Baselland
Angst bei Allschwiler Lehrern: Unterdrückt der Kanton bald kritische Stimmen?

Der Lehrerkonvent der Sekundarschule Allschwil wehrt sich dagegen, dass Schulleitungen neu durch den Kanton statt den Schulrat angestellt werden sollen. So sieht es die Regierung vor. Die Lehrer kritisieren diese Machtkonzentration. Dabei übersehen sie aber eine entscheidende Klausel.

Michael Nittnaus
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Werden kritische Lehrpersonen oder Schulleitungen künftig vom Kanton unterdrückt?

Werden kritische Lehrpersonen oder Schulleitungen künftig vom Kanton unterdrückt?

Keystone

Es ist ein düsteres Bild, das die Lehrerschaft der Sekundarschule Allschwil zeichnet: «Einige wenige Verwaltungsbeamte aus dem Amt für Volksschulen (AVS) und der Baselbieter Bildungsdirektion würden in Sachen Anstellung und Kündigung von über 5500 Lehrpersonen mindestens indirekt über die Schulleitung Einfluss nehmen können.» Dies würde eine unerwünschte Machtfülle des AVS bedeuten, schreibt der Gesamtkonvent der Lehrer der Sek Allschwil in einer Mitteilung. Und er kommt zum Schluss: «Es bestünde die Möglichkeit, dass kritische und nicht obrigkeitshörige Schulleitungen vermehrt unter Druck kämen. Vom AVS initiierten ideologischen Veränderungen im Bildungswesen stünde mit dieser Vorlage Tür und Tor offen.»

Gemeint ist die Regierungsvorlage «Klare Führungsstrukturen für die kantonalen Schulen», also der Sekundarstufen I und II. Sie befindet sich noch bis zum 25. November in der Vernehmlassung. Nachdem sich die Konferenz der Baselbieter Schulratspräsidien schon Ende August kritisch geäussert hatte, sind die Allschwiler Lehrer nun die nächsten, die kein gutes Haar an der Vorlage lassen. Mit 48 zu 0 bei 5 Enthaltungen lehnt der Konvent sie ab.

Sek Allschwil warnt vor «Konzentration von Macht»

Die Vorlage möchte «das Dreiecksverhältnis der verschiedenen Führungsebenen Schulleitung, Schulrat und Bildungsdirektion entflechten». Ein Kernpunkt ist, dass der Schulrat nicht mehr für Personalentscheide zuständig wäre. Heute wählt er die Schulleitungen und stellt Lehrer mit unbefristeten Verträgen ein. Neu soll das AVS für die Sek I und die Sonderschulen sowie die Dienststelle Berufsbildung, Mittelschulen und Hochschulen für die Sek II die Schulleitungen bestimmen. Letztere würden neu sämtliche Lehrpersonen und Mitarbeiter anstellen.

Es ist sicher nicht unsere Absicht, nur noch linientreue Schulleitungen zu haben.

(Quelle: Beat Lüthy, Leiter Amt für Volksschulen Baselland)

Für die Allschwiler Seklehrer ist dies eine «problematische Konzentration von Einfluss und Macht», welche durch die Entmachtung der Schulräte erreicht werden solle. Mit ihrer Totalopposition dürfte die Sek Allschwil allerdings in der Minderheit sein. Wie Ernst Schürch, Präsident der Amtlichen Kantonalkonferenz der Lehrer, auf Anfrage offenlegt, hat man bisher von neun der 17 Sekundarschulstandorte ein Feedback erhalten. Sieben Schulen hätten sich dabei grundsätzlich positiv geäussert. «Es ist zwar erst eine Tendenz, doch die Mehrheit scheint nur kleinere Anpassungswünsche zu haben», so Schürch.

Schulräte behalten bei Anstellungen ein Vetorecht

Zur Befürchtung, kritische Stimmen könnten künftig unterdrückt werden, sagt Schürch: «Das halte ich für an den Haaren herbeigezogen.» Er bestätigt zwar, dass die neue Struktur «unbestritten eine stärkere Einflussnahme der Dienststellen auf die Schulleitungen ermöglicht». Gleichzeitig weist er aber auf etwas hin, das die Allschwiler in ihrer Mitteilung mit keinem Wort erwähnen: «Schulrat, Lehrervertretung und Schulleitung haben weiterhin ein Mitwirkungsrecht. Dazu gehört auch ein gemeinsames Vetorecht beim Anstellungsentscheid.»

«Erstaunt» von der Allschwiler Mitteilung zeigt sich Beat Lüthy, Leiter des AVS: «Es ist sicher nicht unsere Absicht, nur noch linientreue Schulleitungen zu haben oder die Teilautonomie der Schulen zu gefährden.» Wegen der Bedenken gegen eine Machtkonzentration habe man explizit das Vetorecht beibehalten. Lüthy versichert, die Allschwiler Ängste sehr ernst zu nehmen. Inwiefern die Regierung die Vorlage nach der Vernehmlassung noch anpassen werde, könne er aber nicht abschätzen.

«Starke Schule» prägte Allschwiler Meinung mit

Auf das Vetorecht angesprochen, sagt Martin Burr vom Vorstand des Allschwiler Gesamtkonvents: «Diesen Punkt haben wir nicht näher diskutiert. Als Regulativ macht das sicher Sinn.» Entscheidend für die Opposition sei aber gewesen, dass der Kanton die Kompetenzen immer stärker zentralisiere. «Wir haben eine sehr konstruktive Schulhauskultur und wollen die Souveränität aufrechterhalten.» Etwas gibt Burr dabei unumwunden zu: «Die Seklehrer Jürg Wiedemann und Michael Pedrazzi haben als Vertreter der ‹Starken Schule beider Basel› die Diskussion am Konvent sicher mitgeprägt.»