse 50 Absolventen und Lehrer – eine Person pro Jahr. Unter ihnen die heutige Basler Ständerätin Anita Fetz, der ehemalige Chefökonom des Bundes, Aymo Brunetti, oder Sänger Bo Katzman. Fast alle bezogen sich in den Gesprächen auf die angeblich linke Tradition ihrer ehemaligen Schule: Die einen stellten sie in Abrede – die anderen bestätigten sie. «Die Schule wird das Prädikat links wohl nicht mehr los», vermutet Straumann. «Dabei würde initiativ viel besser passen als links.»

Initiativ – das war das Gymnasium zweifellos. So protestierten Schüler und Lehrer gegen das geplante Atomkraftwerk Kaiseraugst. 1996 bodigte die Lehrerschaft die Pläne des Landrats, die Gymnasialzeit von dreieinhalb auf drei Jahre zu verkürzen. Die grösste Kiste war jedoch die «Münchensteiner Initiative». Mitte der 1970er-Jahre lancierten Lehrer und Schüler und sogar der damalige Rektor Hans Hafen ein nationales Volksbegehren für die Einführung des Zivildienstes. Zwar ging die Abstimmung im Jahr 1977 klar verloren – dafür war die Schule in der ganzen Schweiz ein Begriff.

Als initiativ bezeichnet auch die Polit-Nachwuchshoffnung Adil Koller (20) seine frühere Bildungsstätte. Der Jungsozialist, der im vergangenen Dezember die Matur absolvierte, war Ende 2012 Mit-Initiant einer medienwirksamen Petition. Zusammen mit Mitstreitern organisierte er eine Aktion für die Renovation des schlecht gealterten Haupttrakts aus dem Jahr 1972. Wenige Wochen später gab die Regierung klein bei – sie zog die geplante Sanierung des Gebäudes vor.

Engagement als Bildungsziel

«Wir Schüler wurden dazu ermutigt, aktiv zu sein, uns zu engagieren. Das gehört zur Kultur der Schule», sagt Koller zu seiner Gymnasialzeit. Auch Straumann ist die Protestaktion in lebhafter Erinnerung. Darauf angesprochen, fällt ihm eine Anekdote ein. Ende der 1990er-Jahre habe er einmal während einer Sitzung mit dem damaligen Regierungsrat Peter Schmid im Scherz gesagt, es wäre vermessen, die kantonale Bildungspolitik von einem Gymnasium aus steuern zu wollen. «Das stimmt», habe Schmid darauf geantwortet. «Beim Gymnasium Münchenstein», fügte er an, «wäre ich mir aber nicht so sicher!»

Heute um 16.30 Uhr fällt der Startschuss zum Jubiläumsjahr in der Eingangshalle des Gymnasiums Münchenstein an der Baselstrasse 33.

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