Erika Preisig

Widerstand gegen Sterbehospiz-Pläne in Flüh: Gemeinde wünscht eine Informationsdiskussion

Erika Preisig will in Flüh ein Sterbehospiz einrichten.

Erika Preisig will in Flüh ein Sterbehospiz einrichten.

In Flüh wollen Anwohner mit einer Interessensgemeinschaft das geplante Sterbehospiz von Erika Preisig verhindern.

Ärztin Erika Preisig und Anwalt Moritz Gall müssen sich in Flüh auf hartnäckigen Widerstand einstellen. Die Anwohner sind fest entschlossen, die Pläne der Stiftung «Eternal Spirit» zu durchkreuzen. Preisig möchte am Rand von Flüh ein Sterbehospiz eröffnen. Dafür reichte sie bei der Gemeinde ein Umnutzungsgesuch ein. An der Gemeindeversammlung von Hofstetten-Flüh sagten jetzt aber Einwohner, sie hätten sich eine öffentliche Informationsdiskussion gewünscht. Sie forderten den Gemeinderat auf, sich mittels Befragung in Flüh ein Stimmungsbild zu machen.

Deutlich wurde an der Gemeindeversammlung auch, dass sich mit der «Interessensgemeinschaft Flüh» der Widerstand gegen Preisig organisiert. Deren Vertreter machte keinen Hehl daraus, dass sie alle Möglichkeiten ausschöpfen würden, das Sterbezimmer zu verhindern. Eine Freitodbegleitung gehöre nicht in ein Wohnquartier, sondern in ein Spital, sagte eine Bürgerin.

Gemeindepräsident Felix Schenker erklärte, der Gemeinderat habe grundsätzlich nichts gegen eine Umnutzung für ein Bed & Breakfast und Freitodbegleitungen. Betreffend Zonenkonformität verlasse er sich auf die Überprüfung durch die zuständige Baubehörde. Dies ist die Bau- und Planungskommission. Hingegen wünscht der Gemeinderat, «dass in der Baubewilligung geregelt wird, was und vor allem wie viel davon zugelassen ist». Die Diskussion wurde nicht weiter ausgedehnt, weil Schenker für Anfang des nächsten Jahres ein öffentliches Podiumsgespräch mit den Verantwortlichen von «Eternal Spirit» in Aussicht stellte.

Das Haus ist schon älter, doch die einsame Lage ideal.

Das Haus ist schon älter, doch die einsame Lage ideal.

Moritz Gall, Anwalt der Stiftung Eternal Spirit, bestätigt der bz: «Die Stiftung möchte schnellstmöglich der Gemeinde Red und Antwort stehen.» Man habe den offiziellen Weg über den Gemeinderat respektive die Baukommission gewählt. «Es geht uns darum, Missverständnisse zu klären und Ängste abzubauen bei einem offenen Gespräch. Widerstand entsteht oft durch mangelnde Information und falsche Annahmen, deswegen ist eine Informationsveranstaltung sehr wichtig.» Zur Standortfrage führt Gall aus: «Noch so gerne würde die Stiftung Betten im Spital belegen. Das wäre die idealste Lösung, da die sterbenden Menschen Pflege brauchen.» Doch: Der Basler Grossrat Luca Urgese habe erst vor kurzem vergeblich versucht, den begleiteten Freitod im Spital möglich zu machen. «Sein Vorhaben wurde abgelehnt. Ausser in der Welschschweiz, etwa im CHUV in Lausanne, müssen Menschen mit Todeswunsch das Spital verlassen.»

Gegen das Projekt sind bisher sieben Einsprachen eingegangen

Und Anwalt Moritz Gall präzisierte, Flüh habe man nicht absichtlich, sondern aufgrund der Tatsache gewählt, dass sich die dort zum Verkauf stehende Liegenschaft für die Zwecke der Stiftung gut eignen würde – «dies nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass das Grundstück nicht inmitten einer Wohnzone, sondern hinter einer Industriezone gelegen ist».

Benjamin Haberthür, Präsident der Bau- und Planungskommission, sagte seinerseits, dass bis zur Eingabefrist Anfang Dezember sieben Einsprachen eingegangen seien. Diese würden nun der Gesuchsstellerin zur Stellungnahme unterbreitet und es würden Einspracheverhandlungen geführt werden. Bis zum Entscheid der Baubehörde könnte es Frühling werden.

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