Arlesheim

Was tun Asylbewerber, wenn es ihnen langweilig ist?

Asylbewerber in Zürich (Archiv)

Asylbewerber sollen in Arlesheim in einerm Durchgangszentrum untergebracht werden (Symbolbild).

Asylbewerber in Zürich (Archiv)

Arlesheim will sein gesetzliches Pflichtkontingent an Asylbewerbern in einem Durchgangszentrum unterbringen, statt in Asylwohnheimen.

Gut 50 Arlesheimerinnen und Arlesheimer widerstanden den Verlockungen eines vielleicht letzten Sommerabends und des FCB-Klassikers gegen die Grasshoppers. Stattdessen kamen sie zur Informationsveranstaltung über das geplante kantonale Durchgangszentrum für Asylsuchende.

Gemeindepräsident und Fussballfan Karl-Heinz Zeller bedankte sich artig bei den Gästen – denn er wusste, dass er an diesem Abend durch den Verzicht auf eine Herzensangelegenheit den Weg für eine andere ebnen könnte. Falls die Gemeindeversammlung am 2. Dezember nämlich dem Bau eines solchen Durchgangszentrums zustimmt, erspart sie dem Gemeinderat viel Arbeit. «Wenn es abgelehnt wird, müssten wir nach anderen Lösungen suchen, die Asylsuchenden unterzubringen. Das Problem würde sich damit nicht lösen», erklärt Zeller.

Keine Dauerhaftigkeit

Dem «Problem» Asylsuchende müssen sich die Arlesheimer ohnehin früher oder später stellen, ist doch die jetzige Situation ohne Dauerhaftigkeit. Mangels Unterkunftsmöglichkeiten sind die Arlesheimer Asylanten nämlich derzeit in Reinach untergebracht. Für den Gemeinderat hat sich das Problem als Chance dargestellt.

Ein Durchgangszentrum brächte insbesondere finanzielle Vorteile mit sich: «Verwaltung, Sozialhilfebehörde und Vormundschaftsbehörde werden entlastet», erklärte Ruedi Brandenberger, Vizepräsident des Gemeinderats. Bund und Kanton würden einerseits für die Baukosten eines solchen Gebäudes, andererseits für die Betreuung der Asylsuchenden rund um die Uhr aufkommen. Dies ist bei Wohnheimen für Asylanten nicht der Fall.

Skepsis war spürbar

Das Arlesheimer Publikum wollte anfangs noch nicht warm werden mit dem Vorschlag des Gemeinderates. Skepsis war insbesondere unter den unmittelbaren Anwohnern des Seidentors zu spüren. Dort nämlich soll dank einer Umzonung der Gewerbezone, der das Stimmvolk am 2. Dezember zunächst zustimmen muss, das Durchgangszentrum errichtet werden. Einige zeigten sich besorgt wegen allfälliger Lärmbelästigung, andere Anwohner machten sich Gedanken über die Freizeitbeschäftigung der Asylbewerber.

«Langeweile und mangelnde Zukunftspläne können zu Stress führen», meinte ein Anwohner. Besonders die Angst vor der Zunahme an Kriminalität konnte ihnen der Gemeindepräsident nehmen: «Asylsuchende haben in einem Durchgangszentrum noch keine Aufenthalts-
bewilligung.» Deshalb stünden sie unter besonderer Beobachtung.

Rolf Rossi, Leiter der Koordinationsstelle Asylbewerber Liestal, versicherte darüber hinaus, dass der Lärm nicht zu einem Problem werde: «Das Durchgangszentrum wird rund um die Uhr bewacht. Tagsüber sind es drei bis fünf Personen, nachts mindestens eine.»

Dass das Publikum dem Projekt mit einer gewissen kritischen Haltung gegenüberstand, vermochte den Gemeindepräsidenten im Hinblick auf die Abstimmung nicht weiter zu beunruhigen. «Die Parolen sind zwar noch nicht gefasst. Ausser der Neinsager-Partei denke ich, dass alle Parteien hinter dem Zentrum stehen.»

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