Die milde Sonne taucht den Garten in goldenes Herbstlicht, im Schlosshof geben sich barock gewandete Menschen die Reverenz, begleitet von Tanzmusik aus der Zeit: Die Festgemeinde und die Besitzerin, die Buess Vins AG aus Sissach, feiern das 300-jährige Bestehen des Schloss Souaillon.

Man glaubt es kaum, aber das Gut war preussisch, und zwar noch bis 1848. Puristen sagen, bis 1858, weil der Kanton zehn Jahre lang eine Doppelregentschaft hatte – eidgenössisch, preussisch. Dem lieblichen Anwesen merkt man es kaum an. Es ist wohl edel, aber kein Prunkbau, ausladend, aber nicht riesig. Kein Versailles, Schönbrunn oder Potsdam. Ländlich eben.

Schillernde Vergangenheit

Gebaut wurde das Schloss von Pierre de Chambrier (1659 – 1744), eine der bedeutenden Persönlichkeiten seiner Zeit. Er war Finanzminister und Staatsrat Neuenburgs. Der preussische König Friedrich Wilhelm I. von Preussen ernannte de Chambrier zu seinem Kämmerer. 1862 verkaufte die Familie de Chambrier an die de Pourtalès. 1882 übernahm James de Pury (1823 – 1902) Souaillon als Sommerresidenz. James de Pury war eine der schillerndsten Figuren des Neuenburger Gesellschaftslebens. Im Tabakhandel hatte er ein riesiges Vermögen in Brasilien gemacht.

1906 erwarb Maximilien de Coulon, Grossvater des heutigen Besitzers Laurent de Coulon, das Schloss. Letzterer ist in direkter Linie mit der Sissacher Wein-Familie Buess eng verbunden: Seine Mutter Yvonne war eine geborene Buess. Er ist Ur-Urenkel des Firmengründers Emil Buess.

Maximilien de Coulon war als Bauingenieur weit in der Welt herumgekommen und unter anderem am Bau der ETH Zürich und am Kanal von Korinth beteiligt. Als Krönung seiner Karriere amtete er als Chefinspektor des Bundes beim Simplontunnel.

Burgunder Boden

In Souaillon wurde der Weinbau aber erst 1991 wieder zum Leben erweckt. Laurent de Coulon setzt dabei ganz auf die Burgunder Tradition. Das hat seine Gründe. Der rote Lehm-Kalkboden weist eine ganz ähnliche Zusammensetzung auf wie die Burgunder Spitzenregion Aloxe-Corton. Ausserdem stimme der Breitengrad genau mit dem dieser berühmten Lage überein. Die bei Souaillon gepflanzten Pinot-Noir-Klone entsprächen unbestritten den besten Côte-d’Or, sagt de Coulon. Auch der Stil des Weines ist dem Burgunder nachempfunden. Auffallend ist überdies, dass selbst der Südhang ob des Schlosses mit seinen trockenen Kalkfelsen an das Burgund erinnert. Vor wenigen Jahren wurde die Anbaufläche von zwei auf fünf Hektaren vergrössert, weitere fünf sollen in den kommenden Jahren dazukommen.

Seit 1920 gehört der Familie de Coulon ausserdem das ganz nahe der Stadt Neuchâtel gelegene Gut Champréveyeres. Dort werden auf fünf Hektaren neben Pinot Noir auch Chardonnay und Pinot Blanc gezogen. 

Isabelle Weber, Gemeindepräsidentin von Cornaux, in dessen Bann das Schloss liegt, weiss, dass die Akte des Schlosses zu den ältesten des Dorfes gehören. Seit dem 18. Jahrhundert teilen Schloss und Gemeinde die Wasserrechte der auf Souaillon liegenden Quelle. Immer noch, auch nach 200 Jahren.