Eurovision Song Contest
Anna Rossinellis Komponist: «Ich weiss, dass sie gewinnt»

Der Basler Komponist David Klein fiebert heute Abend in Düsseldorf mit. Er war von Anfang an überzeugt, dass sie in die Endrunde einzieht. Und er ist absolut überzeugt, dass Anna das Finale gewinnt.

Muriel Mercier
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Anna Rossinelli während ihres schlichten Auftritts

Anna Rossinelli während ihres schlichten Auftritts

Keystone

David Klein, heute Abend steht Anna Rossinelli auf der Eurovision-Song-Contest-Bühne in Düsseldorf und kämpft um den ersten Platz. Wie geht es Ihnen als Komponist des Liedes wenige Stunden vor dem Auftritt der Baslerin? David Klein: Ich bin begeistert, dass Anna im Final steht. Aber ich war von Anfang an überzeugt, dass sie in die Endrunde einzieht. Und ich bin absolut überzeugt, dass Anna das Finale gewinnt.

Warum sind Sie so sicher?
Man muss an den Erfolg glauben. Glauben versetzt Berge. Ich weiss einfach, dass Anna heute Abend zuoberst auf dem Podest stehen wird.

Singt sie «In Love For A While» so, wie Sie sich das vorgestellt haben?
Ich habe beim Komponieren an Annas Stimme gedacht, an ihr ganz eigenes Timbre. Das ist etwas anderes, als wenn man ein Lied schreibt, ohne zu wissen, wer es singen wird. Anna hat eine perfekte Auffassungsgabe und hat die Essenz des Stückes sofort begriffen. Dieter Bohlen sagt seinen gecasteten Sängern, sie sollen Gefühl in die Lieder legen. Das funktioniert so nicht. Entweder man fühlt als Interpret einen Song oder eben nicht.

David Kleins Karriere David Klein wuchs in einer Musikerfamilie auf. Er lernte als Jugendlicher Gitarre und begann im Jahr 1980 sein Studium am Berklee College of Music in Boston. Dort entdeckte er seine Liebe zum Saxofon. Sechs Jahre später gründete er das Ensemble Kol Simcha. Es folgten Konzerte in der Carnegie Hall und am Montreux Jazz Festival. Zudem komponierte er mit der Band Filmmusik, zum Beispiel für «Alles auf Zucker» von Dani Levy. Mit seinem David Klein Quintet spielte er im Jahr 2001 eine Jazz-Hommage an Marilyn Monroe und komponierte das Musical «Marilyn», das 2006 in München uraufgeführt wurde. (mum)

David Kleins Karriere David Klein wuchs in einer Musikerfamilie auf. Er lernte als Jugendlicher Gitarre und begann im Jahr 1980 sein Studium am Berklee College of Music in Boston. Dort entdeckte er seine Liebe zum Saxofon. Sechs Jahre später gründete er das Ensemble Kol Simcha. Es folgten Konzerte in der Carnegie Hall und am Montreux Jazz Festival. Zudem komponierte er mit der Band Filmmusik, zum Beispiel für «Alles auf Zucker» von Dani Levy. Mit seinem David Klein Quintet spielte er im Jahr 2001 eine Jazz-Hommage an Marilyn Monroe und komponierte das Musical «Marilyn», das 2006 in München uraufgeführt wurde. (mum)

Wie kamen Sie dazu, ein Lied für den Song Contest zu schreiben?
Ich habe nicht gewusst, dass man sich als Komponist bewerben kann. Ich ging davon aus, dass das Schweizer Fernsehen wie bisher die Kandidaten für die nationale Vorentscheidung auswählt. Wenige Tage vor Einsendeschluss Ende 2010 habe ich erfahren, dass dem nicht so ist. Ich habe mich kurzfristig entschieden, mitzumachen. Ich habe sofort an Anna gedacht, sie sagte zu, und ich schrieb «In Love For A While» in etwa zwei Stunden. Eine Viertelstunde vor Anmeldeschluss, um 23.45 Uhr, habe ich den Song ins Internet gestellt.

Welchen Beitrag sehen Sie heute Abend als stärkste Konkurrenz für Anna?
Ich habe das zweite Halbfinale am Donnerstagabend nicht mitverfolgt. Aber es präsentieren sich einige professionelle Beiträge. Nur: Mir wird teilweise zu sehr mit Effekthascherei auf den Sieg spekuliert. Die Sänger haben überkandidelte Frisuren oder wollen mit Akrobatik und Pyrotechnik beeindrucken. Der Gesang selbst ist über die Jahre immer mehr in den Hintergrund gerückt.

Und das gefällt Ihnen nicht.
Viele haben vergessen, dass der Eurovision Song Contest ein Komponistenwettbewerb ist und nicht ein Wanderzirkus. Ich denke jedoch, dass sich diese Sichtweise mit dem Lied von Lena aus Deutschland, die im letzten Jahr den Contest gewonnen hat, geändert hat.

Was ist Ihnen wichtig, wenn Sie einen Song schreiben?
Ich schreibe Musik, die mir selbst gefällt. Wenn das Publikum auch Freude daran hat, umso besser. Und bei «In Love For A While» scheint das ja der Fall zu sein.