Café Bistro Cheesmeyer
Zertifikatspflicht missachtet: Baselbieter Polizei schliesst Beiz in Sissach

Der Kanton Baselland greift durch: In Sissach muss ein Gastronomiebetrieb schliessen, der wiederholt gegen die Corona-Auflagen verstossen hat. Beim Lokal handelt es sich um das Café Bistro Cheesmeyer. Dieses hat sich in den letzten Wochen als Geheimtipp unter Massnahmenskeptikern etabliert.

Hans-Martin Jermann 1 Kommentar
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«Unkorrekt den anderen Wirtinnen und Wirten gegenüber»: das Café Bistro Cheesmeyer in der Sissacher Begegnungszone.

«Unkorrekt den anderen Wirtinnen und Wirten gegenüber»: das Café Bistro Cheesmeyer in der Sissacher Begegnungszone.

Benjamin Wieland

Der Kanton Baselland greift durch: Wegen Missachtung der Covid-Zertifikatspflicht und fehlenden Schutzkonzepts hat das kantonale Amt für Industrie, Gewerbe und Arbeit (Kiga), unterstützt von der Polizei, am Freitag einen Gastronomiebetrieb in Sissach vorübergehend geschlossen. «In diesem Betrieb haben in den vergangenen Wochen mehrere Kontrollen stattgefunden», sagt Rolf Wirz, Sprecher der Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion (VGD).

«Die Wirtin ist mehrmals verzeigt worden, auch wurden wiederholt Gäste gebüsst. Doch es hat sich nichts geändert.» Im Landkanton ist das die erste behördlich verfügte Schliessung einer Beiz wegen Verstössen gegen die Corona-Auflagen.

Kanton: «Wir haben keine Betonblöcke aufgestellt»

Die Beiz darf nun erst wieder öffnen, wenn ein Schutzkonzept vorliegt, das vollständig umgesetzt wird. «Wir haben keine Betonblöcke aufgestellt oder gar die Eingangstüre versiegelt», betont Wirz in Anlehnung an den Fall «Walliserkanne» in Zermatt. In den kommenden Tagen werde man nun verstärkt kontrollieren, ob in der fehlbaren Beiz weiterhin Gäste bewirtet werden. Setzt die Patentinhaberin die gesetzlichen Vorgaben um, so könne die Verfügung in einigen Tagen wieder aufgehoben und die Beiz wiedereröffnet werden, so Wirz.

Beim renitenten Betrieb handelt es sich um das Café Bistro Cheesmeyer in der Sissacher Begegnungszone. Wirtin Susanne Schaffner hat in den letzten Wochen Gäste ohne Zertifikatspflicht willkommen geheissen, wie auch diese Zeitung geschrieben hat. Kurz nach Einführung der schweizweiten Zertifikatspflicht am 13. September stand auf einem Aushang des Bistros: Alle Menschen seien willkommen, «egal, ob (un)geimpft, (nicht) getestet, genesen, gesund, mit oder ohne Zertifikat».

Die bz hat sich nach der behördlichen Verfügung am Freitagmittag vor Ort ein Bild gemacht. Beim Eingang des Café-Bistros fehlt ein Hinweis auf eine allfällige Schliessung des Lokals, ebenfalls sitzen im Innern einige Personen. Ob es sich dabei um Gäste oder Mitarbeitende handelt, ist unklar. Als der bz-Redaktor das Café-Bistro betreten möchte, wird er von einer Mitarbeitenden abgewiesen. Das Lokal sei geschlossen, weitere Auskünfte gebe man nicht. Längerfristig wird sich das Problem aber ohnehin lösen: Die renitente Wirtin hat den Pachtvertrag per Ende März 2022 gekündigt.

Ständerätin Maya Graf: «Behörden haben zu lange gewartet»

Die in Sissach wohnhafte Baselbieter Ständerätin Maya Graf (Grüne) war in der Vergangenheit oft zu Gast im Café Bistro Cheesmeyer, jüngst allerdings nicht mehr: «Für mich ist das unverständlich und unverantwortlich. Das Lokal hat sich aus Prinzip nicht an die Vorgaben gehalten. Die Behörden haben zu lange zugewartet.» Das Verhalten des Lokals sei auch den vielen anderen Wirtinnen und Wirten gegenüber unsolidarisch, welche sich korrekt verhalten und Kosten zur Umsetzung der Coronavorgaben haben.

Die VGD betont in der Mitteilung, dass ein Grossteil der Wirte die Zertifikatspflicht umsetzt. Diese gilt in Innenbereichen von Gastrobetrieben schweizweit seit dem 13. September. VGD-Sprecher Wirz betont zudem, dass im Baselbiet «mit Augenmass» kontrolliert werde: «Wir wollen sicher nicht die Wirte schikanieren, wir wollen und müssen aber in dieser schwierigen Situation Verantwortung übernehmen.» Die Kontrollen würden nach dem Stichprobensystem durchgeführt, zudem gehe man Hinweisen aus der Bevölkerung nach.

1 Kommentar
Angelo Rizzi

Ohne Partei für Frau Schaffner ergreifen zu wollen könnte ich mir gut vorstellen, dass die beliebte Wirtin, die das Bistro seit 2007 führt, einfach überfordert war, plötzlich eine Triage unter ihren Stammgästen vornehmen zu müssen. Das ist wohl in einer 0815-Beiz mit Laufkundschaft einfacher. Hat Stammgästin Maya Graf mit ihr das Gespräch gesucht? Das Beispiel zeigt, wie viele in dieser Corona-Zeit nicht nur überfordert sind sondern auch im Stich gelassen werden.  

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