Basler Strafgericht
Weil er einer 90-Jährigen Schmuck im Wert von 83'000 Franken abnahm: Falscher Polizist verurteilt

Ein Mann aus Baden gab sich gegenüber einer betagten Baslerin als falscher Polizist aus und überredete sie, ihren Schmuck abzugeben. Jetzt stand der 24-Jährige vor Gericht.

Patrick Rudin
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Ein Komplize des Täters holte den Schmuck beim Opfer ab. Später wurde die 90-Jährige Frau misstrauisch (Symbolbild).

Ein Komplize des Täters holte den Schmuck beim Opfer ab. Später wurde die 90-Jährige Frau misstrauisch (Symbolbild).


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Es war ein seltsamer Anruf, den eine 90-jährige Frau im Basler St.-Johann-Quartier im Februar 2019 zur Mittagszeit entgegennahm: Ein Herr Angelmeyer von der Kantonspolizei Basel-Landschaft warnte die Frau vor einer grossen Gefahr in ihrem Quartier, es seien auch Schusswaffen im Spiel. Das Fazit des Gesprächs: Die Frau solle aus Sicherheitsgründen sofort ihren gesamten Schmuck zusammenraffen und in eine Tasche stecken. Ein Mitarbeiter der Polizei würde die Sachen abholen.

Keine zwei Stunden später klingelte tatsächlich ein freundlicher Mann, nahm den Schmuck entgegen und verabschiedete sich. Irgendwann dämmerte es der Frau, dass an der Sache etwas faul war. Laut ihren Angaben hatte der verschwundene Schmuck einen Wert von rund 83'000 Franken.

Am Freitag musste sich wegen der Geschichte ein 24-jähriger Mann aus Baden vor dem Basler Strafgericht verantworten. Zu den Vorwürfen wollte er nichts sagen. Als die Gerichtspräsidentin fragte, ob er sich zu den Strassenverkehrsdelikten äussern wolle, schwieg der Mann ebenfalls. Die Behörden hatten ihm den Lernfahrausweis entzogen und später gar annulliert. Dennoch sandte er den Ausweis nicht zurück, bis die Polizei bei ihm auftauchte und den Ausweis sicherstellte.

Die Daten auf dem Iphone wurden ihm zum Verhängnis

Der Verteidiger meinte dazu, der Mann habe wegen Schichtarbeit keine Gelegenheit gehabt, den Ausweis abzugeben. Das Gericht nahm ihm das nicht ab und sprach deshalb am Freitag auch eine bedingte Geldstrafe aus. Doch zur Zeit des Betruges in Basel war der Mann arbeitslos und verschuldet, offenbar führte eine Meldung eines ausländischen Providers auf seine Fährte. Im Oktober 2019 wurde er verhaftet und sass vier Wochen lang in Untersuchungshaft.

Die Randdaten seines Mobiltelefons zeigten offenbar diverse Kontakte zu den Hintermännern des Betruges. Auch bewegte er sich zur passenden Zeit im Februar 2019 nach Basel. Staatsanwältin Laura Kyd betonte am Freitag vor Gericht, der Mann habe in einer Einvernahme selber bestätigt, dass das Mobiltelefon ihm gehöre und sonst von niemandem benützt werde.

Schlechte Augen: Opfer erkannte ihn nicht wieder

Verteidiger Johannes Mosimann hingegen sagte, man habe hier unzulässig Beweise gesammelt, die Liste eines ausländischen Providers hätte niemals zu einem Anfangsverdacht und Ermittlungen führen dürfen. Die Beweise seien deshalb nicht verwertbar, sein Mandant sei freizusprechen. «Die Masche ist unschön, aber mein Mandant hat damit nichts zu tun gehabt», betonte er. Auch habe ihn die 90-Jährige später bei einer Konfrontation nicht erkannt.

Das Dreiergericht sah das anders und fällte einen Schuldspruch wegen Betruges. Tatsächlich habe die ältere Frau ein Augenleiden und konnte den Mann nicht mehr identifizieren. Die Beweise reichten aber dennoch für eine Verurteilung. Auch sei das Verschulden des Mannes erheblich. Offenbar versuchte man auch noch, die 90-Jährige dazu zu bewegen, Geld abzuheben. Gerichtspräsidentin Dorrit Schleiminger betonte, ältere alleinstehende Menschen seien besonders empfänglich für die Warnungen von angeblichen Kriminalpolizisten.

Kein Schweizer Pass – es drohte die Ausweisung

Als Strafmass setzte das Gericht eine bedingte Freiheitsstrafe von 16 Monaten fest, auch zieht das Gericht das Iphone des Mannes ein. Zwei weitere Mobiltelefone erhält er wieder zurück, weil sie nicht in Zusammenhang zu den Delikten stehen.

Der Mann ist kroatischer Staatsbürger, dennoch war ein Landesverweis kein Thema. Er kann das Urteil weiterziehen.

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