Münchenstein
Abgehoben, nachhaltig, saggstark: Gymnasiastinnen bedrucken und vertreiben besondere Stoffbeutel

Sechs Gymnasiastinnen aus Münchenstein haben ein eigenes Unternehmen. Die Stoffbeutel, welche sie produzieren, sind nachhaltig und haben keine englische Beschriftung. Ihr Produkt unterstützt ausserdem die Organisation OceanCare.

Jolanda Sauta
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Die Jungunternehmerinnen können mit ihrem Projekt erste Businessluft schnuppern.

Die Jungunternehmerinnen können mit ihrem Projekt erste Businessluft schnuppern.

Juri Junkov

Jetzt reden wir übers Business. Die zuvor während der Fotoaufnahmen kichernden jungen Damen werden auf einmal ernst. Die sechs Gymnasiastinnen aus Münchenstein mit Schwerpunkt Wirtschaft haben das eigene Unternehmen «Saggstark» auf die Beine gestellt.

Sie bedrucken eigenhändig Stoffbeutel mit baseldeutschen Sprüchen wie «Du gfallsch mr» oder «Dr Völlscht isch dr Töllscht» und vertreiben diese selbst. Das Projekt ist im Rahmen von Company Programme von Yes Swiss entstanden, das Schulprojekte für Start-ups begleitet, damit die Schüler einmal etwas Businessluft schnuppern können.

Etwas mit Lebensmittel war ihnen wegen Corona zu heikel

Dabei sind die sechs Unternehmerinnen nicht alleine. An ihrer Schule gehört das Projekt zum Pflichtprogramm. Deshalb gibt es am Gym Münchenstein, wo sie derzeit noch eineinhalb Schuljahre vor sich haben, noch andere Kleinunternehmen im selben Jahrgang.

«Eine Gruppe stellt selber Gonfi her, eine andere eine eigene Backmischung, bei der Konsumenten nur noch flüssige Komponenten wie Eier beifügen müssen», sagt Maxime Piesker, CEO von Saggstark. «Wir wollten aber nichts mit Lebensmitteln herstellen, da uns dies in diesem speziellen Jahr etwas heikel erschien.» Sie haben sich schliesslich für bedruckte Stoffbeutel entschieden, weil «die jeder im Alltag gebrauchen kann und uns das anspricht».

Leitender Gedanke der Nachhaltigkeit

Die Gymnasiastinnen legen bei ihren Beuteln grossen Wert auf Nachhaltigkeit. Damit sie sich zudem von anderen Produkten unterscheiden, wurde bewusst auf eine englische Beschriftung verzichtet. Auf Stoffbeutel konnten sich gleich auf Anhieb alle sechs einigen. Somit waren die früheren Ideen von einer hausgemachten Glühweinmischung oder einem selbst gemachten Lippenbalsam schnell verflogen.

Der leitende Gedanke der Nachhaltigkeit wird auf allen Ebenen umgesetzt: «Die aus Baumwolle bestehenden Stoffbeutel bedrucken wir mit veganer schadstofffreier Farbe im Siebdruckverfahren», erklärt Hannah Zehntner, welche sich um die Bewirtschaftung der auf Baseldeutsch verfassten Firmenwebsite kümmert.

Santhiya Sureswaran, das für die Administration zuständige Mitglied von Saggstark, führt aus: «Wir bieten den Kunden eine Alternative zu den Plastiktaschen in den Supermärkten.» Auch die Spende an die Schweizer Organisation OceanCare werde gezielt für die Säuberung der Meere eingesetzt. Die Mädels haben sich bewusst dafür entschieden. Piesker führt aus: «Dort werden Einwegplastiksäcke aus dem Wasser gefischt, und wir stellen einen wiederverwendbaren Beutel her. Das passt also in unser Konzept.»

Mit Geld umgehen, wie im richtigen Geschäftsleben

Das junge Unternehmen funktioniert wie ein richtiges, läuft aber noch unter dem Flügel von Yes Swiss. Rechtlich gesehen gilt Saggstark also noch nicht als Unternehmen, funktioniert aber wie eines. Finanzchefin Simona Beer erläutert: «Das heisst, wir erhalten alle einen Lohn.»

Für die Preisberechnung sind Beer sowie Aline Ernst zuständig. Und natürlich müssen die sechs mit dem Geld haushalten, denn wie im richtigen Geschäftsleben: «Wir bezahlen wie eine Art Mehrwertsteuer, aber nicht an den Staat, sondern an Yes Swiss. Dieser Betrag gilt symbolisch für sämtliche Abgaben wie etwa für die AHV.»

Dinge selbst in die Hand genommen

Das Jungunternehmen pickt sich für das Projekt die Teilmodelle heraus, die für sie praktisch erscheinen, und führt beispielsweise eine eigene «Aktie», sogenannte Partizipationsscheine, die Dividenden ausschütten. «Wir sind aber weder GmbH noch AG, sondern sehen uns eher als Einzelunternehmung.»

Den Businessplan haben die sechs nach einer Vorlage und einem Beispiel von Yes Swiss erstellt. Eine gewisse Unterstützung und Beratung war aber trotzdem nötig. Wenn diese das eine oder andere Mal etwas später als erwünscht eintraf, haben die Mädels selbst recherchiert und nahmen die Dinge gleich selbst in Angriff. «Das hat uns gelehrt, selbstständig zu denken und Erfahrungen aus dem Lernprozess zu sammeln», sagt Suleika Grob, Marketingverantwortliche.

Weitere Produkte im Hinterkopf

Das gemeinsame Erlebnis hat die Gymnasiastinnen zusammengeschweisst. Alles in allem mache das Projekt sehr Spass, und es herrsche eine gute Stimmung. Gut möglich, dass zu den Taschen noch weitere Artikel hinzukommen wie bedruckte Pullis oder Masken.

Ob das Projekt nach dem eigentlichen Enddatum im Sommer noch weitergeführt wird, ist derzeit noch offen. Vielleicht gründet die eine oder andere dereinst ihr eigenes, richtiges Unternehmen. Sie wissen jetzt auf jeden Fall, worauf es im Big Business ankommt.