Nationalratswahlen
Christoph Hänggi profitiert bei der SP von Daniel Müngers Verzicht

Fliegender Wechsel bei der Baselbieter SP: Da Daniel Münger aus beruflichen Gründen auf eine Kandidatur für den Nationalrat verzichtet, kommt Christoph Hänggi zum Handkuss. Bei der parteiinternen Nominierung war er noch überzählig ausgeschieden.

Michael Nittnaus
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Darf sich freuen: SP-Landrat Christoph Hänggi kandidiert nun doch für den Nationalrat.

Darf sich freuen: SP-Landrat Christoph Hänggi kandidiert nun doch für den Nationalrat.

Michael Nittnaus

Mitte April musste SP-Landrat Christoph Hänggi einen herben Dämpfer hinnehmen. Der 54-jährige Therwiler hatte sich parteiintern für einen Platz auf der Nationalratsliste der Baselbieter SP beworben. Da neben Hänggi und den Bisherigen Eric Nussbaumer und Susanne Leutenegger Oberholzer aber noch fünf weitere Sozialdemokraten auf die Siebenerliste wollten, musste an der Delegiertenversammlung einer über die Klippe springen. Am Ende traf es - wenn auch nur knapp - Hänggi (die bz berichtete). Dabei hatte er die Partei zusammen mit Regula Nebiker erst gerade als Präsident ad interim durch die schwierige Zeit nach dem Rücktritt von Pia Fankhauser geführt und den Stabwechsel zum neuen Co-Präsidium von Adil Koller und Regula Meschberger mitorganisiert.

Nun keine Sommerpause für Hänggi

«Für mich war das Thema Nationalrat eigentlich schon abgeschlossen», sagt er denn auch heute Dienstag auf Anfrage. Bei der Nominationsversammlung hätte sich abgezeichnet, dass die Delegierten eher jungen Kräften den Vorzug geben wollten. «Damit bin ich grundsätzlich auch einverstanden. Wir brauchen in der Baselbieter SP einen Generationenwechsel.» Dennoch spricht Hänggi von einem «Zufallsresultat», das auch zu seinen Gunsten hätten ausfallen können. Nach der Niederlage haderte Hänggi nicht lange und plante eine ausgedehnte Sommerpause. Daraus wird nun nichts. Er übernimmt den Listenplatz von Daniel Münger, der sich beruflich einer neuen Herausforderung stellt. Dies vermeldet die Partei.

Juso mit eigener Liste

Während die SP Baselland bereits Mitte April ihre Nationalratskandidaten nominierte (Eric Nussbaumer, Susanne Leutenegger Oberholzer, Samira Marti, Miriam Locher, Kathrin Schweizer, Christoph Hänggi (neu) und Martin Rüegg), zogen die Baselbieter Juso nun nach. Ihre Siebenerliste umfasst: Anna Toebak (Liestal, 19), Daniel Gmür (Oberwil, 20), Desirée Jaun (Birsfelden, 27), Nicolas Chapuis (Allschwil, 30), Julia Baumgartner (Füllinsdorf, 20), Patrick Feld (Zwingen, 21) und Mira Gemperle (Münchenstein, 19). Die Juso möchten mit einem «engagierten Wahlkampf» ihrem Ruf als stärkste Jungpartei gerecht werden, teilen sie heute Dienstag mit.

Münger tritt von politischer Bühne ab

Auch beim früheren Landrat Münger muss der Verzicht, am 18. Oktober zu kandidieren, als kleine persönliche Niederlage gedeutet werden. «Zwei politische Ämter haben mich in meinem Leben immer extrem gereizt: Regierungsrat und Nationalrat», sagt er offen. Beim Versuch, diesen Februar in die Baselbieter Exekutive gewählt zu werden, scheiterte er deutlich. Und auch die vier Jahre seit 2011 als Erstnachrückender von Eric Nussbaumer verstrichen ungenutzt. Ist dies nun also das offizielle Ende der politischen Karriere Müngers? «Sag niemals nie», versucht dieser zwar, abzuwiegeln. Doch er schiebt auch nach, dass «ich sicher in den nächsten zwei bis drei Jahren kein Comeback mehr geben werde».

Aufstieg bei Gewerkschaft erleichtert politischen Abgang

Gleichwohl trauert Münger der grossen Politbühne nicht gross nach. Dafür sind seine beruflichen Perspektiven derzeit zu gut. Der Zentralsekretär des Sektors Logistik der Gewerkschaft für Medien und Kommunikation, Syndicom, übernimmt ad interim die Leitung des Sektors - und wird diese aller Voraussicht nach im November definitiv übernehmen. «Das ist eine Herausforderung, der ich mich gerne stelle.» Die Chance ergab sich, da der bisherige Leiter Fritz Gurtner sich zum vorzeitigen Altersrücktritt entschied. Dies habe er bei der SP-Nominationsversammlung Mitte April noch nicht gewusst, sagt Münger.

Hänggi ab Sommer wohl Präsident der Bildungskommission

Seit dieser interne Aufstieg aber feststand, war für den 53-jährigen Münchensteiner klar, dass das Amt des Nationalrats zeitlich nicht zu bewältigen gewesen wäre. «Ich hätte keinen ordentlichen Wahlkampf bestreiten können. Das wäre auch gegenüber Christoph Hänggi nicht fair gewesen.» Sollte dieser im Herbst scheitern, wird er kaum lange trauern. Die SP-Fraktion schlägt Hänggi für die neue Landratslegislatur als Präsidenten der Bildungs-, Kultur- und Sportkommission (BKSK) vor. Dieses Präsidium hatte bisher die SVP inne, die nun aber der Geschäftsprüfungs- und der Finanzkommission den Vorzug gab (die bz berichtete). «Das Kommissionspräsidium reizt mich sehr», sagt Hänggi. Als Präsident könne man sich mehr einbringen als als normales Mitglied. Er sieht aber davon ab, bereits einen Oppositionskurs gegen die neue Bildungsdirektorin Monica Gschwind (FDP) anzukündigen. «Erst muss man abwarten, wie sie sich innerhalb der Direktion positioniert.»