Corona-Mutation
Schon wieder Fernunterricht: Weshalb Baselbieter Schulen öfter schliessen

Erst waren es Oberwil und Duggingen, nun musste auch die Primarschule Niederdorf in Quarantäne – in Basel-Stadt sind derweil alle Schulen offen.

Kelly Spielmann
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In der Mehrzweckhalle in Niederdorf wurden gestern Montag alle Schülerinnen und Schüler sowie Lehrpersonen getestet.

In der Mehrzweckhalle in Niederdorf wurden gestern Montag alle Schülerinnen und Schüler sowie Lehrpersonen getestet.

Bild: Nicole Nars-Zimmer (1. Februar 2021)

Und wieder traf es eine Schule: Nach Oberwil und Duggingen ist es dieses Mal die Primarschule in Niederdorf, die von der ersten bis zur sechsten Klasse alle Schülerinnen und Schüler bis zum 8. Februar in Quarantäne schickt. Grund ist – wie bereits vergangene Woche in Oberwil – eine mutierte Coronavariante. Der Kindergarten war bereits einige Tage zuvor bis zum 5. Februar in Quarantäne geschickt worden, dies aufgrund mehrerer Covid-19-Ansteckungen. Gestern Montag wurden am Nachmittag alle Kinder und Lehrpersonen in der Mehrzweckhalle auf Corona getestet. Die Resultate erwarte man bis heute Abend.

Lehrpersonen dürfen noch raus

Was im Dorf für Unmut sorgt: Während die Lehrpersonen zwar zum Test antraben müssen, wurden sie nicht in Quarantäne geschickt – eine Antwort auf die Frage, weshalb das so ist, hat der Krisenstab für heute Dienstag in Aussicht gestellt. Die Quarantäne gilt nur für die 135 Schülerinnen und Schüler sowie teilweise für Eltern: Bei jüngeren Kindern muss jeweils ein Elternteil in Quarantäne, um sich um die Kinder zu kümmern.

Eine von ihnen ist Helene Koch: Sie hat Kinder in der fünften und sechsten Klasse, seit dem Wochenende gilt auch für ihre Familie die Quarantäne-Regelung. «Wir haben uns entschieden, dass ich als Hausfrau mit den Kindern zu Hause bleibe», erzählt sie. Ihr Mann und einer der Söhne leben derzeit in einem anderen Teil des Hauses, dank getrennter Badzimmer und Räumen sei das möglich.

Die Situation sei ungewohnt und schwierig, berichtet Koch – für sie als Krankenschwester seien viele Dinge zwar normal, ihre Familienmitglieder müsse sie jedoch immer wieder an gewisse Regeln erinnern. Doch bei den Kochs können immerhin noch der Vater und der Sohn das Haus verlassen.

«Alleinerziehende haben es jetzt wirklich schwierig»,

so Helene Koch. Sie wisse beispielsweise von einer Bekannten, die wie alle anderen Eltern am Samstag Bescheid erhalten hat und sofort in Quarantäne musste. «Wäre es keine Quarantäne, sondern einfach ein vorübergehender Fernunterricht, hätte ich ihre Kinder zu mir nehmen können und sie hätte weiterhin zur Arbeit gehen können. So ist das aber nicht möglich.»

Was die Testergebnisse betrifft, ist Koch gespannt, ob die Maskenpflicht in der fünften und sechsten Klasse geholfen habe. «Wenn nicht, gibt es schon einige Fragen, die ich gerne geklärt hätte.»

Baselland ist strenger als Basel-Stadt

Tatsächlich handelt der Kanton Baselland im Vergleich zum Stadtkanton strenger, was die Quarantäne-Regelungen angeht. «In der Regel findet, unter Abwägung der geltenden Schutzmassnahmen, die Regelung Anwendung, dass die betroffene Klasse ab einer bestimmten Anzahl Fälle in einer Klasse in Quarantäne muss», erklärt Roman Häring, Sprecher des Baselbieter Krisenstabs. Bei einer gewissen Anzahl an Infektionen, allenfalls auch mit Virusvariante, sowie Durchmischung der Infektionen über mehrere Klassen werde aber auch die Quarantäne-Verordnung für ein ganzes Schulhaus in Betracht gezogen.

So kommt es, dass im Baselbiet derzeit drei Primarschulen – Oberwil, Duggingen und Niederdorf – komplett auf Fernunterricht umgestellt haben, weil sich alle Schülerinnen und Schüler in Quarantäne befinden. In Basel-Stadt ist derweil keine Schule geschlossen oder im Fernunterricht, wie Anne Tschudin, Mediensprecherin des Gesundheitsdepartements, auf Anfrage sagt.

Denn: «Eine ganze Schule müsste nur in Quarantäne, wenn die Situation ganz ausser Kontrolle geraten wäre oder das Contact-Tracing aus Ressourcengründen nicht mehr differenziert vorgehen und entscheiden könnte.» Zurzeit sind deshalb im Stadtkanton nur einzelne Klassen betroffen: Bei einer Erkrankung einer Person an einer der Coronavirus-Mutationen gebe es in Klassen, in denen keine Maske getragen wird, schon ab dem ersten Fall eine erweiterte Klassenquarantäne – neben den Schülerinnen und Schülern müssten also alle, die im selben Haushalt wohnen, ebenfalls in Quarantäne.