Fasnacht in Oberdorf
An der Oberdorfer Fasnacht kriegt die Obrigkeit ihr Fett weg

Egal, ob Sabine Pegoraro, Ignazio Cassis oder die Post – am Umzug am Fusse des Dielenbergs wird niemand verschont.

Edi Gysin
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Der Fasnachtsumzug 2018 in Oberdorf

Der Fasnachtsumzug 2018 in Oberdorf

Eduard Gysin

Grün, wie ein Buchenblatt im frühesten Frühling, das waren die Tambouren und Pfeiferinnen der Dachluckenspinner am Oberdörfer Fasnachtsumzug. Sie machten den Anfang, das hat Tradition. Einen deutlichen Farbtupfer hinterliessen auch die Los Ventilos, die Gugge defilierte nämlich einheitlich knallrot. Die Au Rugger dagegen zogen als wirklich bunter Haufen, manche gar grimmig, vom zahlreichen Publikum gefeiert, durch Oberdorf.

An Sujets hats ja im vergangenen Jahr weiss Gott nicht gemangelt, auf lokaler, regionaler, nationaler oder halt eben auf internationaler Ebene haben sich manche sehr weit aus dem Fenster gelehnt. Selbstverständlich meist Politiker. Die männliche Form genügt.

Die meischte Politiker, hei mir überleit,
si flexibel bis zur Charakterlosigkeit

dichtete die Waldenburger Wagenclique Hö und so. Dass die Ausnahme die Regel bestätigt, aus der selben Feder:

Vowäge Läufelfingerli Frau Pegoraro
sie si bekifft
Zukunft isch au
wenn me d Vergangeheit begrifft!

Die Niederdörfer Ochsespueler hatten es definitiv mit dem neuesten Mitglied unserer Landesregierung: mit Ignazio Cassis. Ihr Wagen war das «Grotto Cassis», stilecht, rotblau. Also Ticino, nicht FCB!

Im Ticino als Bambino gebohrä,
jetzt zum grossä Bundesrot erkorä.
Mir cheus nid glaubä,
cha das si?
Nach 18 Johr Abstinänz
si mir wider derbi!

Nicht gerade die flotte Feder, aber dennoch eine Eloge. Der Niederdörfer Dorfgass Schlurbi ist in der Regel nicht zu übersehen. Wirklich eine Gaudi, Suva-konform hin oder her. Schlicht grossartig. Ein Volltreffer auch sein Vers am Wagen:

Es spiele alli ohni ändi
mit ihrem Händy.
Einfach, aber wahr. Die Schweizerische Post baut ab. Mit den Poststellen hatte es dieses Jahr die Langenbrucker Soubandi:

D Poststelle im Tal
die wärde rar ...
Nur d Soupost blibt,
das isch jo klar!

dichteten sie an ihrem Wagen. Derweil die Bretzwiler Chuestall Rugger auf einem Viehtransporter teilnahmen. Die Gugge kam als vielfarbige Schlümpfe daher, gefehlt hat am Anhänger das gängige Schild: «Lebende Tiere».