Feldreben
Bevölkerung ist misstrauisch gegenüber dem Sanierungsprojekt Feldreben

Das Sanierungsprojekt Feldreben kommt bei den Muttenzern nicht gut weg. Regierungsrat Thomas Weber (SVP) und Projektleiter Bernhard Matter mussten an einer Podiumsveranstaltung vom Mittwoch etliche kritische Fragen beantworten.

Michel Ecklin
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Tief sitzendes Problem: Von den total 500000 Kubikmetern des Deponieinhalts (rosa Fläche) sollen rund 115000 m3 des am stärksten belasteten Materials ausgehoben werden. Die grösste Schadstoffbelastung befindet sich aber inzwischen im Grundwasser der Felsschicht.

Tief sitzendes Problem: Von den total 500000 Kubikmetern des Deponieinhalts (rosa Fläche) sollen rund 115000 m3 des am stärksten belasteten Materials ausgehoben werden. Die grösste Schadstoffbelastung befindet sich aber inzwischen im Grundwasser der Felsschicht.

Visualisierung/zvg

Man kann sich fragen, warum die Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion ausgerechnet jetzt einen Info-Anlass über die anstehende Feldreben-Sanierung organisierte. Denn ein politischer Entscheid steht nicht an, das Projekt durchläuft derzeit ein Genehmigungsverfahren beim kantonalen Amt für Umwelt und Energie (AUE). Und vor allem ist das vom Runden Tisch Feldreben ausgearbeitete Projekt noch unscharf. Erst die im ersten Quartal 2014 zu erwartende Sanierungsverfügung des AUE wird mehr Klarheit schaffen, etwa über die definitiven Sanierungsziele. Das liess bei den rund 200 Besuchern in Muttenz viel Raum für Ängste, kritische Fragen und Vorwürfe.

So wurde an der von bz-Redaktionsleiter Bojan Stula geleiteten Info-Veranstaltung in Muttenz mehrmals bemängelt, dass bei der Sanierungsplanung nur neun von über 4000 nachweisbaren Schadstoffen berücksichtigt wurden. «Wir werden das herausgepumpte Wasser permanent untersuchen, auch auf andere Stoffe», versicherte Projektleiter Bernhard Matter. Deutlich wurde aber auch: Es bestehen noch Unklarheiten, was mit dem herausgepumpten Grundwasser geschehen soll.

Harte Verhandlungen

Für «unverhältnismässig» hielt Matter die Forderung, die ganze Deponie auszuheben anstatt nur die stark belasteten Stellen. «Es handelt sich hier nicht um eine Sondermülldeponie», sagte Matter mehrmals. «Jeder einzelne dort abgelagerte Müllsack ist potenziell Sondermüll», meinte hingegen ein Bürger mit Hinweis auf die Entsorgungspraktiken vor und nach dem Krieg.

Ex-Novartis-Schweiz-Chef Armin Zust war der Meinung, alles laufe gesetzeskonform. «Viele Verursacher warfen ihren Dreck in die Feldreben. Der Kanton ist verpflichtet, das zu übernehmen, was eine unbekannte Quelle hat.» Dem erwiderte ein Steuerzahler, die ein bis zwei Prozent Cheemieabfälle seien jetzt das Problem, nicht der Rest. Seine Forderung: «Die Chemie soll den Löwenanteil der Kosten übernehmen, nicht der Kanton.» Regierungsrat Thomas Weber (SVP), der den Runden Tisch leitet, sprach von laufenden «harten Verhandlungen» mit der Industrie, die «wesentlich mehr» als der Kanton übernehme. Zahlen nannte er keine.

Auch noch ausgehandelt werden muss, was passiert, wenn die vorgesehenen 165 Millionen Franken überschritten werden. Weber erwähnte eine Marge von plus/minus dreissig Prozent, worauf eine Bürgerin von einem «Projektli» sprach. «Was uns hier als nachhaltig, ökologisch und grosszügig verkauft wird, ist ein Trauerspiel. Die Chemie ist gar nicht daran interessiert, Vertrauen zu schaffen.»

Dafür erntete sie Applaus. Weber und Matter hingegen mussten fast zwei Stunden lang Kritik einstecken. Ihre andauernden Beteuerungen zum noch nicht ausgearbeiteten Projekt schienen zu verhallen.

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