Forum Flughafen
Anrainer kämpfen nun gemeinsam gegen Fluglärm von Euro-Airport

Mit sieben Forderungen wollen die Schweizer Anwohnervertreter gegen den Fluglärm vom Euro-Airport kämpfen und verärgern dabei ihre Nachbarn. Unter anderem verlangen sie eine längere Nachtflugsperre.

Julia Gohl
Merken
Drucken
Teilen
«Die Nachtflugsperre ist unser absolut vordringlichstes Anliegen», so Madeleine Göschke, Präsidentin Schutzverband der Bevölkerung um den Flughafen Basel-Mülhausen.

«Die Nachtflugsperre ist unser absolut vordringlichstes Anliegen», so Madeleine Göschke, Präsidentin Schutzverband der Bevölkerung um den Flughafen Basel-Mülhausen.

Kenneth Nars

Stolz seien sie, sagten gestern die drei Schweizer Anrainerverbände des Euro-Airports (EAP) vor den Medien. Grund dafür war ihr erster gemeinsamer Auftritt. Bisher hatten sich der Schutzverband der Bevölkerung um den Flughafen Basel-Mülhausen, das Forum Flughafen nur mit der Region und der Gemeindeverbund Flugverkehr der Gemeinden Allschwil, Arlesheim, Binningen, Bottmingen, Hochwald, Reinach und Schönenbuch einzeln für ihre Anliegen eingesetzt. «Es wird höchste Zeit, dass wir alle an einem Strick ziehen», so Gemeindeverbunds-Vorsitzender Robert Vogt. «Denn wir sind überzeugt: In Sachen Fluglärm passiert zu wenig.»

Deshalb stellten die drei Verbände gestern sieben gemeinsame Forderungen vor. «Wir haben ein Jahr an diesen Forderungen gearbeitet», verriet Marco Casadei, Präsident des Forums Flughafen nur mit der Region. «Das war nicht so einfach, wie das vielleicht aussieht.» Man sei sich nicht in allen Belangen einig geworden, weshalb die Liste auch nicht erschöpfend sei.

Bei einem Thema mussten die Anrainerverbände nicht lange debattieren: Sie wollen eine Nachtflugsperre zwischen 23 und 6 Uhr statt zwischen 24 und 5 Uhr. «Dies ist unser absolut vordringlichstes Anliegen», betonte Madeleine Göschke, Präsidentin des Schutzverbands. Der Fluglärm zwischen 23 und 24 Uhr habe sich in Allschwil innerhalb eines Jahres verdoppelt. Dabei sei der Lärm gerade nachts gesundheitlich besonders bedenklich.

Weiter fordern die drei Anrainerverbände, nach 22 Uhr auf Südstarts und -landungen zu verzichten sowie zwischen 22 und 7 Uhr keine Frachtflüge mehr durchzuführen. Ausserdem sollen Flugzeuge auf der Piste 15, der Nord-Süd-Piste, künftig am Pistenanfang starten und nicht erst rund einen Drittel der Strecke später. So würden die Flugzeuge das besiedelte Gebiet in grösserer Höhe überfliegen. Letztes Jahr hatte der EAP dies für Flüge nach 22 Uhr vorgeschrieben. «Was nachts möglich ist, können wir auch tagsüber fordern», findet Vogt.

Zusätzlich soll die Piste 15, so eine weitere Forderung der Anrainer, in Richtung Norden verlängert werden. Ausserdem sollen auf der Piste 26, der Ost-West-Piste, laut Casadei «wesentlich mehr Starts» durchgeführt werden. «1999 hat der Kanton Baselland mit 33 Millionen den Ausbau dieser Piste mitfinanziert. Dadurch sollten die Fluglärm- und Schadstoffemissionen über Allschwil, Schönenbuch, Neubad und Binningen reduziert werden. Doch in den letzten Jahren wurde sie für Starts Richtung Westen kaum benutzt.»

«Egoismus nimmt Überhand»

Die Flugrouten Elbeg und Lumel seien gemäss den drei Verbänden für den grössten Teil der Fluglärmbelastung von Allschwil, Schönenbuch, Binningen West und Basel Neubad verantwortlich. Beide starten Richtung Süden und drehen dann ab – Lumel in Richtung Frankreich, Elbeg mit einer grösseren Kurve Richtung Deutschland. In den letzten Jahren hätten sich diese beiden Flugrouten verstärkt Richtung Süden verlagert. Die Schweizer Anrainerverbände möchten nun, dass diese künftig nördlicher geführt werden. Daran stört sich Jacques Finck, Präsident der Association de Défense des Riverains de l’Euro-Airport, des Anrainerverbands der Elsässer. «Der Egoismus nimmt Überhand», kommentierte er die sieben Forderungen. «Man will den Lärm einfach zu den Nachbarn abschieben.»

Die Vertreter der Schweizer Anrainer entgegneten unter anderem, dass das Gebiet im Süden dichter besiedelt sei. Somit seien dort mehr Menschen betroffen. Vogt betonte ausserdem, dass in den letzten Jahren die Belastungen auf Kosten der Schweiz zugenommen hätten und korrigierende Forderungen deshalb berechtigt seien. Gerne würden die Schweizer Anrainer als nächsten Schritt mit den Verbänden aus Deutschland und Frankreich gemeinsame Forderungen ausarbeiten. Zuerst wollen sie sich aber beim EAP sowie den Behörden für die eigenen Forderungen starkmachen. Und diese, so geben sich die drei Verbände überzeugt, seien bescheiden und umsetzbar.