SRF Sendung
Aus der Landfrauenküche: Diese Buusner Bäuerin kocht gross auf

Caroline Schweizer vertritt das Baselbiet in der morgen auf SRF beginnenden Sendereihe.

Andreas Hirsbrunner
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Caroline Schweizer bei den Landfrauen

Caroline Schweizer bei den Landfrauen

Ueli Christoffel

SRF/Ueli Christoffel

Schon seit Jahren verfolgt Caroline Schweizer aus Buus die Sendung «SRF bi de Lüt – Landfrauenküche» am Bildschirm. Dann fasste sie sich ein Herz, bewarb sich und schaffte es unter 150 Mitbewerberinnen. Jetzt ist die 48-Jährige ab morgen Freitag (SRF 1, 20.05 Uhr) eine der sieben Landfrauen der diesjährigen Staffel. Die Sendung wird wöchentlich bis zum Finale am 29. Dezember ausgestrahlt; jedes Mal mit einer andern Teilnehmerin im Mittelpunkt.

Schweizers diesbezügliche Dreiviertelstunde schlägt am 23. November. Diesem Datum schaut sie besonders gespannt entgegen, denn auch sie kennt das Resultat noch nicht, wie SRF elfeinhalb Stunden Drehzeit auf 45 Sendeminuten eingedampft hat.

Nervös macht sie einzig der Gedanke ans Finale, weil dieses live gesendet wird. Auch wird dann die Siegerin der diesjährigen Staffel auserkoren. Ob diese Caroline Schweizer heisst? «Das wird ganz eng, wir sieben Landfrauen waren alle ähnlich gut. Eigentlich sind wir alle Gewinnerinnen.» Das kann man zumindest bezüglich Schweizer bedenkenlos unterschreiben.

Denn sie, die aus einem nichtbäuerlichen Haus aus dem Fricktal stammt und eine kaufmännische Ausbildung absolviert hat, hatte nichts mit Landwirtschaft am Hut – bis sie ihren Erich kennenlernte und auf dem Höldihof in Buus einzog. Heute kann sie mit den Besten ihres Fachs mithalten. Zumindest in der bäuerlichen Küche, um die es in der Sendung vor allem geht.

zvg

Ehemann servierte ab Leiter

Schweizer zauberte an jenem Samstag Anfang Oktober, als die andern sechs Landfrauen aus den Kantonen Solothurn, Bern, Zürich, Schwyz, Thurgau und Graubünden bei ihr zu Gast waren, ein Menü auf den Tisch, das dem Baselbiet alle Ehre machte: zur Vorspeise eine Randensuppe, zum Hauptgang Kalbsfleischvogel mit Dörrobst, ein Dinkel-Kernotto und Lauch und zum Dessert heisse Zwetschgen mit Sauerrahm und Streusel, Zwetschgenleckerli, Dörrzwetschge in Schokolade und Prune d’Or mit Mascarpone und Rahm.

Dabei kamen die Gemüse aus dem eigenen Garten, die Früchte von den eigenen Bäumen, der Dinkel vom eigenen Acker und das Kalb aus dem eigenen Stall. Zu Letzterem sagt Schweizer: «Wir schlachten jedes Jahr eines unserer Kälber für den Eigenbedarf. Das muss reichen fürs ganze Jahr, wir essen nicht jeden Tag Fleisch.» Damit erfüllte Schweizer mit Bravour die SRF-Vorgabe, dass das Festmenü saisonal, regional und so weit möglich vom eigenen Betrieb sein sollte. Auffallend ist insbesondere ihr zwetschgenlastiges Dessert. Die vierfache Mutter sagt denn auch: «Die Zwetschgen sind zu meinem fünften Kind geworden.»

Hier ergänzen sich Erich und Caroline Schweizer ideal: Er macht zusammen mit etlichen andern Landwirten aus Buus, Rickenbach, Ormalingen und Hemmiken beim gross angelegten Vogel- und Landschaftsschutzprojekt Farnsberg mit und setzt beim Obstbau überwiegend auf Hochstammbäume, 320 an der Zahl. Weitere 100 sind Halbstämmer, ein Mittelding zwischen Hoch- und Niederstammbaum. Sie verarbeitet die Früchte im grossen Rahmen. So beliefert sie auch die «Posamenter» mit Dörr-Zwetschgen. «Posamenter» ist ein Projekt aus dem Baselbieter Tafeljura, das sich den Erhalt der Hochstammbäume auf die Fahnen schreibt und bei dem Caroline Schweizer, seit Beginn vor zwölf Jahren, tatkräftig mitwirkt.

Aber nicht nur die Arbeit auf dem Hof, sondern auch die Sendung «Landfrauenküche» ist bei Schweizers zum Familienprojekt geworden. Die älteste Tochter Alena (17) assistierte ihrer Mutter beim Kochen des Festmenüs. Ihr Zwillingsbruder, der angehende Zimmermann Ramon, baute zusammen mit dem Vater und einigen weiteren Helfern den ehemaligen Viehstall zur Gaststube um, in der die sechs andern Landfrauen bewirtet wurden.

Und Erich Schweizer (55) servierte das Menü auf ganz eigene Art: Seine Frau reichte ihm die angerichteten – heissen – Teller durchs Küchenfenster im ersten Stock, und er balancierte sie – verlustfrei – via Leiter hinunter in die Gaststube. Das dürfte in den Bewertungen der andern Landfrauen Zusatzpunkte gegeben haben. Die Gesamtpunktzahl aus den gegenseiteigen Bewertungen entscheidet, wer die Staffel gewinnt.

Public Viewing für alle Helfer

Was war für Caroline Schweizer der Höhepunkt während der intensiven Dreharbeiten seit September? «Der Moment, als die andern Landfrauen am 6. Oktober bei mir aus dem Oldtimer-Postauto stiegen, und die Dorfmusik zu spielen begann. Das war einfach nur schön.» Schön auch, weil sie in diesem Moment wusste, dass das Essen bereits gekocht und gelungen war, und die Gaststube bereit, die ihre Männer auf den letzten Drücker in Nachtschichten umgebaut hatten.

Sie habe ihre Anmeldung zur «Landfrauenküche» nie bereut, meint Schweizer heute: «Das war ein einzigartiges Erlebnis. Wir Landfrauen sind zu einer Art grossen Familie geworden. Ich bin überzeugt, dass die Kontakte auch nach dem Finale weitergehen.» Ihren vielen Helfern inklusive Dorfmusik dankt sie übrigens auf ihre Art: Alle sind zur Sendung vom 23. November mit ihr im Mittelpunkt («Das gibt es nicht oft») zu einem Public Viewing auf dem Höldihof eingeladen. Caroline Schweizer rechnet mit etwa 70 Personen. Natürlich sorgt sie auch für die entsprechende Bewirtung. Wie es sich für eine gestandene Landfrau gehört.