Tradition
Binninger Banntag «nicht ohne Frauen» – ein schöner Kontrast zum Männeranlass in Liestal

Der starke Regen hat aber viele Lokalpolitiker vom Umzug abgehalten.

Daniel Aenishänslin
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Banntag in Binningen
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Banntag Binningen 2018
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Banntag in Binningen

Juri Junkov

Tapfer schritt er voran. Wie bereits am Vormittag führte Jürg Humbel die Banntagsrotte mit der Fahne der Binninger Bürgergemeinde an. Tapfer darum, weil es so nass war, dass der Binninger Banntag «so wenige Teilnehmende wie schon lange nicht mehr» anzog. Zumindest beurteilte Gemeinderat Christoph Anliker die Lage so. Sein Wort hat Gewicht, denn er ist regelmässig am Binninger Banntag anzutreffen. «Ich bin hier aufgewachsen, ich kenne nichts anderes», erklärte er, «ein schönes Brauchtum, das für mich zur Tradition gehört.» Darum war er im Rebberg Teil der Service-Equipe.

Eine Route auch für Ältere

Jürg Humbel, auch bekannt als «Gefreiter Brotsack», führte die zweite Rotte aus dem Ortszentrum über die Haupt- und Benkenstrasse hinauf zum Paradieshof. Tatsächlich ein Ort, der diesen Namen verdient. In einer malerischen Landschaft oberhalb Binningens steht dieser nicht minder malerische Bio-Bauernhof. Das ist die kurze Strecke. Humbel führte am Morgen noch die erste Rotte in den Rebberg zum Apéro-Halt. «Dann stieg ich hinunter, stärkte mich zu Hause mit einer Portion Spaghetti von meiner Frau und trat wieder an.»

Die zweite Rotte eignet sich bestens für ältere Jahrgänge, für die ganz Jungen und genauso für die Faulen, die sich das Banntagsfeeling aber nicht entgehen lassen wollen. Jürg Humbel startete mit Bürgerratspräsidentin Isabelle Achermann an seiner Seite, mit acht Tambouren dahinter und 14 Banntäglerinnen und Banntäglern im Schlepptau. Bis zur Wurst kamen nochmals etwa 30 hinzu. Diese Wurst übrigens, sie ist von guter Qualität und wird von der Bürgergemeinde spendiert. Wer sie jedoch gebraten essen möchte, der hat sie gefälligst selbst zu bräteln. Zu diesem Zweck stand eingangs des Hofs eigens eine Feuerschale.

Forderung nach Unesco-Kulturerbe

Die Metallharmonie Binningen spielt auf, die Alphorngruppe Enzian sorgt für urchige Stimmung und die Vorstadt-Glunggi mit der Bürgergemeinde sorgen für das leibliche Wohl. Der Verein Robi Daronga kümmert sich gemeinsam mit der Pfadi St. Benno um die Unterhaltung der Kinder. «Ein gemütliches Treffen», nennt es Christoph Anliker, der einzige anwesende Gemeinderat. Immerhin sei Gemeindepräsident Mike Keller am Morgen noch gesehen worden. Ansonsten glänzt Binningens Classe politique aber vor allem mit Abwesenheit.

Noch am Montag nahm Jürg Humbel als Pfeifer am Liestaler Banntag teil. Binningen und Liestal? «Das sind zwei ganz unterschiedliche Banntage», kommentierte er, der am Montag lautstark gefordert hatte, dass der Liestaler Banntag genauso wie die Basler Fasnacht zum Unesco-Kulturerbe ernannt werde. «Zum Beispiel ist der Binninger Banntag nicht ohne Frauen», zeigt Humbel mit einem Augenzwinkern Unterschiede auf, «aber wer kommt, weiss das.» In Liestal sei der Banntag gerade innerhalb der vier Rotten eine ziemlich geschlossene Gesellschaft. Wer nicht Bürger sei, könne nur auf Einladung teilnehmen, dafür begegne man sich absolut auf Augenhöhe. Ob Finanzdirektor oder Gipser, egal.

Den Binninger Banntag nannte Gemeinderat Anliker «familiär». Humbel ergänzte: «Ich freue mich das ganze Jahr darauf, alle diese Leute wieder zu sehen – für einen Binninger Bürger ist die Teilnahme am Banntag eigentlich ein Muss.»

Sticheleien gehören dazu

Noch ein bisschen wurde gestichelt. Da wurde von der Bürgerratspräsidentin erzählt, die den Herren im Gremium zeige, wo’s langgeht, ohne dass diese es merkten, und über jene gelästert, die schon Binninger gewesen sein sollen, noch ehe sie zur Welt kamen. Und nächstes Jahr wird er sie dann wieder tragen, die Fahne der Bürgergemeinde. Gefreiter Brotsack wird die Rotten einmal mehr ins Paradies führen.

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