Coronavirus

Wenn das Gesundheitsamt zweimal klingelt: Beide Basel spüren wieder Infektionsketten auf

Die Zahl der Covid-19-Neuinfektionen sinkt. Das macht das  «Contact Tracing» wieder möglich. Basel-Stadt behilft sich dabei auch einer eigenen App, ebenso stellt der Bund eine Anwendung in Aussicht.

Die Zahl der Covid-19-Neuinfektionen sinkt. Das macht das «Contact Tracing» wieder möglich. Basel-Stadt behilft sich dabei auch einer eigenen App, ebenso stellt der Bund eine Anwendung in Aussicht.

Der Bund schreibt bald wieder das «Contact Tracing» vor: An Covid-19 Erkrankte und Angehörige müssen täglich kontaktiert, Infektionsketten ausfindig gemacht werden. Basel-Stadt hat seine «Tracer» schon im April reaktiviert – Baselland will nachziehen.

Die Zahl der Neuinfektionen mit Covid-19 in der Schweiz sinkt. Was die Spitäler entlastet, bedeutet für andere Mehraufwand: Für die «Tracer» geht die Arbeit wieder richtig los. Das sind jene Leute, die Infektionsketten aufspüren, mit dem Ziel, sie zu unterbrechen. Für diese detektivische Arbeit müssen die Kantone Personal stellen – so bestimmt es der Bund.

Auch den Zeitplan gibt der Bund vor. Gestern vermeldete das Bundesamt für Gesundheit (BAG) zum zweiten Mal in Folge weniger als 100 bestätigte Neuansteckungen mit Covid-19. Für Daniel Koch, Covid-19-Delegierter des BAG, genau der richtige Zeitpunkt, um die Infektionswege wieder stärker zu durchleuchten. Koch sagte am gestrigen Point de Presse zum Coronavirus: «Die Kantone beginnen jetzt das so genannte ‹Contact Tracing›. Ab nächster Woche sollte das dann schweizweit und kantonsübergreifend durchgeführt werden.»

Für Basel-Stadt bedeutet das erst mal gar keine Veränderung. Der Stadtkanton reaktivierte das «Contact Tracing» bereits am 22. April. Drei Angestellte des Gesundheitsdepartements tun seither den ganzen Tag nichts anderes, als sich bei Infizierten zu melden, aber auch bei Gefährdeten, bei denen das Risiko einer Ansteckung hoch war, was beim Erreger SARS-CoV-2 bedeutet: Mehr als 15 Minuten Kontakt mit einer infizierter Person bei weniger als zwei Metern Sicherheitsabstand.

Beide Basel fallen unter kritische Grenze

Anne Tschudin, Leiterin Kommunikation des Basler Gesundheitsdepartements, sagt auf Anfrage der bz: «Das aktive Aufspüren und die direkte Kontaktaufnahme mit den Kontaktpersonen wurde ab dem 22. April wieder konsequent aufgenommen. Seither instruieren wir diese Personen wieder direkt über die Quarantänemassnahmen und betreuen sie während der Quarantäne.»

Im Baselbiet sind die Infektionsketten schon seit längerem nicht mehr detailliert zurückverfolgt worden. Rolf Wirz vom Informationsdienst des Kantonalen Krisenstabs schreibt, zuletzt sei das «Contact Tracing» am 9. März betrieben worden – damals zählte der Landkanton 20 bestätigte Covid-19-Fälle.

«Wir bereiten derzeit die personellen und infrastrukturellen Ergänzungen unserer Ressourcen vor, um ‹Contact Tracing› betreiben zu können», schreibt Wirz. Man gehe von drei bis maximal neun Vollzeitstellen aus.

Wer Quarantäne bricht, könnte gebüsst werden

Der Aufwand, die Infektionsketten unter Kontrolle zu halten, ist beträchtlich. Die Infizierten müssen täglich angerufen werden – ebenso all jene, denen die Erkrankten zu nahe kamen.

In Basel-Stadt ist man auch dafür besorgt, dass die Betroffenen mit Lebensmitteln, Medikamenten und anderen wichtigen Gütern versorgt werden. So will man verhindern, dass Infizierte nach draussen gehen. Nicht zuletzt dienen die Anrufe als Kontrolle, ob die Quarantäne eingehalten wird – auch das ist eine Bundesvorgabe. Fehlbare könnten gebüsst werden, in einigen Kantonen machen die Behörden sogar Kontrollbesuche.

Der Luzerner Kantonsarzt Roger Harstall sagte zum «Blick», jeder Neu-Infizierte löse zwanzig Stunden Aufwand aus. Im Schnitt müssten zehn Personen kontaktiert werden. Er bezog sich dabei aber auf Erfahrungen vor dem Lockdown, als die Menschen viel mobiler waren.

Der Bund definiert Quarantäne so: Wer engen Kontakt mit einer infizierten Person hatte, muss sich zehn Tage so weit wie möglich isolieren. Entscheidend ist der Zeitpunkt der möglichen Ansteckung, also nach Auftreten der Symptome von Erkrankten und 48 Stunden davor. Selbstverständlich müssen sich auch die Erkrankten selber in Quarantäne begeben, sofern sie nicht in Spitalpflege kommen. 

Anne Tschudin vom Gesundheitsdepartement Basel-Stadt schreibt: «Die Fälle der letzten Tage haben gezeigt, dass pro infizierte Person durchschnittlich zirka zwei Kontaktpersonen angerufen werden müssen», häufig aus demselben Haushalt. In Basel verspricht man sich viel von einer neuen eigenen App (siehe Seite 15). Der Bund hat «seine» App per 11. Mai in Aussicht gestellt.

Es gibt Kantone, in denen Zivilschützer oder Personal von Dritten Infektionsketten nachgehen. Nicht so in den beiden Basel. Beide Kantone teilen unisono mit, ihre «Tracer» hätten einen medizinischen oder paramedizinischen Hintergrund.

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