Kulturkosten
Ballett und Oper locken Baselbieter in die Stadt

Eine Besucherbefragung in Basler Kulturstätten zeigt: Das Verhältnis zwischen Städtern und Baselbietern ist fast 50:50 – zumindest im Theater Basel. Nun soll Baselland mehr Geld für die städtischen Institutionen bezahlen.

Hans-Martin Jermann und Mark Walther
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Stark von den Baselbieter Subventionen abhängig: das Junge Theater Basel (hier im Herbst 2015 mit dem Stück «Noise»).

Stark von den Baselbieter Subventionen abhängig: das Junge Theater Basel (hier im Herbst 2015 mit dem Stück «Noise»).

In dem seit Jahren schwelenden Konflikt um die Höhe der Baselbieter Abgeltungen an die städtische Kultur ist das neuer Zunder. Erstmals hat der Kanton Basel-Stadt im Rahmen einer Publikumsbefragung untersucht, woher die Besucher der städtischen Kulturinstitutionen kommen. Resultat: 38,6 Prozent der Besucher wohnen in der Stadt, 24,5 Prozent in Baselland, 16,9 Prozent stammen aus der übrigen Schweiz und die restlichen knapp 20 Prozent aus dem Ausland.

An der Befragung haben knapp 11'000 Besucher von neun Basler Kulturbetrieben teilgenommen. Mit Ausnahme des Kunstmuseums und des Naturhistorischen Museums erhalten die anderen sieben Betriebe im Rahmen des Kulturvertrags Subventionen von Baselland.

Wenige Baselbieter im Bird’s Eye

Allerdings: Nicht alle Kulturinstitutionen werden von Baselbietern gleich stark frequentiert. Obenaus schwingt die Opern-Sparte am Theater Basel mit einem Baselbieter Besucher-Anteil von 36,5 Prozent; ähnlich gut von Landschäftlern besucht sind das Ballett am Theater Basel, das Marionettentheater oder das Sinfonieorchester. In diesen Institutionen ist das Verhältnis zwischen Basel-Städtern und Baselbietern je fast 50:50.

Ganz anders etwa in der Gare du Nord oder im Bird’s Eye Jazz Club: Dort stehen 18,3 Prozent Baselbieter 56,9 Prozent Baslern (Gare du Nord), respektive 16,9 Prozent Baselbieter 45,8 Prozent Baslern gegenüber (Bird’s Eye). Brisant in diesem Zusammenhang ist, dass die Gare du Nord von Baselland, nicht aber vom Stadtkanton subventioniert wird.

Wieder anders sieht die Besucherstruktur beim Kunstmuseum aus. Hier kommt die anteilsmässig grösste Besuchergruppe aus der übrigen Schweiz (27,5%), dann folgen Basel-Stadt (23,1%) und Baselland (13,5%).

Mehr Verursachergerechtigkeit

Laut der auftraggebenden Abteilung Kultur im Basler Präsidialdepartement dienen die Erkenntnisse aus der Befragung als «Grundlage für die Verhandlungen zur künftigen partnerschaftlichen Kulturförderung». Die Haltung des Stadtkantons ist klar und wird durch die neuesten Zahlen untermauert: Baselland bezahlt zu wenig an die bereitgestellten Kulturleistungen. Das stellt der Chef der Abteilung Kultur Philippe Bischof auf Nachfrage der bz klar. Basel-Stadt drängt in den laufenden Verhandlungen auf mehr Verursachergerechtigkeit.

Bei der im Baselbiet federführenden Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion heisst es hingegen: «Besucherzahlen stellen eine mögliche, jedoch nicht die einzig mögliche Berechnungsgrundlage für ein künftiges Modell zur Abgeltung der Zentrumsleistungen dar.» Derzeit bezahlt Baselland im Rahmen der Kulturvertragspauschale knapp 10 Millionen Franken pro Jahr an 15 Basler Institutionen. Dieser Vertrag gilt bis und mit 2020.

Lösung Beitragsparität?

Die Vorstellungen über die Baselbieter Beteiligung an der städtischen Kultur ab 2021 gehen indes weit auseinander: Der Basler SVP-Grossrat Joël Thüring begrüsst es, wenn seine Regierung mehr Verursachergerechtigkeit einfordert. «Es kann nicht sein, dass die alleinerziehende Kleinbasler Mutter den Theaterbesuch des gut betuchten Bottminger SUV-Fahrers mitfinanziert.» Deshalb brauche es nun Beitragsparität.

Sollte Baselland mehr bezahlen, setze das in Basel-Stadt Mittel frei. Diese könnten einerseits in andere Kulturbereiche investiert werden, etwa in die Jugendkultur. Andererseits könnte der Stadtkanton so auch Geld sparen, findet Thüring.

Auch LDP-Grossrat Michael Koechlin findet: «Es kann nicht sein, dass Basel-Stadt alle Institutionen überproportional finanziert.» Er habe immer gesagt, die Beiträge aus Baselland würden nicht den Besucherzahlen entsprechen. «Das sollte man ändern», fordert Koechlin, fügt aber an: «Wie realistisch ein solches System derzeit ist, ist eine andere Frage.»

Würden die Kosten verursachergerecht aufgeteilt, müsste Baselland nämlich massiv mehr bezahlen. Auch SP-Grossrat Martin Lüchinger hält einen Lastenausgleich für sinnvoll. Doch auch er stellt die Umsetzbarkeit derzeit infrage. Grund ist die angespannte Finanzlage im Baselbiet.

Geringeres Steueraufkommen

Für bürgerliche Politiker im Baselbiet kommt eine markant stärkere Beteiligung an den städtischen Kulturbetrieben nicht infrage: «Wer eine paritätische Beteiligung fordert, der vergisst: Im Baselbiet ist das Steueraufkommen pro Kopf nur halb so hoch wie in der Stadt», betont SVP-Präsident Oskar Kämpfer. Die Stadt verfügt über andere finanzielle Möglichkeiten zur Förderung der Kultur.

Angesichts des aktuellen Sparkurses im Baselbiet seien zudem kaum mehr Mittel vorhanden, um eigene Kultur zu unterstützen – mehrere Institutionen hätten dies bereits schmerzhaft erfahren, sagt Kämpfer.

Und dann fordert der SVP-Präsident in der Kulturfinanzierung vermehrt Modelle, die mit weniger staatlichen Subventionen auskommen. Ein gutes Beispiel ist für ihn das Ballett am Theater Basel: Dass ausgerechnet die von der Basellandschaftlichen Kantonalbank gesponserte Sparte die erfolgreichste ist, sei kein Zufall, findet Kämpfer.

Im rot-grünen Lager im Baselbiet plädiert man hingegen dafür, den Ball flach zu halten: «Mit der heutigen Kulturvertragspauschale ist Baselland gut bedient», findet Miriam Locher, SP-Fraktionschefin im Landrat. Allerdings warnt sie davor, den einst sorgfältig zusammengebauten Vertrag aufgrund dieser Umfrage zu torpedieren. Das kann als Rat an die sparwilligen Politiker im eigenen Kanton, aber auch als solcher an jene Basler interpretiert werden, die lauthals auf Beitragsparität pochen.