Coronavirus
Baselland baut sein Contact-Tracing massiv aus

Anfang November war es so weit: Der Krisenstab des Kantons Baselland musste das flächendeckende Zurückverfolgen der Ansteckungsherde – das Contact-Tracing – einstellen. Zu hoch waren die Infektionszahlen, zu gering die personellen Ressourcen für diese aufwendige Arbeit.

Michael Nittnaus
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Contact Tracer bei der Arbeit. (Symbolbild)

Contact Tracer bei der Arbeit. (Symbolbild)

KEYSTONE/GAETAN BALLY

Seither werden bloss noch Personen mit positivem Covid-19- Befund per E-Mail angewiesen, ihre Kontaktpersonen selbst zu informieren, dass diese in Quarantäne müssen.

An der gestrigen Landratssitzung kündigte Gesundheitsdirektor Thomas Weber nun an, dass man das Contact-Tracing wieder hochfahren möchte. FDP-Landrat Thomas Eugster hatte dies im Rahmen der Fragestunde gefordert. In seiner schriftlichen Antwort blieb Weber zunächst schwammig: Der Regierungsrat habe den Krisenstab beauftragt, ein entsprechendes Massnahmenkonzept vorzulegen.

Mündlich wurde Weber im Plenum dann konkreter: «Ein Contact-Tracer kann pro Tag drei Infizierte abklären. Wir bräuchten bei der aktuellen Lage über 100 Vollzeitstellen dafür. Unser Ziel ist, dass die Personaldecke nach den Feiertagen Anfang/Mitte Januar bereits signifikant höher als heute ist.» Bisher arbeiteten rund 20 Contact-Tracer für den Krisenstab.

RAV-Gemeldete sollen beim Tracing helfen

Und noch etwas wurde in derselben Fragestunde bekannt: Ein Teil des neu angeworbenen Personals dürften Menschen sein, die derzeit bei einem Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) gemeldet sind. Der Regierungsrat kündigte an, dass «ein verstärkter Einsatz dieser Personen in Zusammenhang mit der weiteren Ausdehnung des Contact-Tracing geprüft wird».

SVP-Landrat Ermando Imondi, Leiter des RAV Liestal, ergriff darauf das Wort und bestätigte: «Das Staatssekretariat für Wirtschaft Seco hat uns bereits kontaktiert. Es ist aufgegleist.» Die Debatte im Rat angestossen hatte GLP-Landrat Yves Krebs. Er fragte, ob es nicht sinnvoll sei, RAV-Versicherten so Zwischenverdienste zu ermöglichen, anstatt Militär oder Zivilschutz aufzubieten.

Ein Allerheilmittel wird Contact-Tracing aber auch mit dem Ausbau nicht. In 30 bis 50 Prozent der Fälle könnten die Ansteckungsorte nicht mehr eindeutig zurückverfolgt werden, so die Regierung. Dieser Baselbieter Wert decke sich mit den Statistiken des Bundes.