Neubau
Aus dem Laufner Jugendheim wird eine WG

Die alten Räumlichkeiten des Kinder- und Jugendheims in Laufen haben bald ausgedient. In den kommenden Monaten wird für sieben Millionen Franken ein Neubau entstehen, in dem 19 Kinder und Jugendlichen in Wohngemeinschaften leben werden.

Dimitri Hofer
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Das neue Kinder- und Jugendheim in Laufen soll sich mit seinem dunklen Grün in die Landschaft integrieren.

Das neue Kinder- und Jugendheim in Laufen soll sich mit seinem dunklen Grün in die Landschaft integrieren.

zvg

Die drei grünen Gebäude liegen direkt nebeneinander und sehen aus wie Reiheneinfamilienhäuser. In den Liegenschaften im Wohngebiet hinter der katholischen Kirche in Laufen werden jedoch keine glücklichen Familien leben.

Im Gegenteil: Hier ziehen in eineinhalb Jahren Kinder und Jugendliche ein, die aus zerrütteten Verhältnissen stammen. Aus unterschiedlichen Gründen ist es ihnen nicht möglich, bei ihren Eltern zu wohnen. «Viele unserer Klienten haben häusliche Gewalt erlebt oder wurden Opfer von sexuellen Übergriffen», erklärt Stefan Köhli, Leiter des Kinder- und Jugendheims Laufen. Sie würden nicht selten an Bindungs- und Persönlichkeitsstörungen leiden und bräuchten Betreuung. Im Kinder- und Jugendheim leben sie in familienähnlichen Strukturen gemeinsam in Wohngruppen.

Neubau kostet sieben Millionen

Die aktuellen Räumlichkeiten des Heimes aus den frühen Siebzigerjahren sind in die Jahre gekommen. Damals als Pionierprojekt gefeiert, entsprechen sie nicht mehr den Anforderungen an eine zeitgemässe stationäre Unterbringung. Neben dem alten Kinder- und Jugendheim an der Weststrasse entsteht in den kommenden Monaten für sieben Millionen Franken ein Neubau. Den grössten Teil der Kosten übernimmt die Stiftung Kinder- und Jugendheim als Bauherrin. Der Bund zahlt knapp zwei Millionen, der Kanton Baselland beteiligt sich über eine Leistungsvereinbarung. Der Neubau soll im März 2018 eröffnen – gestern fand die Grundsteinlegung statt.

Künftig Platz für 19 Jugendliche

Auch wenn die Kinder und Jugendlichen aus ihrem derzeitigen Zuhause ausziehen und einige Meter davon entfernt wieder einziehen werden, ändert sich am einst visionären Konzept des Heimes nichts. «Der Familiencharakter soll in die neuen Gebäude gezügelt werden», sagt Architekt Jean-Philippe Stähelin von Stähelin Architekten. Der Neubau bestehe aus drei aneinandergereihten, gleichen Häusern, die jeweils einen individuellen Eingang haben. Dank Durchgängen seien die Gebäude zudem miteinander verbunden.

In jeder der Liegenschaften werden sechs Kinder und Jugendliche zusammen in einer Art Wohngemeinschaft leben. «Alle Bewohner haben ein eigenes Zimmer und die Häuser haben alle eine Küche, ein Wohnzimmer und eine Dachterrasse», erklärt Stefan Köhli, der das Kinder- und Jugendheim Laufen seit 15 Jahren leitet. Im Erdgeschoss befinden sich wiederum Therapieräume, Gruppenräume, ein Medienraum, eine Werkstatt und sogar eine Kriseninterventionsschule. «Dort können Klienten, die nicht in der Lage sind, eine normale Schule zu besuchen oder eine Ausbildung zu durchlaufen, während maximal drei Monaten unterrichtet werden», so Köhli. Die meisten Kinder und Jugendlichen würden jedoch zur Schule gehen oder eine Ausbildung machen.

Ständig eine Betreuungsperson da

Momentan hat das Kinder- und Jugendheim Laufen Platz für 13 Bewohnerinnen und Bewohner. «Durch den Neubau erhöht sich die Anzahl Betten auf deren 19», erklärt Stefan Köhli. Eines davon sei ein Notfallbett, das externen Kindern und Jugendlichen in Notsituationen zur Verfügung stehe.

Eine der drei Wohngruppen richtet sich ausschliesslich an Jugendliche ab 14 Jahren, bei denen eine pädagogische Betreuung nicht ausreicht. «Wir sprechen hier von jungen Menschen, deren Störungen so gravierend sind, dass eine intensive pädagogische, milieutherapeutische und psychiatrische Betreuung notwendig ist», sagt Köhli. All das erhalte man unter einem Dach, was im Baselbiet einzigartig sei. Die betroffenen Jugendlichen würden unter anderem an Phobien, Zwangsstörungen, Essstörungen oder an einer Depression leiden.

Die Jugendlichen bräuchten in besonderem Masse Unterstützung – sei es beim sozialen Miteinander, bei der Körperpflege oder bei der ärztlich verordneten Medikamenteneinnahme. In jedem Wohnhaus ist deshalb rund um die Uhr mindestens eine Betreuungsperson anwesend.