Kurz-Analyse

Vor dem zweiten Ständerats-Wahlgang: Die Vorteile liegen nun bei Graf

Maya Graf (Grüne) feiert an der Wahlparty.

Maya Graf (Grüne) feiert an der Wahlparty.

Der Landkanton wird erstmals in seiner Geschichte eine Frau ins «Stöckli» entsenden. Und nach zwölf Jahren wird diese Vertretung nicht mehr Mitglied der SP sein.

Die bz-Wahlprognose hat sich bewahrheitet, eine Überraschung ist ausgeblieben. FDP-Frau Daniela Schneeberger holt im ersten Wahlgang der Baselbieter Ständeratswahl am meisten Stimmen, allerdings fällt ihr Vorsprung auf die zweitplatzierte Grüne Maya Graf mit 3500 Stimmen ziemlich knapp aus. Graf wiederum entscheidet das linke Duell um den zweiten Platz hauchdünn vor dem Sozialdemokraten Eric Nussbaumer. Damit stehen vor dem entscheidenden Durchgang am 24. November zwei Dinge fest: Der Landkanton wird erstmals in seiner Geschichte eine Frau ins «Stöckli» entsenden, und nach 12 Jahren wird diese Vertretung nicht mehr Mitglied der SP sein.

Graf verhinderte Nussbaumer als parteiinternen Nachfolger von Claude Janiak, weil sie in ihren Oberbaselbieter Stammlanden und in Sonderfällen wie Arlesheim den entscheidenden Vorsprung herausholte und sich in den Unterbaselbieter SP-Hochburgen nicht vom Liestaler Genossen distanzieren liess. Neben ihrer ungebrochenen Popularität – 2015 erzielte Graf mit Abstand das beste Wahlergebnis aller Nationalratskandidierenden – wurde die Grüne im Herbst 2019 zusätzlich durch die politische Grosswetterlage beflügelt. Stichworte sind da die Klimabewegung und die Genderfrage.

Mit diesem Resultat liegen nun alle Vorteile bei Graf. Mit einer ähnlich starken linken Mobilisierung wie an diesem Sonntag würde der 2. Wahlgang für die Sissacher «Panaschierkönigin» zum Schaulaufen. Es wäre allerdings ein Riesenfehler, Grafs und Nussbaumers heutige Stimmen einfach zusammenzuzählen und die bürgerliche Kandidatin Schneeberger vorzeitig abzuschreiben. Scheebergers Chance liegt darin, jene Teile der Mitte-Links-Wählerschaft auf ihre Seite zu ziehen, die sich durch Grafs kompromisslose Umweltpositionen abgeschreckt fühlen könnten. Schliesslich schaffte schon einmal im Baselbiet ein Aussenseiter aufgrund einer bürgerlichen Trotzreaktion im 2. Wahlgang die Wende: 2013 wurde SVP-Kandidat Thomas Weber Regierungsrat … gegen den haushoch favorisierten Eric Nussbaumer. Letzterer wird die Affiche des ewigen Verlierers wohl nicht mehr los werden – so unverdient sie auch ist.

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